E-Zigaretten (Vapes) sind beliebt – besonders bei Jugendlichen. Sie schmecken süß, der Rauch kratzt nicht und der hartnäckige Gestank in der Kleidung bleibt aus. Immer mehr rücken die vermeintlich harmlosen, dampfenden Kleingeräte in den Fokus: Influencer bewerben sie, Mediziner warnen, der Zoll bekämpft den illegalen Handel. Doch es könnte mehr getan werden – auch vom Dortmunder Ordnungsamt.

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Vapes werden mit Batterien oder Akkus betrieben und erhitzt. Dadurch verdampft eine Flüssigkeit (Liquid), die mit Aromen, Nikotin und weiteren Stoffen versetzt ist. Illegale E-Zigaretten sind leicht daran erkennbar:

💦 Mehr als 2 ml Liquid
🚬 Mehr als 800 Züge
🧠 Mehr als 20 mg Nikotin pro ml Liquid
👀 Gefälschte oder fehlende Steuerzeichen
🚨 Nicht-deutsche Warnhinweise
🥦 Verbotene Zusatzstoffe wie THC

Millionenschaden wegen illegaler Vapes in Dortmund

Der Kauf oder Verkauf solcher Vapes ist Steuerhehlerei und strafbar. Allein im Bezirk des Hauptzollamtes Dortmund lag der Steuerschaden sichergestellter Vapes im Jahr 2023 bei rund 1,33 Millionen Euro.

Montage Zoll Nebel
Bei den Kiosk-Kontrollen des Hauptzollamtes Dortmund finden die Beamten immer wieder illegale Vapes.© Adobe Stock / Tom Hoops, Funke Medien NRW | Montage: Antonia Keßler

Dabei ist das Volumen des Schwarzmarktes kaum zu erfassen. Immer wieder machen Zollbeamte Funde, doch die Vertriebswege und Verstecke von lokalen Händlern werden undurchsichtiger. 2023 stellte die Kontrolleinheit des Hauptzollamtes Dortmund 845.000 Vapes sicher – 2024 nur knapp ein Viertel dessen (200.000), weil sie weniger große Funde machten und Händler dazugelernt haben.

Jugendliche sind besonders anfällig für Schäden durch Vapes

Illegale Vapes sind verfügbar. Sie werden verkauft über Onlinehandel, Social Media, Kioske, sogar über Reisebüros. Das ist nicht im Interesse der Tabakindustrie. Sie denken allerdings in Bezug auf legale Vapes zukunftsorientiert: Junge Menschen sollen sich früh mit ungefährlich scheinenden Vapes an das Suchtmittel Nikotin binden.

Vor wenigen Jahren spielte das Vapen im Schulalltag kaum eine Rolle – heute sehen wir, dass immer mehr Jugendliche damit in Berührung kommen

Florian Burghaus, Beratungslehrer Oberstufe, stellvertretend für die Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG)

Es sei besorgniserregend, wie niedrig die Hemmschwelle durch bunte Verpackungen sowie süße Aromen und wie einfach der Kauf mangels Alterskontrollen sei. Warn-Bilder wie bei Zigaretten fehlen.

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Die „Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA)“ führt jährlich eine Schülerstudie durch. Im Jahr 2024 gaben 49 Prozent der 15- und 16-Jährigen in Deutschland an, schon mal Zigaretten oder Vapes geraucht zu haben – 31 Prozent rauchten im Monat vor der Befragung.

Laut dem Dortmunder Pneumologen Dr. Georg Nilius sind Jugendliche sehr anfällig für langfristige Nikotinsucht und Lungenschäden: „Je früher eine Schädigung einsetzt, desto wahrscheinlich ist es, dass sie sich manifestiert. Genau wie das Gehirn, ist auch die sich entwickelnde Lunge empfindlicher gegenüber Giftstoffen.“ Die Studienlage widerlegt, dass Vapes weniger schädlich sind als normale Zigaretten. Illegale Zumischungen im Liquid machen sie sogar gefährlicher.

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Georg Nilius ist Direktor der Klinik für Pneumologie in Dortmund. Er spricht sich gegen den Konsum von Vapes aus.© Adobe Stock / Prof. Georg Nilius | Montage: Antonia Keßler

Den „Trend“ führt die Dortmunder GSG auf „Popkultur-Idole wie Rapper und Influencer“ zurück. Vapes sind in Kurzvideos zu sehen, in TV-Formaten und Musikvideos präsent. Dabei fallen alle E-Zigaretten auch unter das Tabakerzeugungsgesetz, dürfen also nirgendwo beworben werden – dem Rapper „Fler“ scheint das egal zu sein.

Ordnungsamt stellte nur einmal den Verkauf an Minderjährige fest

In zwei Jahren hat der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) 24 Fälle illegaler Vapes dokumentiert. Laut Stadt ist der Zoll für die Kontrollen zuständig. Seine Rolle sieht der KOD in der „Vollzugshilfe“, übergibt also illegale Zufallsfunde an das Hauptzollamt. Um Kompetenzen zu bündeln, gibt es gelegentlich gemeinsame Kontrollen.

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Allerdings spielt der KOD seine Verantwortung für illegale Vapes damit runter. Zuständig ist er nach eigenen Angaben für den Jugendschutz und die Überprüfung des Werbeverbots für jegliche Tabakerzeugnisse im öffentlichen Raum – in beiden Fällen handelt es sich in der Regel um Ordnungswidrigkeiten.

Jedoch stellte das Ordnungsamt in zwei Jahren „keine gerichtsverwertbaren Fälle von Verkäufen (Anm. d. Red.: illegaler Vapes) an Minderjährige“ und „keine“ Verstöße gegen das Werbeverbot fest. Im Jahr 2024 gab es einen einzigen dokumentierten Fall, bei dem Minderjährigen Tabakwaren (eine Vape) verkauft wurden. Angesichts der Studienlage erscheint das fragwürdig selten.

Unsere WochenDOsis zum Thema „Illegale Vapes“:

Denn der Lobby-Verband „Bündnis für Tabakfreien Genuss“ schätzt den Anteil illegaler Vape-Produkte in Deutschland auf 40 Prozent. Deshalb fordert auch der „Verband des eZigarettenhandels“ umfangreichere Kontrollen zum Jugendschutz.

Beim Rauchen und Alkoholtrinken erwischte der KOD Jugendliche im Jahr 2024 zwar 176-mal, aber die Kölner Kollegen schlugen 1057-mal zu und das allein am 11.11.2024. Generell ist Deutschland bei der Tabakkontrolle im europäischen Vergleich auf einem der hintersten Ränge.

Schüler Vape Illustration
Fast 50 Prozent der 15- und 16-Jährigen haben laut einer Schülerumfrage schon mal eine Vape oder Zigarette geraucht.© Adobe Stock | Adobe Stock

Dortmunder Gesamtschule fordert Verkaufsverbot von Vapes

Prävention gibt es in Dortmund hingegen reichlich. Stadt, Schulen und Mediziner informieren über Vapes, es gibt Flyer für Jugendliche, Eltern sowie Lehrer und Sozialarbeiter sind sensibilisiert. Die GSG fordert dennoch mehr mediale und politische Aufklärung. Der offenbar einfache Zugang zu Vapes lässt sich damit jedoch nicht verhindern.

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Deshalb hoffen die Verantwortlichen der Gesamtschule auch auf ein Verkaufsverbot von Einweg-Vapes (in Belgien gibt es das bereits), von dem derzeit niemand wissen kann, ob es den (illegalen) Handel beschränkt oder weiter anheizt. Allerdings: Um Umwelt und Gesundheit zu schützen, hat sich der Bundesrat bereits dafür ausgesprochen.