Die Vorbereitungen haben Jahre, Monate, Wochen verschlungen: Der dritte Weiße Riese in Duisburg-Hochheide soll am Sonntag, 12 Uhr, fallen. Das 63 Meter hohe Hochhaus Ottostraße 54/56 mit seinen ehemals 160 Wohnungen wird gezielt gesprengt.

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Vor Ort laufen am Freitagmittag die Maßnahmen auf Hochtouren. Arbeiter ziehen Schutzwälle aus Stahlgerüsten in die Höhe. Zwei Fallbetten bekommen den letzten Feinschliff. Wasserbassins, die die Staubentwicklung mindern sollen, werden immer weiter aufgefüllt.
+++Wir übertragen die Sprengung live ab Sonntag, 11.40 Uhr: Hier geht es zur Live-Sendung+++
Kurz vor der spektakulären Sprengung beantworten wir die wichtigsten Fragen.
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Weiße Riesen in Duisburg-Hochheide: Warum wird jetzt auch das dritte Hochhaus gesprengt?
Die Ottostraße 54/56 ist der dritte von ehemals sechs Riesen, der jetzt gesprengt wird. 2014 hat die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend gemacht. 2020 zogen die letzten Mieter aus. Mit der drastischen Maßnahme bekämpft die Stadtverwaltung Leerstand und Verwahrlosung. Durch die Sprengung soll außerdem Platz für einen Stadtpark geschaffen werden. Er soll die durch Müll, Bedrohungen und Lärm in Verruf geratene Siedlung deutlich aufwerten und ihr eine neue Perspektive geben. Kritiker bemängeln, dass so jedoch nicht die Missstände bekämpft würden, die durch das berüchtigte Problem-Hochhaus Ottostraße 58-64 entstünden.

Das Haus und seine Bewohner gerieten 2024 gleich mehrfach bundesweit in die Negativ-Schlagzeilen: Zunächst stoppte die Post die Paketzustellung, weil sich Boten bedroht fühlten. Dann deckten die Behörden einen massiven Missbrauch von Kindergeld auf.
Es ist eine Mammutaufgabe: 2200 Anwohner müssen am Sonntag ihr Zuhause verlassen. Sie leben in der Sicherheitszone (siehe Grafik), die eingerichtet wird. Das Bürger- und Ordnungsamt organisiert die Evakuierung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren seit Wochen die Bevölkerung – auf Märkten, durch persönliche Gespräche und mit Infozetteln. Konkret beginnt die Evakuierung am Sonntagmorgen um 5.30 Uhr. Zunächst wird über Lautsprecherdurchsagen informiert. Ab 6.30 Uhr klingeln die Stadtmitarbeiter auch an den Haustüren. Das Ziel: Um 8 Uhr soll sich niemand mehr in der Sicherheitszone aufhalten.
Konkret werden diese Adressen geräumt:
- Glückaufstraße 2, 2A, 4, 6, 8, 10
- Hanielstraße 9, 13, 17, 19, 21, 23, 25, 27, 36, 38, 40, 42
- Kirchstraße 116, 118, 120, 124, 126, 128, 130, 132, 134, 136, 138, 153, 155, 157, 159, 161, 165, 165A, 165B, 169, 171, 173, 175, 177, 179, 181, 183
- Moerser Straße 180, 202, 210, 212, 214, 216, 218, 220, 222, 224, 226, 228, 229, 230, 232, 234, 235, 236, 237, 239, 241, 241A
- Ottostraße 32, 34, 36, 38, 40, 42, 44, 46, 48, 50, 52, 53, 53A, 55, 58, 60, 62, 64
- Prinzenstraße 3, 3A
Für die Bewohnerinnen und Bewohner stellt die Stadt einen Aufenthaltsraum in der Erich-Kästner-Gesamtschule (Ehrenstraße 87) zur Verfügung. Um zu diesem Aufenthaltsraum zu gelangen, können Anwohner einen Shuttle-Service nutzen. Ab 5.30 Uhr fahren Busse von DVG-Sonderhaltestellen an der Kirchstraße/ Hanielstraße sowie Ottostraße/ Moerser Straße bis zur Gesamtschule.
Das Ordnungsamt bittet Hilfsbedürftige wie Rollstuhlfahrer darum, sich vorab telefonisch unter der Nummer 0203 283 82 00 zu melden.
Was geschieht mit Anwohnern, die sich weigern?
Anwohner, die sich in ihren Wohnungen verschanzen, drohen ernsthafte Konsequenzen. Ordnungsamtschef Frank van Staa kündigt an: „Wir stehen in engem Kontakt zur Staatsanwaltschaft. Sie wird in solchen Fällen Wohnungsdurchsuchungen anordnen.“
Welche Straßen werden gesperrt?
Natürlich ist auch der Verkehr von der großen Sprengung betroffen. Ab 8 Uhr sind folgende Straßenabschnitte für den Verkehr komplett gesperrt:
- Moerser Straße zwischen Kirchstraße und der Kreuzung Rheinpreußenstraße/ Lauerstraße
- Ottostraße zwischen Moerser Straße und Husemannstraße
- Husemannstraße zwischen Kirchstraße und Lauerstraße
Ab 10 Uhr halten außerdem keine Busse mehr an den Haltestellen „Ottostraße“, „Hochheide Markt“ und „Prinzenstraße“. Umgeleitet werden die Niag-Linien 911 und 929 sowie die DVG-Linien 917, 926 und NE 5. Die Busse der Linie 926 halten in Richtung Duisburg an der Haltestelle „Friedhofsallee“ der Linie 912.

Wie läuft die Sprengung?
Sprengmeisterin Ulrike Matthes will das Hochhaus mit der „Kipp-Kollaps-Faltung“ zu Fall bringen. Mit 600 Zündern und 300 Kilogramm Sprengstoff sollen um 12 Uhr im Abstand von drei Sekunden zwei Explosionen ausgelöst werden. Erst im oberen Teil des Gebäudes und kurz darauf im Untergeschoss. „So wird ein Keil herausgesprengt“, beschreibt Projektleiter Marc Sommer.
Der bereits entkernte Weiße Riese soll innerhalb von acht Sekunden zusammenklappen. Der obere Gebäudeteil soll nach Osten ins Hauptfallbett fallen, der Rest nach Westen in das zweite Fallbett. Schutzwälle sollen die Nachbarhäuser vor Streuflug bewahren. Die von der Feuerwehr angelegten Bassins sollen die Staubentwicklung bremsen, wenn 35.000 Tonnen Schutt hinabstürzen.

Wird eine Zone für Schaulustige eingerichtet?
Die klare Antwort der Stadt lautet: Nein! Es werden deshalb auch bewusst keine Imbisse und Toiletten im Umfeld der Sicherheitszone eingerichtet. Wir übertragen die Sprengung ab 11.40 Uhr in einer Live-Sendung.
Wann dürfen die Menschen zurück in ihre Häuser und Wohnungen?
Läuft alles nach Plan, dürfen die Anwohnerinnen und Anwohner gegen 13.30 Uhr zurückkehren. Wichtig ist: Vor und nach der Sprengung werden drei Signale ertönen. Diese bedeuten aber noch nicht Entwarnung. Die soll dann ein einminütiger Ton über die städtischen Sirenen geben.
>>Einsatzzentrale auf dem Bürgermeister-Bongartz-Platz
- Die Einsatzzentrale, in der alle Drähte zusammenlaufen, wird auf dem Bürgermeister-Bongartz-Platz eingerichtet. Dort entsteht auch das temporäre Büro des Sprengteams.
- Das Bürger- und Ordnungsamt ist mit 150 Kräften im Einsatz, die Feuerwehr mit 60 Rettern. Hinzu kommen Ehrenamtler der Johanniter, Malteser, des Roten Kreuz sowie der Ambulanten Erst-Versorgung Duisburg.





