Mit derart miserablen Noten müssten Schülerinnen und Schüler die Klasse wiederholen: Beim ADFC Fahrradklima-Test haben 1100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Duisburg der Stadt ein „vernichtendes Zeugnis ausgestellt“, bilanziert der Duisburger Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. „Es hagelt Fünfen und Sechsen für Fahrradwege, Verkehrssicherheit und das Engagement der Stadt.“ In der bundesweiten Umfrage ist Duisburg mit der Gesamtbewertung von 4,5 das Schlusslicht der 15 größten Städte. Wie weit Duisburg als Fahrrad-Stadt hinterherhinkt, belegt ein weiteres Ranking: Unter allen 1047 Städten und Gemeinden landet Duisburg auf Platz 968.

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Erschwerend kommt hinzu: Obwohl Sitzenbleiber Duisburg, um im Bild zu bleiben, die Versetzung schon mehrmals nicht geschafft hat, gibt es aus Sicht der Befragten in der Stadt seit vielen Jahren keine Verbesserungen. Auch in den Jahren 2020 und 2022 erreichte Duisburg bei der Befragung nur die Durchschnittsnote 4,5, was einer 4- oder 5+ entspricht. Aus Sicht der Duisburger Radfahrenden hat sich die Situation langfristig sogar verschlechtert: 2012 (4,2), 2014 (4,1), 2016 (4,2) und 2018 (4,3) stellten sie ihrer Stadt noch ein etwas besseres Zeugnis aus.

ADFC Fahrradklima-Test: Kritik an Verkehrsunsicherheit und Radwegen in Duisburg

Baustelle blockiert Radweg in Duisburg
An Straßenbaustellen werden Radfahrer in Duisburg meist zum Absteigen und Schieben gezwungen. Falschparker versperren häufig die Radwege. Die Stadt unternimmt dagegen zu wenig, urteilen die Teilnehmer des ADFC Fahrradklima-Tests.© ADFC Duisburg | ADFC Duisburg

Besonders kritisieren die Duisburger bei der schriftlichen Beantwortung der 27 Fragen die fehlende Sicherheit für Radfahrer im hiesigen Straßennetz (Durchschnittsnote 4,8). 71 Prozent der Befragten geben an, man könne in Duisburg nicht sicher Rad fahren. Dabei stören sie besonders Hindernisse auf Radstreifen und -wegen (4,8) sowie Konflikte mit Autofahrern (4,7). Diese würden häufig ohne entsprechenden Abstand überholen, Radler behindern oder bedrängen.

Eine entscheiden Rolle spielt die miese Qualität der Radwege. Deren Oberfläche und Breite wird von mehr als 80 Prozent als mangelhaft oder schlechter bewertet, daraus ergibt sich die schlechteste Durchschnittsnote der Befragung (5,3). Die Stadt komme zudem ihrer Pflicht zur Sicherung der Radwege nicht nach: Eine Fünf vergeben mehr als 80 Prozent der Teilnehmenden für die Kontrolle von Falschparkern (5,2) und für die Baustellensicherung (5,3).

Schlechte Fahrradwege Radwege in Duisburg
Ein Radweg auf der Sittardsberger Allee. Die Duisburger Radwege wurden besonders schlecht bewertet.© ADFC Duisburg | ADFC Duisburg

Stadtverwaltung im Fokus

Kein Wunder, dass die Stadtverwaltung besonders kritisch gesehen wird. Eine der Fragen: „Handeln Politik und Verwaltung so, dass es keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr gibt“ oder „kümmert sich keiner wirklich um mehr Verkehrssicherheit, insbesondere für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen?“ Nur vier Prozent der Befragten bewerten das städtische Engagement als (sehr) gut, 33 Prozent vergeben eine 5, vier Prozent eine 6. Die Durchschnittsnote von 4,8 entspricht einer 5: mangelhaft.

Die Fahrradförderung durch die Kommune wird am deutlichsten schlechter bewertet als in anderen Großstädten. Die Note „befriedigend“ (3,0) erhielt die Stadt immerhin für ihr Leihradsystem. Kein Aspekt wurde in Duisburg besser bewertet. Die zweitbeste Note vergaben die Radfahrer für die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung (3,4).

ADFC-Sprecherin: „Alarmsignal für Verwaltung, Politik und Polizei“

„Die Ergebnisse müssen ein Alarmsignal für Verwaltung, Politik und Polizei sein“, sagt Lara Schartau-Engelking, Vorstandssprecherin des ADFC Duisburg. „Wenn mehr als zwei Drittel der Befragten sich zutiefst unsicher auf unseren Straßen fühlt und ebenso zwei Drittel die Arbeit der Stadt, Verkehrstote zu verhindern, für mangelhaft hält, ist klar: Hier muss etwas passieren! Es geht dabei um Teilhabe im Straßenverkehr für Kinder, Jugendliche, Ältere und alle, die ohne Auto unterwegs sind.“

Wenn mehr als zwei Drittel der Befragten sich zutiefst unsicher auf unseren Straßen fühlt und ebenso zwei Drittel die Arbeit der Stadt, Verkehrstote zu verhindern, für mangelhaft hält, ist klar: Hier muss etwas passieren! 

ADF-Vorstandssprecherin Lara Schartau-Engelking
Lara Schartau-Engelking, Vorstandssprecherin des ADFC Duisburg

Es sei kein Wunder, dass in Duisburg besonders wenige Menschen Fahrrad fahren, die Staubelastung durch Autos zunehme und Elterntaxis die Straßen verstopfen, so Schartau-Engelking. „Wir sehen uns bestärkt in unserer Arbeit, auf mehr Engagement der Stadt bei der Kontrolle von Falschparkern sowie der Polizei bei der Aufklärung zum Mindestüberholabstand hinzuwirken.“

ADFC-Sprecher: Keine Ambitionen und zu wenig Geld

Auf Bestreben des Fahrradclubs hat die Stadt für Juli Schwerpunktkontrollen an „Falschparker-Hotspots“ angekündigt. Angesichts der „desaströsen Ergebnisse“ sei es auch wichtig, personelle und finanzielle Kapazitäten zu erhöhen. Der Stadt wirft der ADFC fehlende Ambitionen in der Radverkehrsförderung vor. In der Selbstauskunft zum Fahrradklima-Test habe die Verwaltung als „herausragende Projekte“ den Radschnellweg 1, Fahrradstellplätze und die Sanierung von Alltagsradwegen genannt.

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„Dass ausgerechnet der RS1 als Highlight herausgestellt wird, von dem in Duisburg in 15 Jahren bislang kein Meter realisiert wurde und der wohl nicht vor 2040 fertig wird, lässt tief blicken“, kritisiert Herbert Fürmann, Vorstandssprecher des ADFC Duisburg. Er vermisst beispielsweise die Einrichtung von Fahrradstraßen oder Schulstraßen. „Mit gerade einmal 4 Euro Budget pro Duisburger:in und drei Personalstellen für Bau und Unterhalt von Radinfrastruktur steht der Verwaltung weit weniger als dem vom Bund empfohlenen Budget von 10 bis 30 Euro pro Einwohner:in zur Verfügung“, rechnet Fürmann vor.

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>> ADFC Fahrradklima-Test 2024

So schnitten die anderen deutschen Großstädte beim ADFC Fahrradklima-Test ab:

  1. Frankfurt (3,49)
  2. Hannover (3,52)
  3. Bremen (3,54)
  4. Leipzig (3,7)
  5. München (3,9)
  6. Dresden (3,93)
  7. Hamburg (3,96)
  8. Nürnberg (3,99)
  9. Stuttgart (4,16)
  10. Düsseldorf (4,17)
  11. Köln (4,19)
  12. Berlin (4,28)
  13. Dortmund (4,3)
  14. Essen (4,33)
  15. Duisburg (4,46)

>> ADFC: 1500 Mitglieder in Duisburg

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ist mit über 240.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer weltweit. Im Kreisverband Duisburg sind über 1500 Mitglieder organisiert.

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist eine der größten Befragungen zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt. Rund 213.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben beim elften Durchgang abgestimmt.

Alle Ergebnisse sind online nachzulesen auf fahrradklima-test.adfc.de.