Wo werden Fleischesser und Veganer in Dortmund gleichermaßen satt und zufrieden? Das testen wir in unserer Gastro-Kolumne „DOppelt schmeckt besser“. Diesmal bin ich einem Wunsch gefolgt, den Stephie schon mehrfach geäußert hatte. Sie wollte gerne ins „Lord“. Aber bislang hatte ich keine Lust auf den Kult-Imbiss mitten im Trubel der Brückstraße. Backkartoffeln in der Mittagspause? Das konnte mich wirklich nicht reizen. „Was soll da schon gut sein?“, dachte ich. Jetzt weiß ich: eine ganze Menge.

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Die Speisekarte gibt‘s nicht. Wie es sich für einen Imbiss gehört, steht das Speisenangebot auf großen Leuchttafeln über der Theke. Alles ist vegetarisch, vieles vegan. Und das schon seit 1988. Bis 2025 hatte Ahmad Reihani das Lokal, das sich zunächst unter dem Titel „Kartoffellord“ einen Namen gemacht hatte, geführt, jetzt steht sein Schwager in der Küche und führt die Tradition auf bewährte Weise weiter.

Gebackene Kartoffeln gibt es immer noch, mit Butter oder Bohnen, mit Kümmel oder Quark. Aber das ist längst nicht alles. Es gibt auch Wraps, Burger und Tellergerichte, alles, wie gehabt, vegan oder vegetarisch. Wer wie wir ein ganzes (Test-)Menü möchte, wird auch fündig: Vor- und Nachspeisen werden ebenfalls angeboten.
Tomatensuppe im Dortmunder Lokal schmeckt wie bei Muttern
Der Geschmack: Wir starten daher (mal wieder) mit einer Tomatensuppe, diesmal mit Kokos, die wir uns teilen. Sie ist herrlich heiß und fruchtig, ein bisschen stückig und schön würzig. Vom Kokos merken wir nicht viel, sie schmeckt wirklich wie bei Muttern. Das war schon mal ein guter Start.

Als Hauptspeise wählt Stephanie das Tellergericht Sodel. Das besteht aus einem Schälchen Sojastücken in einer Walnuss-Sauce, dazu Basmatireis, ein Spieß mit gebratenem Gemüse und ein Beilagensalat. Wir probieren zunächst das Soja pur. Es hat die Textur von geschmortem Fleisch, von Gulasch. Auch die Sauce ist von der Konsistenz ähnlich, schmeckt aber anders. Deutlich nach Nuss, dazu etwas säuerlich. Stephanie ist recht angetan, auch von der Kombi mit dem hübsch angerichteten Kurkuma-Reis und dem schön gerösteten Gemüse.
Ich habe mich für einen Burger entschieden, nicht mit „Ersatzfleisch“, sondern mit Aubergine, und Süßkartoffelpommes – und werde sehr positiv überrascht. Der Burger ist unheimlich saftig. Die Aubergine ist weich, aber nicht zu fettig, Salat und Zwiebel sind knackig, das Tzaziki reichlich und gut gewürzt. Fleisch vermisse ich wahrlich nicht. Ich muss zugeben: So einen leckeren Burger habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Auch die Pommes sind prima, aber ehrlich gesagt zusammen mit Suppe und Burger viel zu viel.

Nachtisch passt aber trotzdem noch, zumal er uns so freundlich angeboten wird. Stephie und ich teilen uns einen Kulutsche, ein Gebäck aus Dinkelvollkornteig, gefüllt mit Walnüssen, Zimtzucker, Ingwer, Muskatnuss, Kardamom und Safran. Dazu bekommen wir zwei Espressi aufs Haus. Der hübsche gefüllte Keks duftet wie ein Besuch am Gewürzstand auf dem Weihnachtsmarkt und schmeckt wie eine feste Zimtschnecke, die einen Abstecher in den Orient gemacht hat. Dazu der Kaffee: herrlich! Ein toller Abschluss für ein wirklich gutes Essen.
Toller, freundlicher Service trägt zum Wohlfühlen bei
Die Atmosphäre: Der Lord ist nun mal ein Imbiss an der Brückstraße, kein Fine-Dining-Lokal. Entsprechend einfach ist er eingerichtet. Auch die Birkenstämme im Lokal können den nackten Sichtbeton nicht wirklich gemütlich machen. Dafür war aber alles sauber und appetitlich.
Auch der Service hat viel dazu beigetragen, dass wir uns wohlgefühlt haben. Schon beim Reinkommen haben wir uns wohlgefühlt. Der Inhaber hat unser Zögern bei der Auswahl bemerkt und uns humorvoll die Scheu vor den unbekannten Gerichten genommen. Auch während des Essens hat er uns Tipps gegeben, für gute Stimmung gesorgt und ja, der Gratis-Kaffee am Ende war das Sahnehäubchen. Das hat Spaß gemacht!

Und das alles für einen wirklich fairen Preis: Keine 50 haben wir für alles zusammen gezahlt, inklusive Getränke. Die Suppe kostet 5,50 Euro, der Burger mit Pommes 21,70 €, das Sodel 14,80 € und der Keks 3,80 €. Da kann man bei der Qualität wirklich nicht meckern.

Der Veganer-Fleischesser-Faktor: Diesmal kam Stephie wirklich voll auf ihre Kosten. Kein Fleisch weit und breit. Das vegane Angebot ist ausreichend groß und gut erkennbar ausgezeichnet. Die überzeugte Veganerin konnte mit Genuss essen. Wer auf Fleisch nicht verzichten möchte, ist im „Lord“ indes falsch. Allerdings habe ich das Fleisch nicht vermisst. Die Aubergine war ein toller Ersatz, Stephies Soya-Würfel schmeckten gut und vegane Pattys oder Falafel hätte es auch gegeben. Da lässt sich schon was Schönes finden.
Unsere Bewertung:
Geschmack: 4,5 von 5 Punkten
Service: 4,5 von 5 Punkten
Atmosphäre: 3,5 von 5 Punkten
Insgesamt: 4,25 Punkte
Hinweis der Redaktion: Diese Gastro-Kritik entspricht dem subjektiven Geschmacksurteil der Verfasserinnen. Bei unseren Tests geben wir uns nicht zu erkennen, bewerten unabhängig und bezahlen das Essen selbst.
Lord, Gerberstraße 1, 44135 Dortmund; Telefon: 0231 572049, lord-dortmund.de, mo-do 10.45-22 Uhr, fr+sa bis 0 Uhr, so 11.45-0 Uhr.





