Wenn Rüde Portos eine Gassirunde im Wald drehen will, muss Frauchen Susanne dafür nicht ins Auto steigen. Sondern nur das Törchen hinter ihrer Wiese aufmachen: Andere Leute haben einen Garten – Susanne hat einen Wald.

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Die 56-Jährige lebt in Dortmund-Buchholz, unweit der Hohensyburg. Ländlich ist es hier. Wer aus dem Trubel der Innenstadt kommt, könnte sich auf einem Sonntagsausflug wähnen. Susanne hat genau das gesucht: weit draußen – und trotzdem schnell in der Stadt.

40.000 Quadratmeter im äußersten Süden Dortmunds

Vor 14 Jahren ist sie mit ihrem damaligen Mann aus Benninghofen hierhergezogen. „Wir wollten wohnen, wo die Nachbarn nicht so eng dran sind“, sagt sie. Zwei Jahre mussten sie suchen, dann stießen sie in Buchholz auf das Einfamilienhaus von 1903.

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Ein Inserat, wie es das in Dortmund selten gibt. Denn zum Haus gehören stolze 40.000 Quadratmeter Grundstück. „Nur“ 4000 davon sind als Garten eingezäunt. Der Rest ist ein Wald, 400 mal 100 Meter groß. Ein letzter Ausläufer des Naturschutzgebietes Ebberg, ein hügeliges Wäldchen mit Tümpel, vom öffentlichen Forst nicht zu unterscheiden.

Brennholz, Brombeeren und ein Weihnachtsbaum

Das Angebot haute Susanne vom Hocker, der Anblick des Geländes indes nicht. Statt „Huch, wie groß“ sagte sie bloß „Boah, wie klein“: „Ich komme ursprünglich aus einem Dorf“, erklärt sie. Onkel und Tante besaßen auch einen Wald. „Aber einen richtigen, der auch forstwirtschaftlich interessant ist.“

Dortmunder Wald
Ihr Wäldchen in Dortmund-Buchholz beginnt direkt hinterm Gartenzaun: Susanne muss nur durchs Tor gehen.© Funkemedien NRW | Britta Bingmann

Das ist die verwunschene Parzelle in Buchholz beileibe nicht. „Ich kann Brennholz rausholen“, sagt seine Besitzerin. Brombeeren gibt es auch reichlich. „Und im Advent schlage ich ab und zu einen Weihnachtsbaum.“ Der Wald sei ihr Hobby. Ein manchmal ganz schön teures noch dazu. Etwa wenn, so wie neulich, ein Stamm auf die Hütte der Nachbarn zu kippen droht und die Baumpfleger mit ihren Maschinen anrücken müssen.

40 private Waldbesitzer in Dortmund

Von ihren Bäumen leben, das können oder wollen auch die anderen Dortmunder Waldbesitzer nicht. Viele gibt es ohnehin nicht: Weniger als ein Sechstel des Stadtwaldes (3000 Hektar) ist in privater Hand (455 Hektar). Rund 40 Eigentümer sind in Forstbetriebsgemeinschaften organisiert. „Sie nutzen ihren Wald sehr unterschiedlich bis eher selten“, weiß Nils Johannsen vom Regionalforstamt Ruhrgebiet. Einzelne würden sich zwar für ihren Wald einsetzen und ihn bewirtschaften. Aber: Allein von der Forstwirtschaft „lebt kein Waldbesitzer in Dortmund“.

Dortmunder Wald
Rüde Portos streift gerne durch sein Revier. Wobei für ihn die gleichen Regeln gelten, wie für alle Hunde in Dortmunder Wäldern.© Funkemedien NRW | Britta Bingmann

Susanne kommt es darauf aber auch gar nicht an. Sie liebt es, zwischen ihren Bäumen spazieren zu gehen und an ihrem Lieblingsplatz am Fuße eines alten Baumes zu sitzen. Sie liebt es, in den Aufzeichnungen der Wildkamera zu sehen, was für ein munteres Treiben in ihrem Wäldchen herrscht. Wildschweine, Füchse, viele Marder und Waschbären und sogar ein Dachs leben hier. „Die Rehe kann ich inzwischen sogar unterscheiden“, sagt sie. Die scheuen und die frechen Kitze. Und die alten Bekannten: „Ein Bock ist über Jahre immer wieder gekommen.“

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Die Fichten kommen langsam zurück

Und Susanne liebt es, zu sehen, wie sich die Natur nach dem großen Fichtensterben wieder erholt. Auch in ihrem Wäldchen hat der Borkenkäfer gewütet. Viele Fichten standen hier. „Der frühere Besitzer wollte wohl eine Tannenbaumplantage anlegen“, meint die 56-Jährige. Doch die Bäume standen zu eng, der Käfer hatte ein leichtes Spiel.

Dortmunder Wald
Über Stock und Stein: Susanne liebt es, in der Natur zu sein.© Funkemedien NRW | Britta Bingmann

Heute wachsen vor allem Eichen, Buchen, Birken sowie Ahorn in dem Buchholzer Wäldchen. Auch die Fichten kämen wieder, freut sich Susanne. „Und sogar Eiben.“ Das wundert sie. Schließlich geht der Boden nicht tief. Der Fels beginnt dicht unterm Erdreich. „Der Flöz Sengsbank kommt hier quasi ans Licht.“ Ein alter Schacht verläuft wohl auch hier. Ob die große runde Mulde im Unterholz wohl ein Tagesbruch ist? „Möglich“, meint Susanne. Es könnte aber auch ein Bombentrichter sein.

Kein offizieller Weg führt durchs Wäldchen

Will die 56-Jährige durch ihren Wald streifen, muss sie über Stock und Stein kraxeln. Durch den Wald führt nur ein Trampelpfad, kein offizieller Weg. Das Gute daran: Daher muss Susanne auch keinen sichern. Auch um die Stromleitung, die über ihr Gelände führt, muss sie sich nicht sorgen – das macht der Netzbetreiber. Einen Mülleimer, den hätte sie gerne in ihrem Wald. „Müll ist ein großes Problem.“ Vor Jahren hat sie selbst einmal einen aufgestellt. „Aber den musste ich wieder abbauen: Das war nicht erlaubt.“

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Kosten hier, Brennholz da: Ist es denn nun eine Lust oder eine Last, einen Wald zu besitzen? Susanne muss nicht lange überlegen: „Eine Lust, ganz klar.“ Sie habe große Freude an ihrem ganz besonderen Grundstück. „Andrerseits: Wenn der Wald mir nicht gehören würde, könnte ich mich ganz genauso daran erfreuen.“