Wenn die Fahrgäste im Duisburger Hauptbahnhof kommende Woche nach 14 Monaten wieder die Bahnsteige 3 und 4 betreten dürfen, werden sie das erste Mal einen Großteil der neuen Gleishalle am Stück erleben: Unter den hohen schwungvollen Decken können sie den Blick über die vier modernisierten Bahnsteige hinweg schweifen lassen, noch weiter hinaus durch die Glasfassade nach Neudorf. Erst jetzt wirken die Wellen des Dachs als Gesamtkunstwerk, kommt die neue Luftigkeit in der lichtdurchfluteten Halle zur Geltung.
Ehrengäste und Mitarbeitende der Bahn schwärmten am Freitag bei der Baustellenbesichtigung also nachvollziehbar. Der Konzern hatte sie zur Halbzeit der sechsjährigen Bauarbeiten eingeladen. Ihre Kundschaft kann die Bahn zum Bergfest auf ihrer größten Stationsbaustelle in NRW mit der Freigabe der Gleise 5 bis 9 am Montagabend beschenken (zum Extra-Bericht).
Auch interessant
„Es wird heller, komfortabler und freundlicher. Schon jetzt ist klar: Wir bauen hier einen der schönsten Bahnhöfe Deutschlands“, sagte am Freitag in Duisburg Ralf Thieme, Vorstand Personenbahnhöfe der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO. „Aus architektonischer Sicht spielt Duisburg künftig in einer Liga mit Berlin.“
Auch interessant
Duisburger Hauptbahnhof: Modernisierung ohne Verzögerungen oder Unfälle
Reisende fühlten sich schon jetzt „deutlich wohler“, so das Ergebnis von Befragungen, berichtete Thieme. Dafür sorgten auch die vielen Verbesserungen für die Fahrgäste, etwa die 42 neuen Monitore an den Bahnsteigen. Duisburg werde einer der „Zukunftsbahnhöfe, mit denen wir immer mehr Menschen dazu bewegen wollen, mit der klimafreundlichen Bahn zu reisen“.
Beim Umbau in Duisburg ist die Bahn so planmäßig unterwegs, wie man es auf der Strecke oft vermisst. Der Umbau im laufenden Betrieb ist auch nach drei Jahren im Zeitplan, bestätigt Anke Goldbaum-Adam, die bei der Modernisierung mit Iljan Seiler in der Projektleitung für DB InfraGO verantwortlich ist. Es habe seit dem Baustart im Sommer 2022 keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten gegeben, keine Unfälle, auch von Bombenfunden blieb die Baustelle verschont.
Hbf Duisburg: Vom „Lost Place“ zu „Deutschlands schönstem Bahnhof“
Am vor drei Jahren vorgestellten Fahrplan für die Großbaustelle habe sich darum nichts geändert: 2028 soll die Gleishalle komplett fertig sein. Die nächsten Bauphasen: Ab Dienstag, 14. Oktober, arbeiten die Bauteams über den Gleisen 9 und 10. Bis Januar 2026 soll dort das neue Hallendach entstehen – die „Zwischenwelle“, die das (zurzeit noch zweigeteilte) Wellendach verbindet.
Denn auch alle Gleisanlagen werden überdacht. Das wäre nicht möglich gewesen, als die alte Halle in den 1930er-Jahren gebaut wurde: „Sonst hätte der Dampf der Loks nicht abziehen können“, erklärt Klaus Oberheim. Mit Blick auf die neue Halle jubilierte der Bahnhofsmanager: „Früher habe ich hier Schrott verwaltet, und jetzt . . . schauen Sie sich das an: Es sieht großartig aus!“
Lesen Sie auch diese Artikel über den Hbf:
- Hauptbahnhof Duisburg: Sperrung von vier Gleisen endet am Montag
- Hauptbahnhof: Räumungsklage gegen Blumenladen – Lidl muss warten
- Fotostrecke: Vom „Lost Place“ zu „Deutschlands schönstem Bahnhof“
- Hbf Duisburg: Sperrung von vier Gleisen endet am Montag
- Fan-Kiosk am Hauptbahnhof eröffnet: MSV-Logo war zu teuer
Bleiben die Flachdächer unverkleidet?
Zum Baustart hatte Oberbürgermeister Sören Link gesagt, „dass hier vielleicht Deutschlands schönster Bahnhof entsteht“, jetzt fühlt er sich bestätigt: „Schön, hell und anmutig“ sei die Gleishalle, „man wird von der Architektur nicht erschlagen“. Es gebe kaum noch Beschwerden über den Bahnhof und die Einschränkungen durch die Baustelle: „Offensichtlich hat man hier vieles richtig gemacht.“
Duisburg-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Er freue sich nun darauf, dass Hunderttausende Besucher der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 „hier ankommen, am Tor zum Ruhrgebiet und zum Niederrhein“, so Link. Der OB verwies auf den parallel von der Stadt erneuerten Bahnhofsvorplatz im Osten der Gleishalle: „Es ist traumhaft schön geworden.“
Weiterhin unklar ist nach Angaben der Bahn, ob die Unterseiten der Flachdächer nördlich der Gleishalle („Essener Dächer“) unverkleidet und die Holzbalken darunter sichtbar bleiben. Die Rohbau-Optik steht im starken Kontrast zur schicken Welle. Ob dieser Zustand finanzielle oder bauliche Gründe hat, dazu machte ein Bahnsprecher keine Angaben.
[Großbaustelle und Verkehrsknotenpunkt, Geschäftspassage und Einsatzort der Bundespolizei: Auf unserer Themenseite finden Sie Artikel über den Duisburger Hauptbahnhof.]
>> 260 Millionen Euro: Duisburger Welle nicht teurer als eckiges Dach
- Bislang mussten 50.000 Tonnen Schutt von allen Bahnsteigen aus dem Bahnhof geschafft werden, etwa 4000 Lkw-Ladungen. Auch dafür waren bis zum Sommer vier Kräne aufgebaut, seither werden nur noch zwei benötigt.
- Die Bauteams haben außerdem 740 Tonnen Stahl des alten Bahnhofsdachs abgebaut. Das neue Wellendach hat eine Gesamtfläche von 18.600 Quadratmetern.
- 2016 hatte die Bahn ursprünglich 100 Millionen Euro für die Duisburger Welle veranschlagt. 2019 hatte sie aber mitteilen müssen, dass auch die zweite Ausschreibung gescheitert war: Niemand wollte zum vorgegebenen Preis bauen.
- Nach dem Baustart bezifferte die DB die Kosten auf 260 Millionen Euro für Bahn, Bund und Land NRW. Die Wellenkonstruktion sei nicht teurer als eine einfache eckige Lösung.