Die Verkehrsflüsse – oder treffender gesagt: die Hemmnisse – auf der Buerschen Straße in Gladbeck stellen sich als unendliche Geschichte dar. Wo sollen und können Menschen radeln, zu Fuß gehen oder motorisiert unterwegs sein. Verkehrsversuch gestartet, Verkehrsversuch abgebrochen. Was ist die beste Lösung, um allen beteiligten Gruppen gerecht zu werden? Nun legt Bürgermeisterin Bettina Weist einen neuen Vorschlag, einen Kompromiss, zur Verkehrsregelung auf den Tisch.

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Das Thema, das immer wieder hitzige Diskussionen in Gladbeck entfacht, treibt offenbar auch die Fachleute im Rathaus um. „Die Stadt Gladbeck und Bürgermeisterin Bettina Weist nehmen die geäußerten Sorgen, insbesondere hinsichtlich der Sicherheit von Radfahrenden, sehr ernst“, heißt es. Deshalb bringe die Verwaltungschefin „nun noch eine weitere Variante ins Spiel, um die Situation zu entschärfen“.

Buersche Straße in Gladbeck: Konflikt zwischen Autofahren, Parken und Radverkehr

„Wir wollen eine Lösung, die bestmögliche Sicherheit und Verkehrsfluss für alle Verkehrsteilnehmenden bietet. Die von mir und der Verwaltung vorgeschlagene Variante ist als Kompromiss zu sehen, der eine hohe Verkehrssicherheit für alle bietet und auch die Parksituation berücksichtigt“, unterstreicht Bürgermeisterin Bettina Weist.

Verwaltungssprecher David Hennig sagt: „Der jetzige Mischverkehr ist für alle schlecht.“ Ob per pedes, per Drahtesel oder motorisiert – die aktuelle Lösung bringt viele Menschen ruckzuck von null auf hundert.

Es ist aus unserer Sicht die einzig tragfähige Alternative zum Mischverkehr, die zwar Kompromissbereitschaft erfordert, aber letztlich die Situation für alle auf der Buerschen Straße verbessern würde

Bürgermeisterin Bettina Weist.
Bettina Weist, Bürgermeisterin in Gladbeck

Nun will die Bürgermeisterin in der kommenden Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität am 5. Juni „eine alternative Variante der Politik zur Entscheidung vorlegen, um im besten Fall mit einem breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens die bestehende Problematik zu lösen“. Und so sieht der Kompromiss aus: „Parkraum könnte im Bereich des Mittelstreifens geschaffen werden, um den bisherigen Parkstreifen am Fahrbahnrand für die Radverkehrsführung herzurichten.“

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„Es ist aus unserer Sicht die einzig tragfähige Alternative zum Mischverkehr, die zwar Kompromissbereitschaft erfordert, aber letztlich die Situation für alle auf der Buerschen Straße verbessern würde“, erklärt die Bürgermeisterin. Damit bekämen alle Beteiligten ihren eigenen Fahr- und Gehbereich, würden sich nicht mehr gegenseitig behindern und gefährden. Zugleich könnte Parkraum erhalten bleiben. David Hennig stellt klar: „Die Variante ist nichts, was bisher von der Verwaltung in die Diskussion gebracht wurde.“

Buersche Straße in Gladbeck: Dieser Radfahrer hält sich nicht an die Vorschriften und benutzt den Gehweg –und das auch noch in falscher Richtung.
Buersche Straße in Gladbeck: Dieser Radfahrer hält sich nicht an die Vorschriften und benutzt den Gehweg –und das auch noch in falscher Richtung.© FUNKE Foto Services | Michael Korte

Volker Kreuzer, Stadtbaurat und Erster Beigeordneter, betont: „Wir haben die Situation intensiv geprüft, und es gibt ansonsten keine Alternative zum bisher beschlossenen Mischverkehr, die einerseits eine höhere Sicherheit bietet und Konflikte minimieren würde, die andererseits auch kurzfristig umsetzbar sowie rechtlich und wirtschaftlich tragbar wäre.“

Um kurzfristig in den Austausch mit allen Akteuren zu gehen, schlägt Weist vor, das Thema im Mai am „Runden Tisches nachhaltige Mobilität“ zu behandeln. In dieser internen Gruppe sind unter anderem Fachleute aus der Stadtverwaltung, ADFC, Behinderten- und Seniorenbeirat vertreten. „Ein Termin ist noch nicht festgelegt“, so Hennig.

Der Verkehrsversuch bot optimale Bedingungen für den Radverkehr, fand aber aufgrund der fehlenden Parkmöglichkeiten keine Akzeptanz in der Bevölkerung

Stadtbaurat Dr. Volker Kreuzer
Volker Kreuzer, Stadtbaurat in Gladbeck

Die Verwaltung werde den neuen Vorschlag ausarbeiten und hofft auf eine breite Zustimmung der Parteien. „Nach einem positiven Signal aus der Politik könnte die Verwaltung eine Umsetzung der Mittelstreifen-Variante schnellstmöglich vorantreiben und im Laufe des Jahres realisieren.“ Sollte die Politik dem Vorschlag nicht folgen, werde die aktuelle Situation im Mischverkehr verfestigt. „Der Mischverkehr ist keine Ideallösung – aber im Moment wäre er ansonsten unter den aktuellen Gegebenheiten die einzige Lösung, die rechtlich Bestand hat“, unterstreicht Kreuzer.

Der Verkehrsversuch wurde im Sommer 2023 durchgeführt, weil die Verkehrsführung auf der Buerschen Straße nicht mehr regelkonform war. Im April 2024 beschloss die Politik mehrheitlich den vorzeitigen Abbruch des Verkehrsversuchs und die Umsetzung der Variante „Mischverkehr“ – also die gemeinsame Nutzung der Fahrbahn durch Auto- und Radverkehr.

Kreuzer: „Der Verkehrsversuch bot optimale Bedingungen für den Radverkehr, fand aber aufgrund der fehlenden Parkmöglichkeiten keine Akzeptanz in der Bevölkerung. Der Mischverkehr hat die komfortable Parkplatzsituation zwar wieder hergestellt, aber dies sorgt dafür, dass Radfahrerinnen und Radfahrer sich unsicher fühlen, der Verkehrsfluss stellenweise zäh ist und es zu neuen Konflikten zwischen Autofahrenden, Radfahrenden und Fußgängern kommt.“

Angesichts der miesen Haushaltslage in Gladbeck und des zeitlichen Aufwands sind Vorschläge unrealistisch

Politik und Interessenverbände haben immer wieder Verkehrsführungen thematisiert. „Es sind alles Vorschläge, die von der Verwaltung bereits geprüft wurden. Nach Bewertung aller Varianten mussten wir jedoch feststellen, dass keine eine höhere Verkehrssicherheit bieten würde und zugleich kurzfristig umsetzbar oder rechtlich zulässig ist“, so Kreuzer. Besonders die Forderung eines gemeinsamen Geh- und Radweges sei unter anderem aufgrund des Straßenquerschnitts ausgeschlossen. „Wir müssen heutzutage großzügiger planen, damit alle rechtlichen Normen erfüllt werden“, setzt Hennig hinzu.

Man könnte die Parkplätze schräg anlegen, das ist in einigen Städten gang und gäb

Gladbeck: David Hennig
David Hennig, Sprecher in der Stadtverwaltung Gladbeck

Er sagt mit Nachdruck: „Die Stadtverwaltung will nicht zwei Jahre warten.“ Der Vorschlag der Bürgermeisterin sei die einzige Möglichkeit im Bestand. Die Fläche des Mittelstreifens müsste abgesenkt werden – und, ja: Für den Parkraum „muss irgendetwas weichen“. Sprich: Rasen und einige Bäume wären dann Geschichte. „Man könnte die Parkplätze schräg anlegen, das ist in einigen Städten gang und gäbe“, so Hennig. So ließen sich vielleicht die Lücken zwischen den bleibenden Bäumen nutzen. Ob ein gefahrloses Ausparken bei dieser Lösung möglich ist? Auch diese Frage bleibt zu klären.

Der Stadtbaurat: „Der Einrichtung eines Radweges auf dem ungenutzten Mittelstreifen wird eine Absage erteilt: Ohne einen Vollumbau der Kreuzungen und des Mittelstreifens selbst ist diese Variante nicht realisierbar.“ Der Fachmann sagt über eine weitere Variante: „Auch die Verlagerung der Verkehrsführung mit Rad- und Parkstreifen auf der einen, KfZ-Verkehr auf der anderen Seite des Mittelstreifens ist zwar eine sinnvolle Vision für die Buersche Straße, aber nur mit einem Vollumbau aller Kreuzungen umzusetzen.“

Gladbeck: Die Stadtverwaltung plant Informationskampagnen zum richtigen Verhalten im Mischverkehr

Beide Varianten seien angesichts der aktuellen Haushaltslage sowie in Verbindung mit einem hohen Planungsaufwand, der eine Lösung frühestens in mehreren Jahren in Aussicht stellen würde, keine Option. Hinzu kommt: „Ein zur Einhaltung der rechtlichen Normen notwendiger Komplettumbau der Buerschen Straße wäre langfristig gesehen ohnehin nicht wirtschaftlich, da der Neubau der Brücke ab der zweiten Hälfte der 2030er Jahre ohnehin auf der städtischen Agenda steht.“

Die Stadtverwaltung will die Entwicklung auf der Buerschen Straße aufmerksam beobachten und im Dialog mit Polizei, Kreis und Interessenverbänden bleiben. Sie plant unter anderem Informationskampagnen zum richtigen Verhalten im Mischverkehr sowie die Ausweisung von Alternativrouten und will erneut gezielte Verkehrskontrollen durch die Polizei anregen.