Videobeobachtung auf dem Weihnachtsmarkt in der Duisburger City: Das ist in diesem Jahr neu in der Königstraße. Macht das Angst oder ist es eher beruhigend? Fühlen sich die Besucherinnen und Besucher sicherer oder ausspioniert? Das Ergebnis einer Umfrage überrascht.

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Unübersehbar groß sind die gelben Schilder, die darauf hinweisen, dass der Markt durch Kameras beobachtet wird. Seit Montagabend, 24. November, werden die Besucherströme täglich von 17 bis 7 Uhr aufgenommen. Die Gesichter der Menschen werden aber gepixel. „Das ist vorab so eingestellt“, erklärt Alexander Klomparend, Sprecher von Duisburg Kontor. Nur in Ausnahmefällen und bei konkreter Gefahr seien Aufzeichnungen zulässig.

Weihnachtsmarkt in Duisburg erstmals mit Videoüberwachung

Das Wissen der Befragten über die Überwachung ist unterschiedlich, die Reaktionen sind allerdings fast identisch. Tanja Schnell ist mit ihrer Freundin Ulla Foydl aus Weeze nach Duisburg gekommen, denn Tanja stammt ursprünglich aus Duisburg. Sie haben von einer Videobeobachtung nichts mitbekommen, sind aber überzeugt: „Wenn wir keine Nachteile davon haben, ist das kein Problem.“

Tanja Schnell (l.) und Ulla Foydel wussten bisher nichts von der Videoüberwachung auf dem Weihnachtsmarkt in Duisburg: „Wenn wir keine Nachteile davon haben, ist das kein Problem“, sagen die beiden.
Tanja Schnell (l.) und Ulla Foydel wussten bisher nichts von der Videoüberwachung auf dem Weihnachtsmarkt in Duisburg: „Wenn wir keine Nachteile davon haben, ist das kein Problem“, sagen die beiden.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Die beiden finden die Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt unabhängig davon so schön: die Musik, die festlich geschmückte Fußgängerzone und die Stimmung, die sie bei einem Eierpunsch noch intensiver genießen können.

Viel Lob für die Videokameras

Katja Rümpelein (41) und ihre Mutter Angelika Wüst (61) sind in die Adventsstimmung eingetaucht und lassen sich einen Glühwein schmecken. Dass sie ein „magisches“ Auge auf dem Weihnachtsmarkt im Blick haben könnte, wissen sie. „Ich finde das gut“, sagt die junge Frau. Wenn etwas passiert, kommt man schneller an die Täter. Das Sicherheitsgefühl sei erhöht und die Beobachtung diene ja dazu, gegen Täter vorzugehen. Ein eindeutiger Daumen nach oben von den beiden Frauen.

Befürworten die Videokameras auf dem Weihnachtsmarkt: Angelika Wüst (l.) und Katja Rümpelein.
Befürworten die Videokameras auf dem Weihnachtsmarkt: Angelika Wüst (l.) und Katja Rümpelein.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Gaby aus Duisburg ist von der Überwachung ebenso angetan. „Das war unbedingt nötig“, sagt die Seniorin. „Es gibt so viele ältere Menschen, die sich mittlerweile gar nicht mehr sicher fühlen. Ich bin froh, wenn so etwas hier installiert wird.“

Besucherströme werden beobachtet

Vollends aufgeklärt über das Video-System sind Manuela und Muruvet Huskic aus Duisburg. Die beiden informieren sich über eine App, die sie auf die neuesten Veränderungen in der Stadt aufmerksam macht. Sie wissen, dass nur die Besucherströme beobachtet werden und die Gesichter der Menschen beim Glühweintrinken nicht erkennbar sind.

„Wissen Sie, wenn man im Internet eine Seite aufruft, muss man sich ständig entscheiden, ob man alle persönlichen Daten freigeben will oder nicht. Oft hat man gar keine Wahl und muss zusagen, dass man mit allen Datenspeicherungen einverstanden ist, sonst kommt man gar nicht weiter. Wie man gegen eine Video-Beobachtung sein kann, versteh ich nicht“, sagt der Mann.

Einige wissen nichts von der Überwachung

Martin aus Duisburg nippt gerade an einem heißen Getränk. Er findet so eine Überwachung wie in Duisburg in Ordnung. „Ich wusste davon aber nichts.“ Ein Fan von elektronischer Überwachung sei er nicht gerade, aber das hier sei ok. „Als Kind hat man mir mal mein Fahrrad am Hauptbahnhof geklaut. Da war zum Glück eine Videokamera installiert, die alles aufgezeichnet hat. Das Rad hab ich zurückbekommen, weil man den Dieb erkannt hat und mein Fahrrad registriert war“, erzählt er.

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„Wir haben nichts zu verbergen“, sagen auch Kurt und Angelika. „Ich bin in der SPD und erfahre sofort, was der Rat beschlossen hat“, sagt der Mann. Die beiden feiern gerade ihren Hochzeitstag – traditionell auf dem Weihnachtsmarkt. Informiert über das, was die Kamera aufzeichnet und wann die Gesichter entpixelt werden dürfen, sind die beiden schon lange. „Wenn es hilft, Straftaten zu vermeiden, ist das in Ordnung.“

Aussteller freuen sich über zusätzliche Sicherheit

Bernie Kuhnt von der großen Glühwein-Hütte „Bernie‘s Alm“ ist ein großer Befürworter der neuen Maßnahme: „Uns Schaustellern fällt ein Stein vom Herzen. Wenn die Sicherheit noch mal erhöht wird, ist jeder dankbar.“

Ronny Langenberg auf seiner Glühweinpyramide: Er hält die Videoüberwachung auf dem Weihnachtsmarkt für zeitgemäß.
Ronny Langenberg auf seiner Glühweinpyramide: Er hält die Videoüberwachung auf dem Weihnachtsmarkt für zeitgemäß.© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Ronny Langenberg, der mit seiner Glühwein-Pyramide und dem Churros-Stand vertreten ist, hält die Video-Beobachtung für zeitgemäß. „Die Leute fühlen sich sicherer. Wenn diese Kamerasysteme zum Schutz und zur Sicherheit der Menschen eingesetzt werden, habe ich nichts dagegen. Junge Leute sind allerdings kritischer. Aber, was haben wir denn für Zeiten? Ständig passiert irgendwas.“

Viele Einbrüche 2024 in diverse Stände

Im vergangenen Jahr habe es eine Einbruchsserie in diverse Stände auf dem Markt gegeben. „Das wäre mit einer Video-Beobachtung wohl nicht passiert“, so Langenberg.

„Wir haben bisher nicht einen einzigen Fall gehabt, wo wir hätten eingreifen müssen“, zieht Alexander Klomparend von Duisburg Kontor eine erste Zwischenbilanz. „Es scheint so zu sein, dass die Videobeobachtung disziplinierenden Einfluss hat. Da ich aber nicht in die Glaskugel gucken kann, weiß ich auch nicht, was verhindert werden konnte. Es ist in diesem Jahr zum Glück ausgesprochen ruhig.“

Die Polizei stellt klar, dass es „keine polizeiliche Maßnahme“ ist. Allerdings: „Wir als Behörde ziehen eine positive Bilanz in Bezug auf den Einsatz von mobilen Videoüberwachungsanlagen.“