„Wofür soll ich aufhören?“ – „… und morgen höre ich wirklich auf.“ – „Ich mach’ mich einfach nur gesund.“ – „Ich will, aber ich kann einfach nicht.“ Diese Sätze standen am Dienstagmittag in goldener Farbe auf langen, schwarzen Balken vor der St. Augustinuskirche in der Gelsenkirchener City – ausgelegt, damit die Besucher darüberlaufen und sie bewusst wahrnehmen konnten. In der Mitte der Installation stand ein kleiner Holzbaum, an dem die Namen jener Menschen hängen, die aufgrund ihres Drogenkonsums gestorben sind. 14 neue Namen kamen an diesem Tag hinzu.

Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende bringt 150 Menschen zusammen

Der Anlass: Wie in jedem Jahr am 21. Juli fand mitten in der City der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende statt – diesmal unter dem Motto „Nur noch ein letztes Mal …“. Angehörige, Wegbegleiter und Unterstützer erinnerten mit Blumen, Kerzen und den Namen an die Verstorbenen. Rund 150 Menschen kamen zusammen. Ausgerichtet hatte die Veranstaltung der Verein Arzt mobil, unterstützt vom Verein Warm durch die Nacht und dem Musiker Norbert Labatzki.

„Es sind Menschen, die nicht auffallen mit ihrer Suchtmittelabhängigkeit, die in ständiger Angst leben, entdeckt zu werden“, sagt Karin Schneider von Arzt mobil. Menschen, die sich sagen: nur noch ein letztes Glas Wein, nur noch eine letzte Tablette, nur noch ein letztes Mal.

Internationaler Gedenktag für Drogengebrauchende auf dem Heinrich-König-Platz in Gelsenkirchen
„Es ist wie ein Teufelskreis“: Erinnerungen zum Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende. © FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Genau diesen oftmals unsichtbaren Lebensrealitäten wollten die Organisatoren am 21. Juli einen Raum geben. „Hinter jeder Suchterkrankung steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, mit Hoffnungen, Rückschlägen und dem Wunsch nach Veränderung“, so ihre Botschaft.

Gedenktag in Gelsenkirchen würdigt Verstorbene und stärkt Zusammenhalt

Auch Propst Markus Pottbäcker sprach zu den Gästen. Er stellte eine einfache Frage in den Raum: Warum sollte jemand mit etwas aufhören, wenn er keinen Grund dafür sieht? „Wenn ich etwas lassen will, muss ich wissen, warum es sich lohnt“, sagte der Geistliche. Dafür brauche es Menschen, die einen lieben und gernhaben. Ein gutes Wort, eine Geste könnten reichen: „Im eigenen Verhalten signalisieren: Du bist wichtig.“

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Pottbäcker zeigte sich dankbar, dass es diesen Tag in Gelsenkirchen jedes Jahr wieder gebe: „Ich bin so dankbar, dass wir diesen Tag hier immer wieder haben, dass wir an die Verstorbenen erinnern, dass sie nicht verschwinden aus unserem Erinnern.“ Das Gedenken sei eine Wertschätzung für die Toten – „aber wir brauchen das für die Lebenden, und wir brauchen das von jedem Einzelnen von uns“. Die entscheidende Botschaft, die von diesem Tag ausgehe: „Es ist gut, dass du da bist.“ Für Pottbäcker ist der Anlass auch ein Appell, das eigene Verhalten zu überprüfen.

Internationaler Gedenktag für Drogengebrauchende auf dem Heinrich-König-Platz in Gelsenkirchen
Angehörige, Freundinnen und Freunde, Bekannte der Verstorbenen hatten die Möglichkeit, Blumen an den Namenstafeln niederzulegen.© FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Neben der Installation hatte das Team von Warm durch die Nacht seinen Stand aufgebaut. Dort wurden die Gäste mit Kaffee, Getränken und zum Abschluss mit Pizza und Pizzabrötchen versorgt – eine Einladung, ins Gespräch zu kommen und den Nachmittag miteinander zu verbringen.

Weitere Informationen zu Arzt mobil und Warm durch die Nacht gibt es im Netz unter arztmobil-gelsenkirchen.de und gepa-wddn.ruhr.