Es ist kurz nach 16.30 Uhr, als eine Fußball-Legende im Foyer der ersten Rathausetage erscheint. Bernard Dietz (77) begrüßt kurz ein paar der rund 70 geladenen Gäste, Freunde und langjährige Weggefährten wie Michael Bella und Dietmar Linders, die sich an diesem Donnerstagnachmittag dort bereits versammelt haben. Gleich wird Oberbürgermeister Sören Link die Ehrennadel der Stadt an die Vereinsikone des MSV Duisburg verleihen – „an einen der prägendsten Sportbotschafter“, wie es offiziell heißt.

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Vorher nimmt sich Dietz noch Zeit für ein Gespräch mit der Redaktion. „Ich hab‘ doch eigentlich nichts Besonderes gemacht, sondern nur immer das, was mir am meisten Spaß gemacht hat: in Duisburg Fußball zu spielen“, sagt der für seine Bescheidenheit bekannte 77-Jährige mit einem Lächeln und betont: „Duisburg ist meine zweite Heimat.“

Bernard Dietz: „Duisburg ist meine zweite Heimat“

Schließlich ist Dietz sein Leben lang ein Westfale geblieben. Er hat seit 1972 mit seiner Frau Petra ein Haus in Walstedde, einem kleinen Dorf im Kreis Warendorf. In Bockum-Hövel, nur wenige Kilometer entfernt, ist er geboren und aufgewachsen. Und dort hat er beim heimischen SV bis 1970 auch Fußball gespielt.

Dann wechselt Dietz zum MSV. „Ich habe mich dort sofort sehr wohlgefühlt“, sagt er. „Das alte Wedaustadion wurde zu meinem Wohnzimmer.“ Legendär sind seine vier Tore beim 6:3-Sieg in der Bundesliga gegen den FC Bayern.

OB Sören Link verleiht Ehrennadel an MSV-Legende Bernard Dietz.
12.03.2026 in Duisburg
Rund 70 geladene Gäste, Freunde und langjährige Weggefährten kamen zur Ehrung der MSV-Ikone Bernard Dietz ins Duisburger Rathaus.© FUNKE Foto Services | Daniel Attia

OB Link erinnert in seiner Laudatio mit einem Augenzwinkern auch an den ersten Titel, als Dietz als Kind in Bockum-Hövel mit seinen Jungs von der Goethestraße die Straßenmeisterschaft gewann. Unvergessen später auch der Triumph bei der Europameisterschaft 1980 als Kapitän der Nationalmannschaft.

Als Duisburg zur Dietzburg wurde

Überfällig, so Link, sei die Ernennung 45 Jahre später zum DFB-Ehrenspielführer gewesen. An jenem 7. November 2025 wurde Duisburg durch fünf entsprechende Ortseingangsschilder zur Dietzburg. Der OB betont, er sei nicht nur MSV-Fan, sondern bekennender Dietzbürger.

Es sei für ihn ein Privileg, „ein Idol vieler Bürgerinnen und Bürger“ auszeichnen zu dürfen. „Auch ich zählte in Kindertagen zu den fußballbegeisterten Knirpsen, die beim Straßenkick oder auf dem Bolzplatz allzu gerne in den Fußstapfen – oder besser: in den Stollenabdrücken unseres Preisträgers gewandelt sind“, sagt Link.

Fußball-Malocher mit Kämpferherz

Dietz sei nicht nur Fußball-Malocher mit Kämpferherz, sondern ein Vorbild für Generationen – mit klarer Haltung und bodenständiger Bescheidenheit. Er stehe für Werte wie Teamgeist, Fairness und Zusammenhalt.

OB Sören Link verleiht Ehrennadel an MSV-Legende Bernard Dietz.
12.03.2026 in Duisburg
Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (links) zeichnete MSV-Legende Bernard Dietz mit der Ehrennadel aus.© FUNKE Foto Services | Daniel Attia

Als Dietz („Der MSV ist mein Leben“) die Ehrennadel überreicht bekommt, brandet großer Applaus auf. Unter den Gästen ist auch MSV-Geschäftsführer Michael Preetz. „Wir erleben hier die Würdigung eines großen Sportlers“, sagt er über die Zebralegende. „Das ist ein besonderer Tag auch für den MSV. Wir sind alle stolz auf ihn.“

Dietz wünscht sich jetzt den MSV-Aufstieg

Stolz ist Dietz übrigens auch auf die Entwicklung der aktuellen MSV-Mannschaft um Trainer Dietmar Hirsch in der Dritten Liga, wie er vor der Ehrung betont. „Die Einstellung ist da, das Team hat viele gute, junge Spieler – es macht wieder Spaß zuzuschauen“, so der 77-Jährige, der bei fast jedem Heimspiel des derzeitigen Tabellendritten auf der Tribüne mitfiebert. „Ich wünsche mir jetzt natürlich den Aufstieg.“

Ehrennadel bisher an König, Hövelmann, Korte und Radtke

Mit der Ehrennadel hat die Stadt Duisburg nun zum dritten Mal Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise und über viele Jahre hinweg um das gesellschaftliche Leben und das bürgerschaftliche Miteinander verdient gemacht haben.

Zur Premiere 2024 wurden Dr. Doris König und Hermann Hövelmann geehrt. König, Unternehmerin und Ururenkeltochter von Brauereidirektor Theodor König, wurde für ihre besonderen Verdienste um die Kultur in Duisburg ausgezeichnet. Hövelmann, Urgestein der Getränkeindustrie, erhielt die Ehrung aufgrund seiner Förderung zahlreicher Vereine rund um Sport und Naturschutz.

2025 folgten Prof. Dr. Dr. Karl-Rudolf Korte und Prof. Dr. Ulrich Radtke. Korte, früher Professor an der Universität Duisburg-Essen, wurde unter anderem durch sein außergewöhnliches Engagement an der Uni und bei vielen weiteren Projekten bekannt. Ulrich Radtke wechselte 2008 als Rektor an die Hochschule. In seiner Amtszeit bis 2022 wurde er als Hochschulmanager des Jahres 2015 durch „Die Zeit“ ausgezeichnet.