Hefte raus, Klassenarbeit! Beziehungsweise: Kalender raus, Termine vormerken! Zumindest die Jazz-Fans in Duisburg, denn die Macher der Konzertreihe „Intermezzo“ in der Duisserner Lutherkirche haben das Programm für das erste Halbjahr 2026 vorgestellt. Vier Konzerte sind es wie gewohnt, und wie gewohnt decken die eine große stilistische Bandbreite ab. Es wird skandinavisch-osteuropäisch, perkussiv und beschwingt – und melodisch-emotional. Denn ein Künstler (und die Musik, die er mit nach Duissern bringt) sticht heraus, mit fantastischen Kompositionen und organischer Spielfreude. Einen Überblick über die Konzerte, inklusive Musikbeispiele, finden Sie hier.
Ivo Neame Quartett
Schon am 23. Januar ist der britische Pianist Ivo Neame mit seinem Quartett zu Gast. Im Gepäck hat er nicht nur George Crowley (Saxophon), Tom Farmer (Bass) und James Maddren (Schlagzeug), sondern auch sein Album „Zettalogue“.

Stilistisch ist Neame skandinavisch-osteuropäisch unterwegs, soll heißen: eher lyrisch, introvertiert und abstrakt, eingängige Harmoniefolgen findet man eher selten. Das muss aber nichts Schlechtes sein, denn deswegen (und dank hypnotischer Klangflächen und Ostinato-Figuren) wird die Musik des Quartetts zu einer tonalen Hängematte, in die man sich ganz unverkopft fallen lassen kann.
Diego Piñera fest. D. Kikoski & J. Ginsburg
Am 13. März kommt der uruguayische Drummer Diego Piñera mit David Kikoski am Klavier und Joshua Ginsburg am Bass vorbei. Gemeinsam spielen sie Songs von der EP „Evidence“, die Piñera 2025 erstens in New York und zweitens mit Bass-Legende John Patitucci aufgenommen hat.

Natürlich ist die Musik manchmal sehr schlagzeuglastig, schließlich ist Piñera ja der Bandleader. Trotzdem tappt er nicht in die Falle – der Drummer spielt präsent, aber immer im Dienste der Band. Heraus kommen perkussive und trotzdem fließende Kompositionen, die zu einem großen Teil vom hervorragenden Spiel David Kikoskis leben.
Aaron Parks Little Big
Und dann kam Aaron. Beziehungsweise kommt, und zwar am 8. Mai, und wie. Der Pianist, der einem breiten Publikum als Teil von Joshua Redmans „James Farm“ bekannt wurde, bringt Greg Tuohey (Gitarre), David Ginyard (Bass) und Jongkuk Kim (Schlagzeug) mit, die Musiker, mit denen er auch das Album „Little Big III“ eingespielt hat. Und mit Blick und Ohr auf dieses Album ist man schon ein wenig geneigt, das Wort „Meisterwerk“ in den Mund zu nehmen.
Denn Aaron Parks gelingt ein Kunstwerk, auf das sonst ein gewisser Pat Metheny ein Patent hat. Wunderschöne, eingängige Melodien, leicht, nicht seicht. Ruhig und emotional, ohne zu langweilen, ohne in Gedudel zu verfallen. Als Markenzeichen, müsste man sich denn für eines entscheiden, könnte man den bezaubernden Kontrast zwischen den dynamischen Begleitungen und den zurückgenommenen, elegischen Melodien wählen. Oder die großartigen, unberechenbaren, aber im Moment ihres Erklinges alternativlosen Akkordprogressionen. Oder eben die meisterhaft komponierten Melodien. Wofür auch immer man sich entscheidet, das allein wäre einen Konzertbesuch wert. Aber in der Lutherkirche bekommt man ja sogar alles zusammen. Ein Coup der Intermezzo-Macher, ein Glücksfall für Duisburger Jazzfans.
Anat Cohen
Das erste Intermezzo-Halbjahr 2026 beschließt am 26. Juni Klarinettistin Anat Cohen. So richtig viel gibt es da noch gar nicht anzukündigen, welche Musiker die Israelin am Klavier, Bass und Schlagzeug dabei hat, steht nämlich noch nicht fest, und ihr neues Album erscheint auch erst im Frühjahr 2026.

Die Katze im Sack kauft man mit den Konzerttickets für Anat Cohen trotzdem nicht. Die Musikerin steht seit Jahren an der Spitze der, zugegebenermaßen auch etwas dünn besetzten, Klarinetten-Riege im modernen Jazz, ihre filigranen, verspielten Kompositionen leben nicht nur von ihrem virtuosen Spiel, sondern auch von den vielen musikalischen Einflüssen aus der ganzen Welt. Als Intermezzogänger kann man sich also eigentlich sicher sein: Was auch immer Cohen in der Lutherkirche auf die Bühne bringt – es wird gut sein.
Intermezzo-Konzerte in Duisburg: Hier gibt es Karten
Die Tickets für die Konzerte von Ivo Neame und Aaron Parks kosten jeweils 20 Euro (für Schüler, Studenten und Bürgergeldempfänger 14 Euro), für die Konzerte von Diego Piñera und Anat Cohen 23 Euro (17 Euro).
Karten gibt es im Internet unter intermezzo-konzerte.com und, jeweils vier Wochen vor den Konzerten, in den Vorverkaufsstellen 1001 Buch (Oststraße 125) und Weinhandlung Hauschild (Moltkestraße 36).
Alle Konzerte beginnen um 20 Uhr.



