Selbst im Naturschutzgebiet Walsumer Rheinaue lauern Gefahren: Ein junger Storch dachte wohl, einen guten Fang gemacht zu haben. Doch was auf den ersten Blick wie ein leckerer Fisch aussieht, ist ein Köder aus unverdaulichem Gummi, mit Bleikugel und –ganz besonders gefährlich – einem Haken auf dem Gummifisch-Rücken.

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BUND-Vogelexperte Michael Kladny ist wie fast täglich auf dem Deich unterwegs, um nach den Seeadlern zu schauen. Bei einem Besuch entdeckt er im Deichvorland zwei junge Störche: „Die beiden sind Geschwister, etwa zwölf Wochen alt, also noch sehr unerfahren.“ Einer der beiden hat etwas im Schnabel: „Im ersten Moment dachte ich, es ist eine rote Nacktschnecke. Doch die hätte sich zusammengerollt.“ Schnell schwant Kladny: „Da stimmt etwas nicht.“
Duisburger Vogelschützer rettet jungem Storch womöglich das Leben
Also läuft er schnell zum Auto, schnappt sich sein Spektiv, schaut genauer hin und erkennt die Gefahr. „Der Köder war so gemacht, dass er lebend wirkt. Deshalb hat er lebensecht gezappelt.“ Und wird damit attraktiv für den Storch. Der Vogelschützer sieht, dass auch der zweite Storch Interesse an dem Gummifisch hat. Er versucht, ihn dem anderen abluchsen, schafft es aber nicht. Vielmehr schiebt der Storch den Köder in seinem Schnabel von rechts nach links.

„Ein typisches Verhalten, um zähes Futter weicher zu machen.“ Der 63-Jährige weiß, er muss schnell handeln, sonst schluckt der Storch den Fischköder: „Das hätte das Leben des Vogels beenden können, als es gerade so richtig begonnen hat.“ Denn selbst wenn der Vogel seinen Irrtum erkannt und den Gummifisch wieder ausgewürgt hätte, hätte der Haken seinen Tod bedeuten können.
Also rennt Kladny ins Grün und versucht, sich die unerwünschte Hinterlassenschaft zu schnappen. Doch der Storch will ihm seine Beute nicht einfach so überlassen und rennt ein paar Meter weg, sein Kollege hinterher. Dann lässt er den falschen Fisch zum Glück fallen, Kladny klatscht laut in die Hände und die beiden Störche suchen aufgeschreckt das Weite.
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Michael Kladny nimmt diesen Vorfall zum Anlass, die Besucher der Walsumer Rheinaue zu sensibilisieren: „Achtlos weggeworfene Sachen können den Tieren gefährlich werden.“ Nun könnte der Gummifisch auch am Rheinufer angespült worden sein, räumt er ein. Aber vor allem Plastikmüll ist ein Problem. Den verbauen die Vögel in ihren Nestern, weil sie sich über das starke Material freuen.

„Oft sieht man die typische Plastikfolie von Zigarettenpäckchen in den Nestern.“ Bei kleinen Vögeln wie Amseln macht das nicht so viel, weil die Jungvögel nur etwa zwei Wochen im Nest hocken bleiben. „Bei Störchen sieht das anders aus. Sie bleiben neun Wochen, da besteht also mehr Gefahr durch Wetterereignisse.“ Denn: Sammelt sich in einem Nest, das von unten mit Plastik abgedichtet ist, zu viel Regen, kann der Nachwuchs ertrinken.
In etwa drei Wochen verlassen die jungen Störche übrigens Duisburg Richtung Afrika: „Dann erwacht ihr Wandertrieb. Sie fliegen mit den etwas älteren Störchen, die noch keine Brut haben, weil die den Weg kennen.“ Die Paare, die in der Rheinaue Junge aufgezogen haben, bleiben noch ein bisschen: „Die Eltern müssen sich noch erholen“, erklärt Kladny.
>> Die Walsumer Rheinaue: ein hochwertiges Schutzgebiet
- Die Walsumer Rheinaue ist ein Vogelschutzgebiet – sie liegt auf einer der wichtigsten Vogelzugstrecken Mitteleuropas. Gleichzeitig schützt die internationale FFH-Richtlinie Flora und Fauna, in diesem Fall den Auwald mit Feuchtwiesen und zum Beispiel den Kammermolch. Daher ist die Rheinaue in das europaweite „Natura 2000“-System eingebettet. Sie gehört also zu einem umfassenden Netzwerk von Schutzgebieten.
- Für Besucher bedeutet das: Die ausgewiesenen Wege dürfen nicht verlassen werden. Campen, Grillen und überhaupt offenes Feuer sind verboten, Angeln nur im Bereich des Hafenbeckens erlaubt.
- Wer sich nicht daran hält, riskiert ein „Knöllchen“: Ein Verwarngeld kostet 55 Euro, ein Bußgeld etwa 125 Euro. Je nach Schwere der Übertretung kann es auch deutlich teurer werden.





