Von den Bauarbeiten für die Internationale Gartenausstellung (IGA 2027) im Rheinpark bekommen Hochfelder und Autofahrer im Alltag seit Monaten kaum etwas zu sehen. Das Gelände ist abgesperrt, und die meisten neuen Attraktionen wie der Skywalk liegen weit draußen, am Rhein. Seit einigen Tagen aber wird an der Spitze des Geländes, wo Wanheimer Straße und Wörthstraße sich kreuzen, für alle sichtbar, wie eine neue Landmarke entsteht: Die Holzbauer errichten den Eingangspavillon der IGA, durch den vom 23. April bis zum 17. Oktober 2027 möglichst eine Million Besucher strömen sollen.

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Vier der sechs Stützen, auf denen die gewaltige Holzkonstruktion ruhen soll, stehen bereits aufrecht auf den je fünf mal fünf Meter großen Betonfundamenten. Zum Start der Holzbauarbeiten auf der Baustelle haben die in Duisburg für den IGA-Umbau zuständigen Wirtschaftsbetriebe (WBD), die IGA Metropole Ruhr 2027 gGmbH und das Duisburger Büro Druschke NxT ihr „besonderes architektonisches Statement“ am Dienstag vorgestellt – inklusive einiger aufsehenerregender Neuerungen.
IGA-Eingangspavillon in Duisburg-Hochfeld soll Strahlkraft eines Wahrzeichens entwickeln
Stolze 5,2 Millionen Euro wird die Herrichtung des Eingangsbereichs gegenüber der Kirche St. Bonifatius kosten. 3,6 Millionen davon fließen allein in den hölzernen Pavillon, der eine „kraftvolle Willkommensgeste“ sein und auf die Gäste einen „poetischen Eindruck machen soll“, wie Architekt Dirk Druschke erläutert.
Der Duisburger, der sein Architekturbüro hier 1992 gründete, hofft, dass sein IGA-Tor eine ähnliche Strahlkraft wie jüngere Wahrzeichen der Stadt entwickeln wird – er nennt Rheinorange, Landschaftspark, Tiger & Turtle. Schließlich soll der Pavillon dazu beitragen, dass der Rheinpark gegen die IGA-Konkurrenz im Ruhrgebiet bestehen kann (siehe Infobox).

Die Ausgangslage war denkbar schwierig: Der IGA-Gesellschaft fehlte plötzlich das Geld für den Bau, darum springt die Stadt Duisburg finanziell ein. Obendrein soll das Bauwerk, das nur wegen der sechsmonatigen Gartenschau entsteht, möglichst ein Beispiel für nachhaltiges Bauen sein. Die Grünen im Rat kritisierten, ein ursprünglich angedachtes, recycelbares Gebäude sei „wesentlich attraktiver“ als der neue Entwurf. Dieser erinnere an eine „Tankstellenüberdachung“.
Dagegen gerät IGA-Co-Geschäftsführer Hanspeter Fass ins Schwärmen. Der erfahrene Gartenschau-Manager aus dem Allgäu sagt, die Eingangsbereiche seien für die Ausstellungen entscheidende Erfolgsfaktoren. Duisburgs Pavillon sei „spektakulär“ und habe das Zeug zu einem identitätsstiftenden Erkennungs- und Wahrzeichen: „Hier kann der Stolz darauf spürbar werden, dass Duisburg solch eine Gartenschau umsetzen kann.“
WBD-Chef Sebastian Beck lobt die Verbindung von „Funktionalität, Aufenthaltsqualität und architektonischem Anspruch“. Er findet: „Der Pavillon macht schon beim Ankommen deutlich, welche Bedeutung der Zukunftsgarten Rheinpark für unsere Stadt haben wird.“
Transluzente Haut: „Das Dach wirkt wie ein Wald“
Zum Bauwerk: Nur sechs Pfeiler tragen ein etwa 60 Meter langes und 20 Meter breites Dach. Möglich macht dies eine Struktur aus gestapelten, geschichteten und verleimten Hölzern oberhalb der baumartigen Stützen. Eine in 8,50 Meter Höhe schwebende, 1200 Quadratmeter große Fläche mit Seitenflächen – „die größte Herausforderung für uns war der Wind von allen Seiten“, sagt Niklas von Haaren vom Ingenieurbüro Pirmin Jung, mit dem Druschke zusammenarbeitet. Erschwerend kam hinzu, dass tiefe Fundamente wegen der Altlasten im Boden des ehemaligen Stahlwerksgeländes nicht infrage kamen.
Baustoff ist Fichten- und Tannenholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in Skandinavien und Österreich, erläutern Dirk Druschke und seine für das Projekt verantwortlichen Architektinnen und Architekten um Frank Meuleneers, Helen Alina Pick und Stephanie Draub. Den Entwurf, für den der Rat Ende 2024 grünes Licht gab, haben sie noch erweitert und modifiziert: Über das Holzdach wird mithilfe von Metallbauern noch eine transluzente Dachhaut gezogen. Diese filtert Licht und spendet Schatten. Über diese Dachhaut aus PVC wird zudem der Regen in versteckte Fallrohre abgeleitet. „Das Dach wirkt wie ein Wald, dessen Kronen Schutz bieten, ohne den Himmel auszublenden“, so die Idee der Planer.

Das Dach soll nachts stundenlang glimmen
Für die Dunkelheit haben sie sich noch ein besonderes Element einfallen lassen: Am Rand der Dachkonstruktion werden bewegliche Stahlstäbe mit phosphoreszierenden Blättern angebracht. „Sie reagieren auf Wind, speichern Tageslicht und geben es nachts wieder ab“, erklärt Helen Alina Pick. „Das Dach beginnt mit Einbruch der Dunkelheit zu glimmen wie ein großer Schwarm Glühwürmchen, der in neun bis zehn Metern Höhe über dem Eingang schwebt.“ Dieser Effekt soll im Dunkeln stundenlang auch aus der Ferne erkennbar sein.
Unter diesem zauberhaften Dach werden in Containern und Holzbauten die Kassen und Toiletten, Räume für Mitarbeiter und Sanitäter sowie ein Informationspunkt untergebracht. Architekt Dirk Druschke sagt: „Wir wollten ein offenes, freundliches, unverwechselbares und gleichzeitig nachhaltiges Bauwerk schaffen, das die Atmosphäre des Rheinparks aufnimmt.“

Was wird nach der IGA aus dem Pavillon?
Druschke macht keinen Hehl daraus, wo er den IGA-Pavillon in Zukunft, nach der Schau, am liebsten stehen sähe: genau dort, wo er jetzt verankert wird, als Tor zum neuen Rheinpark und Erinnerung an die IGA 2027. Entscheiden darf er das allerdings nicht. Das Holzdach könnte noch ein einziges Mal abgebaut und in Gänze oder in bis zu sechs Teilen an anderer Stelle neu aufgebaut werden, etwa auf dem Gelände der Grundschule, die an der Hochfeldallee einmal für das neue Quartier Rheinort entstehen soll.
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Konkrete Pläne zur Wiederverwertung der modular und versetzbar geplanten Konstruktion gibt es offenbar bisher nicht. „Es wird eine sinnvolle Nachnutzung geben“, verspricht WBD-Vorstand Sebastian Beck. Diese sei jedoch abhängig von etlichen Faktoren, zum Beispiel vom Bebauungsplan für das Baufeld D des Rheinortes (wir berichteten).
Wasserspielplatz und Blumenhalle an der Hochfeldallee
Wichtiger ist allen Beteiligten die nahe Zukunft und die Einhaltung des Zeitplans: Ende Juli soll die Firma Terhalle aus Ahaus mit dem Holzbau fertig sein, das Dach Ende September. Anfang Dezember werden die ersten Container unter dem Dach aufgestellt.
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Auch die Oberflächen und Plätze zu beiden Seiten des Pavillons müssen noch gestaltet werden. An der Hochfeldallee etwa entsteht ein Wasserspielplatz, und unweit des Eingangs wird die größte Hallenschau der gesamten Ruhrgebiets-IGA zu sehen sein: Die von der IGA Metropole Ruhr zu errichtende Blumenhalle wird eine Fläche von 1500 Quadratmetern haben. Darin gibt es wöchentlich bis zweiwöchentlich wechselnde Schauen rund um Floristik und Gartenbau zu bestaunen.
IGA: 5 Zukunftsgärten, 3 davon eintrittspflichtig
Die erste dezentrale IGA bietet vom 23. April bis 17. Oktober 2027 im gesamten Ruhrgebiet 178 Tage lang etwa 6000 Veranstaltungen. Herzstück sind die fünf Hauptstandorte, die „Zukunftsgärten“. Der Eintritt zu den Zukunftsgärten Emscherland (Castrop-Rauxel/Recklinghausen) und Lünen ist kostenfrei.
Eintritt muss dagegen zahlen, wer die Zukunftsgärten im Duisburger Rheinpark (11 000 m²), im Gelsenkirchener Nordsternpark (12 500 m²) und auf dem ehemaligen Gelände der Kokerei Hansa in Dortmund (7000 m²) besuchen möchte.
Der Rheinpark Hochfeld wird für die IGA für rund 80 Millionen Euro umgebaut: 40 Millionen Euro investiert die Stadt, weitere 40 Millionen Euro schießen Bund und Land an Fördermitteln hinzu.





