René Schwenk vom Orga-Team des Duisburger Platzhirsch-Festivals nimmt kein Blatt vor den Mund. Ob es am Ende an den Spenden hängt, dass das Festival für Artenvielfalt am Dellplatz eine Zukunft hat, fragt er – und beantwortet sich die Frage selbst. „So sieht es aus. Anders wird es nicht funktionieren. Es wäre daher genau jetzt der Zeitpunkt, Spenden zu platzieren.“

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Warum es so aussieht und warum es anders nicht funktioniert, erklärt das Team um Schwenk auch, und zwar ganz schön detailliert. Man kann es getrost einen Hilferuf nennen, so nackt zieht sich das Festival aus. Ein ehrlicher Hilferuf. Aber: Das Team jammert nicht, es stellt nicht die Schuldfrage, es äußert einfach nur ehrliche Sorge um einen der strahlendsten Kulturhöhepunkte der Stadt. Und Sorgen sollten sich auch alle Duisburger machen, die am Platzhirsch hängen, denn die Lage ist ernst. Immerhin: Noch kann jeder dabei helfen, den Hirsch vor der Kugel des Jägers zu bewahren.

Platzhirsch in Duisburg: Festival kostet selbst in abgespeckter Version fast 100.000 Euro

Aber erstmal zu den Zahlen. Die legt die Platzhirsch-Gemeinschaft nämlich ganz schonungslos offen. 92.660 Euro wird das Platzhirsch-Festival am 5. und 6. September Stand jetzt kosten – nachdem es wohlgemerkt schon um einen Tag gekürzt wurde, am ehemaligen Festival-Sonntag findet bloß noch das traditionelle Frühstück statt.

Ein Festival für alle – das macht das Duisburger Platzhirsch-Festival seit jeher aus, hier ein Bild aus dem Jahr 2019.
Ein Festival für alle – das macht das Duisburger Platzhirsch-Festival seit jeher aus, hier ein Bild aus dem Jahr 2019.© FUNKE Foto Services | Frank Oppitz

Deutlich über die Hälfte der Kosten, nämlich 56.400 Euro, entfallen auf Künstlergagen und Gehälter für Techniker. Dabei, sagt René Schwenk, haben man sich schon „sehr schnell von einer Reihe Wunschkandidaten*innen verabschieden müssen, da die aufgerufenen Gagen nicht zu stemmen waren.“ Seit Corona seien die Kosten teils um 300 Prozent gestiegen, sozial richtig und wichtig in Sachen Mindestlohn zum Beispiel, auffangen muss das Festival diese Entwicklung trotzdem. Künstler seien in Zeiten von Streaming, das kaum noch Geld bringt, außerdem auf höhere Gagen angewiesen.

Fördergelder reichen nicht im Ansatz, um das Platzhirsch-Festival zu finanzieren

Ordentlich ins Kontor schlagen auch die Hotelkosten für Künstler (3400 Euro), das Rahmenprogramm mit Lesungen, Workshops und mehr (9700 Euro), die Abgaben an die Künstlersozialkasse und die GEMA (3950 Euro), Strom, Wasser und Sanitäranlagen (3950 Euro), das Catering (3350 Euro) und die Versorgung der Volunteers (3500 Euro). Obendrauf kommt das berühmte Kleinvieh, das auch Mist macht, zum Beispiel in Sachen digitales Marketing (500 Euro), Security (1900 Euro) oder Reinigung und Entsorgung (1200 Euro).

Das Programm mit zwanzig Konzerten, sieben Ausstellungen, zwei Lesungen, Workshops und dem Kinderprogramm könne man natürlich noch weiter reduzieren, sagt René Schwenk – aber wäre das dann noch der Platzhirsch? „Wir wollen noch nicht aufgeben und sehen weiterhin die Notwendigkeit, in Duisburg ein umfassendes Kulturfestival für alternative und subkulturelle Kunst und Musik zu veranstalten.“

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Nun könnte man denken, dass das Platzhirsch-Festival doch Förderungen bekommt, und man hätte recht. 10.000 Euro kommen pro Jahr von der Stadt. Dazu gibt es in diesem Jahr 5000 Euro vom Kulturbeirat, 7900 Euro von der Sparkassenstiftung und 10.000 Preisgeld, weil das Platzhirsch-Festival den Targobank-Award gewonnen hat. Macht 32.900 Euro, nur ein gutes Drittel der Gesamtkosten. Anders als in den vergangenen Jahren fehlen 2025 Gelder aus den Programmen „Neustart Kultur“ und „Festivalförderung“ – denn dieses Jahr fließen 70 Prozent aus diesen Töpfen in ländliche Regionen, der Platzhirsch als „urbanes“ Festival geht leer aus.

„Sponsor-X-Bühne ist uns ein Graus“

Auch an Sponsoring denkt das Orga-Team natürlich. Das gibt es am Dellplatz im Kleinen schon seit Jahren mit Sinalco – große Sponsoring-Verträge mit der freien Wirtschaft sehen die Festivalmacher (noch) kritisch. Das „nischige, manchmal sperrige“ Festivalprogramm biete zu wenig Anknüpfungspunkte, sagt Schwenk, „wir haben schlichtweg zu wenig zu bieten in Sachen Klickzahlen, Eventcharakter und werberelevante Zielgruppen.“

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Noch dazu bedenken Schwenk und seine Mitstreiter auch hier, was für ein Festival der Platzhirsch überhaupt ist – und bleiben will. „Gedanken an die ‚Sponsor-X-Bühne‘, Produktpräsentationen auf dem Gelände und Daueralarm in Sachen Sponsoren sind uns ein Graus.“ Aber, das räumen die Organisatoren auch ein, vielleicht sei diese Sichtweise überholt. „Wahrscheinlich müssen wir uns für 2026 viel mehr mit diesem Thema auseinandersetzen, denn es ist nicht damit zu rechnen, dass es in Sachen öffentlicher Kulturförderung einen Turnaround geben wird.“

Auch das ist der Platzhirsch: andächtige Konzerte in der Kirche St. Joseph am Duisburger Dellplatz.
Auch das ist der Platzhirsch: andächtige Konzerte in der Kirche St. Joseph am Duisburger Dellplatz. © FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Und so bleiben am Ende dann bloß noch die Spenden. Die, die während des Festivals gesammelt werden, vor allem aber die, die im Vorfeld eintrudeln. 13.250 Euro sind das aktuell, 1251 Euro von der „Wir Wunder“-Aktion der Sparkasse, 6699 Euro gofundme.com und 5300 Euro aus Direktspenden an den Trägerverein Kultursprung.

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Es fehlen also, man liest es mit Schaudern, noch 40.000 Euro. 15.000 Euro davon, rechnen die Macher ganz vorsichtig, könnten über (Getränke-)Erlöse am Festivalwochenende zusammenkommen – doch da ist der Platzhirsch dem unbeständigen Hunger, Durst und Wetter ausgeliefert. Der einzige Hebel, an dem die Duisburger also selbst noch sitzen, sind: die Spenden.

>> RETTET DAS PLATZHIRSCH-FESTIVAL! SO KÖNNEN SIE SPENDEN

  • Unter gofundme.com sammelt das Platzhirsch-Festival Spenden.
  • Aktuell steht die Spendenkampagne bei 6699 Euro
  • Als Zielbetrag haben die Platzhirsch-Macher 30.000 Euro angegeben – 22 Prozent davon sind also bisher zusammengekommen.