Der ADFC Duisburg nimmt die Kommunalpolitik wegen des desaströsen Radwegenetzes in Duisburg in die Pflicht: Der Fahrrad-Club hat allen Ratsleuten und Bezirksvertretern (außer denen der AfD) fünf zentrale Forderungen für die neue Legislatur bis 2030 geschickt. Verbesserungen seien bereits mit wenig Geld und Aufwand möglich. Der ADFC-Kreisverband schlägt 20 einfache Maßnahmen vor, damit Duisburg nicht eine der fahrradunfreundlichsten Großstädte Deutschlands bleibt.

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Die Maßnahmen seien einfach zu verwandelnde Großchancen – „wie Elfmeter im Fußball“, meint der Verein. Die Liste erläutern die Duisburger ADFC-Vorstandssprecherin Lara Schartau-Engelking und ihr Ehemann Christian Engelking, Pressesprecher und verkehrspolitischer Sprecher:
Radstellplätze, Schulstraßen, Grünpfeile für Radfahrer: Diese Verbesserungen empfiehlt der ADFC
- Duisburg brauche eine(n) neue(n) Fahrradbeauftragte(n) als „Möglichmacher:in für den Radverkehr“. Der Fahrradbeauftragte der Stadt, Peter Steinbicker, steht kurz vor dem Ruhestand. Die Nachfolge müsse mit einer Stabsstelle, mehr Einfluss und Mitarbeitenden verbunden sein, fordert der ADFC.
- „‚Freie Ecken‘ einrichten: Radstellplätze an Sichtachsen von Kreuzungen.“ So könnten Autofahrer die Einmündungen nicht mehr regelwidrig zuparken und dadurch Fußgängern und Radfahrern die Sicht versperren.
- „Kommunikation eines glaubhaften Bekenntnisses zur Verkehrswende.“ In Duisburg sei bislang „kein politischer Wille“ erkennbar. Helfen könne ein Ausschuss oder Runder Tisch für Radverkehr. Ein gutes Zeichen sähe Schartau-Engelking schon darin, „wenn beim Stadtradeln mal mehr als fünf Ratsleute teilnähmen“. Bei der bundesweiten Aktion geht es darum, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege mit dem Rad zurückzulegen. 2025 landete Duisburg unter den Städten mit über 500.000 Einwohnern mit 0,93 km/Einwohner auf dem letzten Platz. Sieger Leipzig schaffte 6,15 km/Einwohner.
- „Regelkonforme Baustelleneinrichtung zugunsten des Rad- und Fußverkehrs.“ Überleitungen auf die Straße und Ausschilderungen für Radfahrer gebe es in Duisburg bislang nicht, so Engelking.
- „Schulstraßen einführen.“ In NRW gibt es seit 2024 einen Erlass, der es Kommunen erleichtert, Schulstraßen einzurichten, also zeitweise für Autos gesperrte Straßen in Schulnähe. In Duisburg gibt es viel Ärger über Elterntaxis, aber nicht eine Schulstraße.
- „Sichere Stellplätze vor sozialer Infrastruktur wie Kitas, Schulen, Ämtern, Arzthäusern“ sind in der Stadt eine Seltenheit, es gibt sie vor allem am Hauptbahnhof.
- „Sicheres und kostenloses Fahrradparken an Bahnhöfen und Mobilitätsknotenpunkten.“ Seit 2018 bieten VRR und 15 Kommunen unter der Marke „DeinRadschloss“ an Bahnhöfen digital gesteuerte Abstellanlagen an, allerdings kostenpflichtig (siehe Infobox).
- „Kontrolle und Sanktionierung von Falschparkern auf Radinfrastruktur.“ Falschparker auf Radwegen gibt es oft, Strafen zu selten, so der ADFC. Die Verkehrsüberwachung der Stadt kontrollierte 2025 nach ADFC-Hinweisen Hotspots.
- „Tempo 30, wo nur Rad- und Schutzstreifen vorhanden sind.“ Der ADFC plädiert grundsätzlich für Tempo 30 innerorts.
- „Sichere Überleitungen von endenden Radwegen auf die Fahrbahn.“ An diesen Stellen müssten Radfahrer vor Autofahrern durch Poller geschützt werden, die Autofahrer dazu zwingen, nach links zu fahren, so der ADFC.
- „Optimierung von Ampelschaltungen für flüssigen Radverkehr.“ Oft müssten Radfahrer an mehreren Kreuzungen in Folge minutenlang ausharren. „Diskriminierend“, nennt solche Ampelschaltungen Schartau-Engelking.
- „Aufklärungskampagnen zur Sicherheit für Fahrradfahrende, z.B. zum vorgeschriebenen Mindestabstand zu Radfahrern von 1,5 Metern.“
- „Grünpfeile für rechtsabbiegenden Radverkehr.“ Solche einfachen Schilder erlaubt die Straßenverkehrsordnung, in Duisburg gibt es sie anders als in anderen Großstädten nicht.
- „Bodengleiche Absenkungen bei Sanierungen und Neubauten von Radwegen.“
- „Regelmäßig Fahrrad-Piktogramme zur Sensibilisierung für den Fahrradverkehr“ sollen Autofahrer an die schwächsten Verkehrsteilnehmer erinnern.
- „Konsequenter Grünschnitt an Radwegen.“ Die Wirtschaftsbetriebe hätten zu wenige Kapazitäten und würden zugewuchterte Radwege nur auf Zuruf vom Wildwuchs befreien, so Engelking.
- „Protected Bike Lanes statt nicht nutzbarer Radwege.“ Geschützt werden Radstreifen vor dem Autoverkehr auf viel befahrenen Straßen mit Pöllern, manchmal auch mit Gummi- oder Kunststoffbarrieren.
- „Leihrad-Service ausbauen: alle 300 bis 500 Meter eine Station, auch Lastenräder oder Anhänger ausleihbar.“ In Duisburg sind stadtweit an 30 Stationen Leihräder, aber keine Lastenräder oder Anhänger zu mieten. Im Fahrradklima-Test wurde das Angebot („Metropolrad Ruhr“) immerhin als befriedigend bewertet.
- „Kommunikation von Fortschritten zur Radinfrastruktur.“ Nach dem Prinzip: Tue Gutes und rede darüber. Enkelking: „Manchmal erfahren wir Verbesserungen nur zufällig. Die Stadt kann uns auf Nachfrage nicht mal sagen, was sie für den Radverkehr getan hat.“
- „Zertifizierung der Stadt als fahrradfreundlicher Arbeitgeber.“ Das EU-weite Siegel „Zertifizierter fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ wird in Deutschland vom ADFC vergeben, für Arbeitgeber lohne sich das, weil Fahrradfreundlichkeit gut für die Marke und fürs Budget sei (weniger Parkplätze). Es gibt unterschiedliche Stufen, für die erste seien etwa sichere und wettergeschützte Fahrradstellplätze Voraussetzung.
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„DeinRadschloss“: 92 kostenpflichtige Fahrradboxen
Seit 2018 bieten der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und 15 Kommunen unter dem Markennamen „DeinRadschloss“ an größeren Verknüpfungspunkten zum ÖPNV digital gesteuerte Radabstellanlagen mit elektronischem Zugangs- und Hintergrundsystem an.
In Duisburg stehen die Boxen am Rathaus Hamborn (6 Boxen), am Bahnhof Meiderich (10), am Bahnhof Ruhrort (Sammelanlage/16), an der Münchener Straße (10), am Bahnhof Großenbaum (8), am Stadtbahnhof Kesselsberg in Huckingen (24) und am Bahnhof Rumeln (18).
Die Boxen werden via App gebucht und bezahlt. Die Preise: ein Tag: 1 €, eine Woche: 5 €, ein Monat: 15 €, ein Jahr: 90 €.

Metropolrad
Voraussetzung zur Nutzung des Metropolrad-Systems ist eine Registrierung, die beim ersten Entleihvorgang per Smartphone mit der Nextbike-App, auf www.metropolradruhr.de oder über die Hotline 030 692 05 046 (Servicegebühr: 3 €) erfolgt. Die Räder werden am einfachsten mit Handy und App geliehen und zurückgegeben.
Das Metropolrad kostet pro Stunde einen Euro, maximal 8 € am Tag. Kunden der DVG können mit dem Jahrestarif die ersten 30 Minuten frei fahren. Für Studenten der Uni Duisburg-Essen sind bei jeder Ausleihe die ersten 60 Minuten gratis.





