Das ist ein herber Dämpfer für alle Duisburgerinnen und Duisburger, die sich seit Jahren dafür einsetzen, dass die künftig sechs- bis achtspurige A59 in Meiderich und Hamborn unter der Erde liegen soll. Die Autobahn GmbH des Bundes (AdB) will den von der Stadt und vielen Bürgern geforderten Tunnel-Ausbau der A59 im Stadtnorden nicht weiter verfolgen. Der Bundesbetrieb beruft sich dabei auf das mit Spannung erwartete Ergebnis einer Machbarkeitsstudie. Das hat am Freitag die Deutsche Presse-Agentur (dpa) gemeldet.

A59 in Duisburg: Unterirdischer Ausbau laut Autobahn GmbH 2,3 Milliarden teurer

Das Gutachten habe demnach ergeben, dass ein Autobahntunnel rund 2,3 Milliarden Euro teurer wäre als die Straßenführung in Hochlage. Außerdem würde sich die Bauzeit mit einem Tunnel laut Studie von 6,5 auf 12 Jahre fast verdoppeln, habe die Autobahngesellschaft der dpa mitgeteilt.

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Die Stadt Duisburg reagierte mit scharfer Kritik. Im Rathaus habe man die Presseveröffentlichung der Autobahngesellschaft gegenüber der dpa „mit großem Befremden zur Kenntnis genommen“. Die Studie liege der Verwaltung selbst „zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor“, erklärte sie am Freitagnachmittag. Die Stadt sei über die Inhalte von der AdB auch noch nicht informiert worden.

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In einer Mitteilung des Bundesbetriebes heiße es: „Im Ergebnis bestätigt die nun aktualisierte und plausibilisierte Machbarkeitsstudie, dass die der bisherigen Planung zugrunde gelegte Variante in annähernd bestehender Höhenlage vorzugswürdig ist“, zitiert die Stadt.

Oberbürgermeister Link kündigt Klage gegen „Maßnahmen aus der Mottenkoste“ an

Dazu sagte Oberbürgermeister Sören Link (SPD): „Ich bin überhaupt nicht überrascht, dass die Studie scheinbar deckungsgleich mit den Ansichten der AdB ist. An der Haltung und Rechtsauffassung der Stadt Duisburg ändert sich deshalb nichts: Wir werden alle rechtlichen und politischen Mittel ausschöpfen und uns mit aller Kraft gegen verkehrspolitische Maßnahmen aus der Mottenkiste der 1960er-Jahre wehren. Die Menschen im Duisburger Norden haben mehr Lebensqualität durch die Tunnellösung verdient.“

Oberbürgermeister Sören Link kündigt weiter Widerstand der Stadt gegen den A59-Ausbau in Hochlage an.
Oberbürgermeister Sören Link kündigt weiter Widerstand der Stadt gegen den A59-Ausbau in Hochlage an. © FUNKE Foto Services | STEFAN AREND

Es geht um den sechs- bis achtstreifigen Ausbau der A59 zwischen dem Kreuz Duisburg (A40/A59) und der Anschlussstelle Marxloh auf etwa 6,7 Kilometern. Die Stadt fordert seit Jahren die Zweiteilung des umstrittenen Planfeststellungsverfahrens, um die marode Berliner Brücke im südlichen Abschnitt schnellstmöglich neu bauen und beim weiteren Ausbau ab Meiderich zwischen den Varianten in Ruhe abwägen zu können: zwischen einer Hochtrasse einerseits, einem Tunnel in Meiderich und einer Troglage in Alt-Hamborn andererseits.

Bundestagsabgeordnete hatten Gutachten erst ermöglicht

Die Niederlassung Rheinland der Autobahn GmbH hatte das abgelehnt und beim Fernstraßen-Bundesamt (FBA) einen Planfeststellungsantrag für den gesamten Abschnitt gestellt. Ein Tunnel sei in der Gesamtabwägung zwischen dem Schutz von Menschen und dem volkswirtschaftlichen Nutzen „klar unterlegen“. Geprüft hatten den Tunnel-Ausbau aber weder der bis 2020 zuständige Landesbetrieb Straßen NRW noch die neu gegründete Autobahn GmbH in Verantwortung des Bundesverkehrsministeriums.

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Darum hatten sich die Duisburger Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas (SPD), Mahmut Özdemir (SPD), Felix Banaszak (Grüne) und Lamya Kaddor (Grüne) in Berlin dafür eingesetzt, dass die Tunnel-Variante erstmals überhaupt untersucht werden konnte. Mit Erfolg: Für ein unabhängiges Gutachten gab der Haushaltsausschuss des Bundestages im November 2023 eine Million Euro frei. „Damit wird der Bundestag in die Lage versetzt, zwischen beiden Varianten abzuwägen“, erklärten die Parlamentarier damals.

Nun also liegt die Machbarkeitsstudie anscheinend vor – zumindest dem Verkehrsministerium und ihrer GmbH. Unklar ist, ob die Ergebnisse Raum für Interpretationen und politische Abwägungen lassen. Schließlich schnürt die künftige Bundesregierung gerade ein milliardenschweres Rekord-Investitionspaket für Infrastrukturprojekte.

Stadt warnt vor Teilung des Duisburger Nordens

In der aktuellen Vorzugsvariante seien für den Ausbau in Hochlage umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen wie Schutzwände und lärmmindernde Fahrbahnbeläge vorgesehen, argumentiert die Autobahngesellschaft. Dies bedeute eine „deutlich spürbare Verbesserung“ zum Ist-Zustand.

Sieht so der Worst Case aus? Diese Visualisierung der Stadt zeigt, wie die verbreiterte A 59 näher an die Wohnbebauung heranrücken würde. Die Dr.-Lengeling-Straße in Meiderich gehört zu den Stellen, die besonders betroffen sind.
Sieht so der Worst Case aus? Diese Visualisierung der Stadt zeigt, wie die verbreiterte A 59 näher an die Wohnbebauung heranrücken würde. Die Dr.-Lengeling-Straße in Meiderich gehört zu den Stellen, die besonders betroffen sind. © Unbekannt | Stadt Duisburg

Die Stadt lehnt einen Ausbau als Hochstraße ab, um die Teilung der Stadtteile durch die noch breitere A59 zu verhindern und die Lebensqualität der Anwohner zu verbessern. Die Verwaltung warnt, teils mit Visualisierungen, vor den Dimensionen der erweiterten Brückenbauwerke. Diese hätte eine „Regelbreite“ von 46 Metern, der Abstand zur benachbarten Bebauung liege teilweise unter zehn Metern. Im Anhörungsverfahren hatten sich 1400 Duisburger mit ihren Einwendungen gegen die Verbreiterung der Autobahn auf Brücken ausgesprochen.

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Die Zeit drängt wegen der maroden Berliner Brücke

Das umstrittene Planungsverfahren steht unter Zeitdruck. Im 6,7 Kilometer langen Abschnitt liegt die 1,8 Kilometer lange Berliner Brücke, die über Ruhr, Rhein-Herne-Kanal und den Hafen führt. Der 1963 eröffnete Brückenzug ist marode und war wegen mangelhafter Tragfähigkeit im Oktober für den Schwerlastverkehr über 48 Tonnen gesperrt worden.

Duisburg: Sonderprüfung der Berliner Brücke

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    Die „theoretische Restnutzungsdauer“ war vor Jahren bis 2029 bestimmt worden. Aber inzwischen hat der Auflagerbereich eines Längsträgers einen Riss und der Verkehr über die A59-Brücke hat wegen der Großbaustelle im benachbarten Kreuz Kaiserberg stark zugenommen.

    Die Stadt Duisburg hofft, dass der von der AdB beantragte vorgezogene Brückenneubau vom Fernstraßen-Bundesamt genehmigt werden kann, ohne dass damit eine Tunnel-Lösung weiter nördlich ausgeschlossen wird. Das FBA in Leipzig hat darüber noch nicht entschieden.