Die ersten Symptome waren diffus, die Suche nach der Ursache zäh: Immer wieder hatte Elise Langer (Name geändert) im Jahr 2023 erhöhte Temperatur, vermutete eine Infektion. Als sie im Herbst zu ihrem Hausarzt ging, habe der wenig Interesse gezeigt: „Er fand wohl, dass ich übertreibe.“ Und so sollten viele Monate vergehen, bis sie eine Diagnose bekam: Krebs. Dank moderner Therapien lebt die 79-Jährige heute mit wenigen Einschränkungen. Beim Onko-Talk am Dienstag, 24. März, im Uniklinikum Essen möchte sie anderen Betroffenen Hoffnung machen, „bei dieser Diagnose nicht gleich zu verzweifeln“.
Onko-Talk zu Thema Hightech-Medizin
Gemeinsam mit dem NRW-Wissenschaftsministerium und dem Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) an der Uniklinik Köln hat das Westdeutsche Tumorzentrum (WTZ) an der Uniklinik Essen den Onko-Talk NRW ins Leben gerufen, bei dem sich Patienten und Experten mit Forschungsthemen der Onkologie befassen.
Der 4. Onko-Talk findet am Dienstag, 24. März, von 18.30 bis 20 Uhr im Lehr- und Lernzentrum, Virchowstraße 163a in Essen, statt und steht unter der Überschrift „Hightech-Medizin bei Lungenkrebs“. Weitere Infos und Anmeldung auf: wtz-essen.de/onko-talk-nrw
Die pensionierte Richterin war zeitlebens kaum krank, kämpfte auch nicht mit altersbedingten Gebrechen. Auch nach dem unergiebigen Arztbesuch fühlte sie sich bald wieder besser: Im Oktober 2023 machte sie eine Radtour, fuhr um die 300 km die Weser entlang, legte Besichtigungsstopps ein. „Das klappte gut“, erinnert sie sich. Nur im Nachhinein fällt ihr ein, dass sich ihr Bein schwer anfühlte, wenn sie sich aufs Rad schwang.
Experten der Uniklinik Essen suchen nach dem Primär-Tumor
Damals machte sie sich keine Gedanken. Weihnachten war das Haus voller Kinder, da freute sie sich nur, „dass ich das in meinem Alter alles hinbekomme“. Doch als Silvester die Anspannung abfiel, bekam sie Fieber und heftige Hüftschmerzen. Nichts Ernstes, sagte ihr Hausarzt, verschrieb ein Breitband-Antibiotikum.
Als die Beschwerden nicht verschwanden, suchte Elise Langer einen anderen Arzt auf. Nun wurden bildgebende Verfahren hinzugezogen und eine Veränderung in der Leber gefunden, die man sich einige Monate später ansehen wollte. Doch vorher entdeckte man, woher ihre Hüftschmerzen kamen. „Da ist etwas in der Beckenschale, bei dem wir an Krebs denken müssen“, sagte der behandelnde Arzt.

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Im Krankenhaus in ihrer Heimatstadt Werne riet man ihr, sich an die Uniklinik Essen zu wenden. Und erstmals half Elise Langer das Rätsel um ihre Erkrankung: Im Tumorzentrum der Uniklinik sagte man ihr, dass sie keine Überweisung brauche. Patienten mit cancer of unknown primary (Cup) – also Krebs unbekannten Ursprungs – nehme man direkt auf.
Ich hatte keinerlei Atembeschwerden, und: Ich habe nie geraucht. Ich musste erst lernen, dass Nichtraucher diese Art von Lungentumoren häufiger haben.
Elise Langer (Name geändert), 79, über die Diagnose Lungenkrebs
Im März 2024 kommt Elise Langer stationär in die Uniklinik und wird dort gründlich untersucht: von der Gewebeprobe bis zum PET/CT, einer Methode, die Positronenemissionstomographie und Computertomographie kombiniert. Der Krebsverdacht bestätigt sich, der Schatten in der Leber entpuppt sich als Tumor, es finden sich weitere Metastasen in den Knochen. „Nur der Primär-Tumor wurde erst nicht gefunden.“ Elise Langer erzählt nicht von einem Schock, sondern von Ungläubigkeit: „Emotional kam das noch nicht an, dabei habe ich alles verstanden.“ Sie sei sofort mit ihrem Mann zum Notar gegangen.
In der Uniklinik suchen die Spezialisten weiter nach dem Primär-Tumor – und finden ihn schließlich in der Lunge: „Es war ein kleiner Knubbel in einer Ansammlung von Lymphknoten, deshalb hatte man ihn nicht gesehen“. Auf die Lunge hätte Elise Langer nie getippt: „Ich hatte keinerlei Atembeschwerden, und: Ich habe nie geraucht. Ich musste erst lernen, dass Nichtraucher diese Art von Lungentumoren häufiger haben“.
Die Ärzte bieten ihr eine Gensequenzierung an, mit der festgestellt werden soll, ob ihr Krebs mit einer Immuntherapie behandelt werden kann. Während sie auf das Ergebnis wartet, wachsen die Metastasen in der Leber, sie braucht eine Chemotherapie, die Anfang Mai 2024 beginnt. „Das war heftig. Drei Tage lang war ich eigentlich gar nicht anwesend.“
Mediziner freuen sich mit der Patientin, dass es eine Therapie für sie gibt
Nach drei Wochen Wartezeit, über die sie sich mit viel Lesen gerettet habe, glaubt Elise Langer, dass ihr nur noch weitere Chemotherapien sowie eine Bestrahlung bleiben: Aufschübe, keine Heilung. „In einem bestimmten Alter muss man an irgendetwas sterben.“ Natürlich habe sie sich noch ein paar Jahre gewünscht: „Aber mit Ende 50 hätte mich das mehr getroffen. Und für junge Mütter und Väter ist eine tödliche Krebserkrankung eine Katastrophe.“
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Am 15. Mai melden sich unverhofft die beiden zuständigen Mediziner und erklären ihr, dass man bei der Gensequenzierung eine seltene Mutation gefunden habe. Sie hat sogenannten ALK-positiven Lungenkrebs, den man zielgerichtet behandeln kann: Die Medikamente greifen also nur den Tumor an und schädigen nicht wie eine Chemotherapie andere Zellen im Körper. Ein Glücksfall, der nicht nur sie selbst bewegt: „Man merkte, dass der Arzt und die Ärztin sich sehr mitfreuten, mal eine gute Botschaft überbringen zu können.“
Schon eine Woche später beginnt die zielgerichtete Therapie, mit einem Mittel, das sie nun lebenslang nehmen muss: morgens und abends je vier Tabletten. „Das ist komfortabel und gut verträglich – kein Vergleich zur Chemo.“
Nach monatelangen Schmerzen gewinnt sie Gewicht und Lebensfreude zurück
Seit Januar 2024 hatte sie permanent unter schweren Schmerzen gelitten, weil in den Knochen und in der Wirbelsäule überall Metastasen saßen. Sie wurde zusehends schwächer, nahm fünf Kilo ab. Die Tabletten wirken sofort: Binnen einem Monat habe sie ihr altes Gewicht zurückgewonnen, binnen zwei Monaten bildeten sich die Lebermetastasen zurück. Auch die Knochenmetastasen verschwänden. „Es ist fantastisch, und ich bin dafür sehr dankbar.“ Sie wisse, dass sie großes Glück gehabt habe: „Hätten die Metastasen in der Beckenschale keinen Ärger gemacht, wäre der Krebs vielleicht zu spät bemerkt worden.“
Sie muss nun regelmäßig zur Blutkontrolle und zum CT an die Uniklinik kommen. Und Infekte müssen wegen der Nebenwirkung des Medikaments besonders sorgfältig beobachtet werden. Auch habe ihre Kondition gelitten: „Wenn ich heute mit einer Gruppe durch die Stadt laufe, bin ich nicht mehr vorneweg, sondern hinten dran.“ Fürs Radfahren gilt das nicht: „Ich habe mir ein E-Bike gegönnt.“







