Bei Wind schwankt es stark hin und her, auch mit mehreren Metern Abstand ist es gut erkennbar: Hoch in einem Baum auf einem Grundstück zwischen Heinrich- und Schürenkampstraße in Gladbeck-Mitte haben Anwohnerinnen und Anwohner ein großes Insektennest entdeckt. Ein Hinweisgeber wendet sich diesbezüglich besorgt an die Redaktion: „Sollte sich das Nest oder ein tragender Ast lösen und herabfallen, könnten darunter befindliche Personen verletzt werden“, fürchtet er. Denn die Vermutung ist: Es könnte ein „normales“ Wespen- oder Hornissennest, wohl aber auch eines der Asiatischen Hornisse sein.

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„Besonders kritisch ist die unmittelbare Lage des Nestes über der frei zugänglichen Tiefgaragenzufahrt. Der Bereich ist nicht abgesperrt und kann jederzeit von Fußgängern und anderen Personen genutzt werden“, heißt es weiter. Der Vorwurf des Hinweisgebers: Die zuständige Hausverwaltung habe bereits seit einigen Wochen Kenntnis von dem Nest, habe es aber bislang nicht überprüfen lassen.

Zuständigkeit für Insektennest in Gladbeck zunächst unklar
Die Redaktion fragt bei der Kaiser GmbH „Hausverwaltungen und Immobilienservice“ aus Gladbeck nach. Hier heißt es zunächst: „Das Hornissennest befindet sich im Bereich der Heinrichstraße (...), die nicht in unserer Verwaltung steht.“ Man habe aber bereits am 19. Oktober die stattdessen zuständige Hausverwaltung Glawe aus Gelsenkirchen kontaktiert und beauftragt.
Auch hier aber heißt es auf Nachfrage, man sei für das Grundstück nicht zuständig, denn: Das Grundstück verlaufe so diagonal am Baum mit dem Nest vorbei, dass eben doch die Kaiser GmbH verantwortlich sei. Diese gab am vergangenen Donnerstag, 22. Oktober, nun an, eine Schädlingsbekämpfung mit der Begutachtung des Nestes beauftragt zu haben. „Sollte es sich um die Asiatische Hornisse handeln“, so Jan Kaiser von der gleichnamigen Hausverwaltung, „werden wir den Fund dem Naturschutzbund (NABU) melden und die Entfernung veranlassen.“
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Experte rät zur Entfernung des Nestes
Das Ergebnis dieser Prüfung lag der Redaktion am Dienstagnachmittag, 27. Oktober, zwar noch nicht vor. Für Nico Hullmann von der Imkerei „Starke Biene“ aus Gladbeck ist allerdings schon beim ersten Blick auf die Großaufnahme des tierischen Unterschlupfes klar: „Das ist ein Nest der Asiatischen Hornisse. Das Nest ist unten geschlossen. Das machen unsere heimischen Hornissen nicht.“ Die Asiatischen Hornissen flögen von oben in das Nest.
Die Nester können durchaus so groß werden wie ein Kleinkind
Nico Hullmann, Imkerei „Starke Biene“
Und: „Die Nester können durchaus so groß werden wie ein Kleinkind“, sagt Hullmann. „Bis zu ein Meter können die auf jeden Fall werden, vielleicht sogar 1,50 Meter.“ Auf den ersten Blick könne die Größe deshalb einschüchternd wirken, wie auch bei dem Exemplar an der Heinrichstraße.
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Entfernung des Nestes könnte Gründung neuer Nester verhindern
Vielleicht, so Hullmann, sei das Nest schon am Absterben. Das sei im Übergang zur kalten Jahreszeit normal. „Wenn wir einen milden Winter bekommen, kann es aber auch durchaus sein, dass es bis Ende November hängen bleibt.“ Deshalb sei es laut dem Experten nichtsdestotrotz ratsam, es entfernen zu lassen. „Vielleicht besteht so die Chance, Jungköniginnen zu töten, die sonst im nächsten Jahr ein neues Nest bilden.“
Ohnehin habe sich die Asiatische Hornisse in den vergangenen Monaten immer stärker im Ruhrgebiet ausgebreitet, Sichtungen des Insekts hätten „massiv zugenommen“. „Ich bekomme selbst ständig Anrufe. In diesem Jahr wurden allein bei mir 15, vielleicht 20 Nester gemeldet“, sagt der Imker. Insbesondere in Oberhausen sei das Tier stark verbreitet, bei einer Bekannten von Hullmann in Essen hätten die Tiere Weinreben im Garten komplett kaputt gefressen. Aber auch Gladbeck sei eben betroffen.
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Den ersten Herbststurm hat das Nest in der Heinrichstraße zwar überlebt. Durch das herbstliche Wetter und das schwindende Blattwerk könne es in den kommenden Wochen aber passieren, dass weitere Nester der Asiatischen Hornisse in der Stadt auftauchten, denkt Nico Hullmann. Wichtig sei dann: „Man sollte nicht versuchen, das selbstständig zu entfernen oder Steine darauf zu werfen.“ Wer sich einem Nest nicht weiter nähere, solle sich ansonsten aber nicht so große Sorgen machen.
Obwohl keine Meldepflicht mehr besteht, werden weiterhin Meldungen von Nestern und Königinnen der Asiatischen Hornisse durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK NRW) und die Untere Naturschutzbehörden (UNB) aufgenommen. Einzeltiermeldungen haben aufgrund der hohen Anzahl an Beobachtungen nur noch eine geringe Bedeutung für das Monitoring. Eine Meldung kann digital über Computer oder Handy über folgende Webseite erfasst werden: neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/fundpunkte/webformular.







