„Eigentlich wollen wir heute über das Schöne sprechen, über das, was uns verbindet“, sagt Oberbürgermeister Jörg Lukat (SPD). Hunderte Menschen sind in den Innenhof des Rathauses gekommen, um das jüdische Lichterfest Chanukka zu feiern. Doch überschattet wurde die Feier von dem antisemitischen Anschlag in Sydney, bei dem 15 Menschen erschossen wurden, derer er in seiner Rede gedenkt.

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Im Voraus sei diskutiert worden, die traditionelle Feier vor dem Rathaus abzusagen. „Doch das ist ein Zeichen, das wir nicht setzen wollten. Es freut mich, dass wir als Stadt Bochum gemeinsam das Fest feiern, zum sechsten Mal schon“, so Lukat.

Chanukka-Feier der Jüdischen Gemeinden Bochum, Herne und Hattingen und der Stadt Bocum
Oberbürgermeister Jörg Lukat (SPD) eröffnete die Chanukka-Feier vor dem Rathaus.© FUNKE Foto Services | Jonas Richter

Lichter der Channukia vor dem Rathaus Bochum entzündet

Auch Grigory Rabinovich, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, machte deutlich: „Wir lassen uns von Terror und Hass nicht einschränken.“ Er bedankte sich für die Gastfreundschaft und das unmissverständliche Gefühl der Verbundenheit in Bochum.

Am Abend bildeten mehrere hundert Teilnehmende eine Menschenkette vor dem Rathaus. Das „Bündnis gegen Antisemitismus“ hatte die Aktion organisiert, um den Opfern von Sydney zu gedenken und ein Zeichen gegen den Hass setzen. Im Anschluss wurden im Innenhof des Rathauses die Lichter der Chanukkia entzündet. Zu der Veranstaltung kamen deutlich mehr Menschen als im vergangenen Jahr.

Chanukka-Feier der Jüdischen Gemeinden Bochum, Herne und Hattingen und der Stadt Bocum
Grigory Rabinovich, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, gedachte in seiner Rede der Opfer des Anschlags in Sydney. © FUNKE Foto Services | Jonas Richter

So haben wir vorab berichtet: Nach Attentat von Sydney: Bochum hält an Chanukka-Feier am Rathaus fest

Die mörderischen Szenen des Anschlags auf die Chanukka-Feierlichkeiten am Bondi Beach im australischen Sydney sind um die Welt gegangen. „Ich konnte mir die Videos bis heute nicht richtig anschauen“, sagt Mark. Er ist Jude und engagiert sich in der Jüdischen Gemeinde Bochum. Aus Angst, erkannt zu werden, möchte er seinen Nachnamen nicht veröffentlicht wissen.

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Zum gemeinsamen, öffentlichen Chanukka-Fest von Stadt und Jüdischer Gemeinde wolle er auf jeden Fall gehen, so der Student. Seine Familie sei extra nach Bochum gekommen, um das Lichterfest zu begehen. „Wir dürfen uns das Gefühl von Normalität nicht nehmen lassen“, sagt er.

„Die Ereignisse in Australien haben weltweit große Bestürzung und einen Schock ausgelöst“, sagte Bochums Stadtsprecher Thomas Sprenger vorab. „Die Stadt steht im engen Austausch mit der Bochumer Polizei und allen Sicherheitsbehörden.“

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„Ich bin es satt, dass wir Angst haben müssen“

Chanukka sei eigentlich ein schönes Fest, sagt Mark. „Im Winter an den dunkelsten Tagen zusammenzukommen, tut der Seele gut und spendet Wärme, wie eine Hühnersuppe, wenn man krank ist“, sagt er. Über die acht Tage des Lichterfests werden acht Kerzen auf einem Leuchter, der Chanukkia genannt wird, entzündet. Das Fest erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 vor Christus.

Nun aber trübte Sorge die Feststimmung. „Ich wollte mir auf Instagram Stories von Chanukka anschauen, aber davor musste ich mich durch die ganzen Leichen in Sydney klicken“, sagt Mark. „Ich bin es satt, dass wir Angst haben müssen, uns mit zehn Menschen zu versammeln, um Berliner zu essen.“ Das krapfenartige Gebäck Sufganiyot, das Juden zur Chanukka essen, wird oft als Berliner beschrieben.

Rückblick in den Dezember 2024: Der damalige Oberbürgermeister Thomas Eiskirch entzündete ein Licht an der Chanukkia. In diesem Jahr lädt sein Nachfolger Jörg Lukat gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde zum Rathaus.
Rückblick in den Dezember 2024: Der damalige Oberbürgermeister Thomas Eiskirch entzündete ein Licht an der Chanukkia. In diesem Jahr lädt sein Nachfolger Jörg Lukat gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde zum Rathaus.© FUNKE Foto Services | Jonas Richter

Die Polizei will die Wachsamkeit erhöhen – die Angst bleibt

Die Polizei wisse um die Situation, so Polizeipressesprecher Marco Bischoff im Vorfeld. Wie zuvor geplant, werden die Feierlichkeiten zum Chanukka-Fest polizeilich begleitet. „Die Einsatzkräfte sind sensibilisiert worden.“ Soll heißen, sie werden mit erhöhter Wachsamkeit die Umgebung im Auge behalten.

Aber: „Bis einer was macht, sind schon zehn Menschen tot“, befürchtet Mark. Am meisten Sorgen macht er sich um seine Familie. „Man hat ja nur eine Familie.“