Duisburg hat seit sechzehn Jahren eine offene Wunde. So wie all die Hinterbliebenen, die Verletzten und Traumatisierten, für die nach der Loveparade 2010 nichts mehr so ist, wie es war. Mit Glockenschlägen, berührenden Worten und Musik wurde der Katastrophe an der Gedenkstätte gedacht.

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Dafür reisten Angehörige aus Deutschland, China, Italien und Spanien wie auch in den Vorjahren an, um sich zu treffen und in der Salvatorkirche und später im Tunnel an der Karl-Lehr-Straße gemeinsam um ihre Kinder zu trauern. Rund 80 weitere Betroffene, Angehörige, Freunde und Duisburger zog es an diesem Tag wieder dorthin.

Loveparade Duisburg: „Zutiefst verstörendes Gefühl, an der Rampe zu stehen“
Schon der Weg durch den Tunnel, er bleibt bedrückend. Das Schmutziggrau der Decke trifft auf das Asphaltgrau der Straße, an den Wänden die Silhouetten von Menschen. Nur noch ein Schatten dessen, was als Massenpanik das Leben vieler für immer veränderte.
Oberbürgermeister Sören Link erklärte in seiner Ansprache, dass es immer noch „ein zutiefst verstörendes Gefühl“ sei, an der Rampe zu stehen, an der so viele Menschen ihr Leben verloren, so viele verletzt wurden. „Sie alle kamen, um Spaß zu haben, um zu tanzen, um Leute zu treffen. Für sie sollte die Loveparade in Duisburg das beste Festival aller Zeiten werden – doch sie wurde zur Tragödie; zu einer Tragödie, die Zukunftspläne, Träume und Hoffnungen zunichtemachte, die Schmerz und Trauer hinterließ.“

Dank für die ehrenamtlich Engagierten der Stiftung Duisburg 24.7.2010
Der OB dankte all den Aktiven der inzwischen aufgelösten Stiftung Duisburg 24.7.2010, die in den vergangenen zehn Jahren für die Opfer und die Familien als Unterstützer ansprechbar waren und die Gedenkfeiern organisierten. Ihrem Engagement sei es zu verdanken, dass neues Vertrauen wachsen konnte, auch in die Stadt und ihre Vertreter.
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Künftig kümmere sich die Kommune wieder um die Gedenkstätte und die Gedenkveranstaltung. „Mit der Auflösung der Stiftung endet das Gedenken an die Loveparade-Katastrophe jedoch nicht; seine zentrale Bedeutung in und für diese Stadt bleibt unverändert.“
Die Ankunft der Angehörigen, die gemeinsam mit dem Bus gebracht werden, ist inzwischen auch freudig. Im Schmerz vereint, sind hier Freundschaften über Kontinente und Sprachbarrieren hinweg entstanden. Es wird geherzt und geküsst, auch gelacht. Als aber schließlich die 23 Glockenschläge ertönen, laufen doch die Tränen, verschränken sich Hände ineinander. Schultern werden umfasst, Rücken berührt, Taschentücher gereicht.
Zum Loveparade-Gedenken kommen, „solange mich meine Füße tragen“
Gekommen ist auch die ehemalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Sie war Mitglied der Stiftung, die sich so lange kümmerte. Was künftig angemessen sei, wie künftig das Gedenken gestaltet werden sollte, „das werden die Angehörigen entscheiden, gemeinsam mit der Stadt“. Einer der Hinterbliebenen betont, dass er kommen werde, „solange mich meine Füße tragen“. Die Zusammenkunft sei ihm wichtig.

Kerzen werden entzündet, Blumen gerichtet. Von der Gedenktafel blicken die jung gebliebenen Opfer der Loveparade auf ihre immer älter werdenden Eltern, Geschwister, Freunde. Gänsehautmomente schuf auch der Duisburger Gitarrist Jupp Götz mit seiner rauen, eingängigen Stimme: „Sending you wishes, sending you kisses, wherever you may be.“

„Das Einzige, das garantiert ist, ist das Jetzt.“
Trauerredner Stephan Steinberg stellte die Sinnfrage, motivierte aber auch, im Moment zu sein. Keiner könne garantieren, dass man genießen werde, was man sich vornimmt, keine Reise, keine Küsse. „Das Einzige, das garantiert ist, ist das Jetzt.“ In den Herzen würden die Verstorbenen weiterleben. Und auch, wenn manche Erinnerung mit der Zeit verblasst. „Ein Ort, ein Lied, ein Geruch oder die Lieblingsspeise rufen sie wieder zurück und bauen eine Brücke.“
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Am offiziellen Loveparade-Mahnmal vor dem Tunnel, das mit 21 ineinanderstürzenden Stahlstäben hinter einer Bronzeplatte an die Tragödie erinnert, ist es ruhig. Etwas verloren liegt ein Kranz des Landes NRW dort. Daneben ein paar Grabkerzen, eine Bierdose. An der Gedenkstätte selbst hatten Techniker im letzten Moment eine Dose aus dem Blickfeld der Kameras verschwinden lassen. Auch das ist Duisburg.







