Der Pott ist trist und grau? Keineswegs! Die größte Industrieregion Deutschlands hat sich schon längst neu erfunden – und für Familien viel zu bieten. Dort, wo früher Bergwerke und Fabriken waren, wurden Industriebauten zu Kulturstätten, Schutthaufen zu Parks und Werksgelände zu Seen. Vieles davon ist leicht erreichbar. Denn wie nirgendwo sonst in Deutschland liegen so viele Klein- und Großstädte dicht beisammen. Das Ergebnis: Reichlich Optionen für Freizeit und Arbeit. Wir haben sieben Gründe gesammelt, warum Familien gerne im Pott leben.

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Grund 1: Aus grau wird grün – Frische Luft in der Industrieregion

Mit dem Ruhrgebiet verbindet man meist Zechen und Bergbau – daher auch das Vorurteil, es sei dreckig und grau. Doch aus grau wurde innerhalb der letzten Jahrzehnte grün. In einer Studie hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) ermittelt, dass 80 Prozent der Menschen zwischen Lippe und Ruhr die nächste Grünfläche mit dem Fahrrad in weniger als dreieinhalb Minuten erreichen. Natur liegt also vor der Haustür. Essen wurde 2017 sogar als Grüne Hauptstadt Europas ausgezeichnet.

Ein weiteres Beispiel für den Wandel: die vielen Halden. Künstliche Berge entstanden, indem die unbrauchbaren Gesteine aus den Zechen abgelagert wurden. Mit der Zeit wurden sie renaturiert und bepflanzt. Damit nicht genug: Riesige Kunstinstallationen liegen auf einigen Gipfeln. So zum Beispiel das Tiger & Turtle in Duisburg, eine riesige begehbare Achterbahn, oder das Tetraeder in Bottrop, mit Blick auf das ganze Ruhrgebiet.

Die Großskulptur Tiger and Turtle auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe in Duisburg-Angerhausen ist einer Achterbahn nachempfunden. (Archivbild)
Die Großskulptur Tiger and Turtle auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe in Duisburg-Angerhausen ist einer Achterbahn nachempfunden. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | STEFAN AREND

Gut erreichbare Parks, Wälder und Seen liegen zahlreich direkt in der Stadt, am Rand oder zwischen den Stadtteilen. Ob mit dem Kajak auf der Ruhr, Basketball spielen im Grugapark in Essen, für einen Spaziergang auf der Hohensyburg in Dortmund mit Blick über das Ruhrtal, eine Alpakawanderung durch das Naturschutzgebiet Wagenbruch in Castrop-Rauxel oder eine Fahrradtour an Feldern vorbei zur Eisdiele in der Nachbarstadt: Das Ruhrgebiet eignet sich für diverse Outdoor-Aktivitäten.

Auf einer Alpakafarm „Daniels kleine Farm" in Castrop-Rauxel werden Wanderungen für Kinder und Gruppen angeboten. (Archivbild)
Auf einer Alpakafarm „Daniels kleine Farm" in Castrop-Rauxel werden Wanderungen für Kinder und Gruppen angeboten. (Archivbild) © Funke Foto Services GmbH | Olaf Fuhrmann

Grund 2: Preiswerter Leben als in anderen Regionen

Trotz Inflation bleibt das Ruhrgebiet im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland günstig – und das in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens. Das macht den Pott nicht nur für Studierende und Auszubildende attraktiv, sondern auch für Familien, die hier leben oder hinziehen möchten.

Zwar variieren die Mietpreise je nach Stadt und Stadtteil und sind in den letzten Jahren laut dem Institut der deutschen Wirtschaft deutlich gestiegen, während Wohnraum knapp bleibt. Dennoch liegen sie meist unter dem Niveau anderer Großstädte wie Düsseldorf.

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Grund 3: Vom Sternerestaurant bis zur Bude – Im Ruhrgebiet gibt’s was für alle

„Im Pott jeht nix über ‘ne ordentliche Currywurst“ – ein Spruch, den viele kennen. Doch das Ruhrgebiet hat kulinarisch weit mehr zu bieten als seine Wurstklassiker. Ob spanisch, ghanaisch oder polnisch – hier können Familien auf eine geschmackliche Weltreise gehen, vom gutbürgerlichen Imbiss bis zum angesagten Szene-Restaurant.

Hans Wurst in Winterberg.
Pommes, Currywurst und Döner gibt es im Ruhrgebiet an jeder Ecke – doch die Region hat kulinarisch noch viel mehr zu bieten. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Ralf Rottmann

Der kleine Hunger zwischendurch? An der nächsten Ecke wartet ein Kinderdöner. Der Sohn hat keine Lust mehr auf Fleisch? Kein Problem – in den meisten Restaurants stehen pflanzliche Alternativen auf der Karte. Und für Eltern, die beim Candle-Light-Dinner fein speisen möchten, gibt es gleich mehrere Sterne-Restaurants. Und wenn es am nächsten Morgen auf dem Sportplatz dann wieder schnell gehen muss, brutzeln die Pommes bereits in der Fritteuse und die Wurst auf dem Grill.

Grund 4: Kurze Distanzen im Ruhrgebiet – Alles ist „umme Ecke“

Wer schon einmal in einer anderen Region gewohnt hat, weiß: Oftmals braucht es zur nächsten Stadt eine Weile. Das ist im Ruhrgebiet anders: Die nächste Klein- oder Großstadt liegt gleich nebenan. Das verspricht Flexibilität. Wer wegen der Arbeit pendelt oder einen Ausflug in eine andere Ecke des Ruhrgebiets plant, fährt mit Auto oder Bahn oft nur wenige Minuten – natürlich abhängig von der Verkehrslage. Täglich ärgern sich Pendlerinnen und Pendler zwar über Stau und Verspätungen im Fernverkehr, immerhin gibt es aber zahlreiche Bahnen und Busse, um innerhalb einer Stadt und zwischen Städten zu reisen.

Öffentlicher Nahverkehr am Hauptbahnhof, der Schriftzug Essen in Europa am Essener Hauptbahnhof
Essen gehört laut IT.NRW zu den zehn Städten mit den höchsten Einpendelzahlen Deutschlands. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

Um kurze Wege zu haben, müssen Familien daher nicht direkt in der Stadt wohnen. Wer es ruhiger oder grüner haben möchte, zieht in einen Vorort. Freizeit- und Kulturangebot bleiben auch dann gut erreichbar. Und so schreibt eine Nutzerin auf Instagram: „Ich lebe gerne im Ruhrgebiet, man hat doch alles, Natur, Gastronomie und einkaufen kann ich auch.“

Grund 5: Auf Kinder ausgelegte Angebote – Endlose Möglichkeiten, die Freizeit zu verbringen

Ganz gleich, wo die Interessen liegen: Zu Hause sitzen, weil die Optionen zum Ausgehen fehlen, kann in der Region nicht passieren. Kultur, Kunst und Geschichte gibt es in zahlreichen Kinos, Theatern oder Museen im Ruhrpott, mit speziellem Programm für Kinder. Darunter: Kindershows im Planetarium Bochum, Kinderführungen und Mitmachaktionen im Deutschen Bergbaumuseum in Bochum und Familiensonntag an jedem ersten Wochenende im Monat im Dortmunder U mit Sonderführungen, Bastelworkshops, Rallyes und Theateraufführungen.

Bochum - Besuch im Planetarium
Das Planetarium Bochum ist ein Besuchermagnet – und bietet auch für die Kleinen spezielle Kindershows. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Es soll sportlicher zugehen? Dann gibt es für Familien eine große Wahl von Fußball auf dem Bolzplatz über Klettern im Kletterwald „tree2tree“ in Dortmund bis Austoben auf dem Lego Indoor-Spielplatz in Oberhausen. Mit der Ruhr.Topcard 2025 gibt es kostenfreien oder ermäßigten Zugang für über 150 Ausflugsziele.

Mehr Abenteuer gefällig? Der Alma Park in Gelsenkirchen ist laut eigenen Angaben Europas größter Indoor-Freizeitpark. Trampolinspringen, Lasertag, Escape-Rooms, Minigolf und Parkour gibt es in den ehemaligen Industriehallen. In Bottrop gibt es mit der Eloria Erlebnisfabrik stattdessen immersive Abenteuerwelten zwischen Escape-Rooms und interaktiven Theaterstücken mit speziellen Kindermissionen. Weiteres Highlight für Familien: der Ketteler Hof in Haltern am See. Ohne klassische Fahrgeschäfte setzt der Freizeitpark auf Attraktionen wie Kletteranlagen, Rutschen, Tretfahrzeuge, Trampoline und ein Wildgehege.

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Grund 6: Der Charme der Industriekultur

Stillgelegte Zechen, Hochöfen und Gasometer umfunktioniert zu Kulturstätten aller Art: Bergbau und Industrie sind zwar aus dem Ruhrgebiet verschwunden, doch ihre Spuren sind noch heute vorhanden: Bahntrassen wurden zu Radwegen und Wassertürme zu Museen. Durch die Mobilisierung ausgedienter Flächen ist Platz für Neues entstanden. Besonders Veranstaltungen auf den alten Industriegeländern haben ihren ganz eigenen Charme.

Die Route der Industriekultur verbindet Industriedenkmäler des Ruhrgebiets auf einer Strecke von 400 Kilometern. Eine der Stätten ist die Zeche Zollverein in Essen. Auf dem Gebiet der alten Kokerei und Zeche befinden sich mehrere Museen wie das Ruhr Museum und das Red Dot Design Museum, ein Schwimmbad im alten Überseecontainer, Restaurants, Geschäfte und im Winter eine Eislaufbahn.

Die Zeche Zollverein in Essen ist vielseitig: Von Museen bis Schwimmen gibt es für Besucherinnen und Besucher einiges zu erleben. (Archivbild)
Die Zeche Zollverein in Essen ist vielseitig: Von Museen bis Schwimmen gibt es für Besucherinnen und Besucher einiges zu erleben. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Ein weiteres Beispiel ist der Landschaftspark Duisburg Nord. Das stillgelegte Hüttenwerk funktioniert heute als ein riesiger Spielplatz für Erwachsene und Kinder: ein Hochseilgarten im Hochofen, ein Open-Air-Kino und eine Tauchstation im alten Gasometer.

Der Landschaftspark Duisburg Nord ist auch Ziel von Schulwandertagen. (Archivbild)
Der Landschaftspark Duisburg Nord ist auch Ziel von Schulwandertagen. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Grund 7: Zukunft der Kinder – Studieren mit Auswahl

Sollte das Kind irgendwann mal studieren wollen, hat es im Ruhrgebiet eine große Auswahl. Laut IT.NRW waren im Wintersemester 2024/25 rund 240.000 Studierende an 17 Hochschulen und fünf Universitäten eingeschrieben. Laut Metropole Ruhr hat die Region damit die dichteste Hochschullandschaft aller Metropolregionen in Deutschland – und die meisten Studierenden.

Von Cybersecurity über Jura, Wirtschaft und Nachhaltigkeit bis Kunst können rund 400 Studiengänge belegt werden. Um in dem auserwählten Bereich zu studieren, können Studienanfängerinnen und -anfänger also in der Nähe ihrer Heimat fündig werden.

Von insgesamt 22 Hochschulen im Ruhrgebiet können sich Studieninteressierte einen geeigneten Studiengang aussuchen. (Archivbild)
Von insgesamt 22 Hochschulen im Ruhrgebiet können sich Studieninteressierte einen geeigneten Studiengang aussuchen. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Svenja Hanusch

Grund 8: „Hömma, wat hasse jesacht?“

Beömmeln, Bömmsken, Blagen: Wer im Pott aufwächst, kommt am Ruhrdeutsch nicht vorbei. Zwischen Duisburg im Westen und Hamm im Osten heißt es „dat“ und „wat“, die Verkleinerungsformen enden auf „-ken“, wie in „Wüüastken“ (Würstchen), „hör mal“ wird auf „hömma“ gekürzt und das „r“ wird als „a“ ausgesprochen – aus Dortmund wird „Doatmund“.

Der Regiolekt ist längst nicht nur etwas für ältere Generationen. Auch die jüngeren Menschen sprechen ihn gerne. „Das Ruhrdeutsche ist hier eine Art Markenzeichen“, erklärte der Sprachwissenschaftler Philipp Cirkel von der TU Dortmund in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Dadurch werde sprachlich markiert, wo man herkommt – also ein Ausdruck der regionalen Identität.

>>> Lesen Sie auch: Warum sprechen die Ruhris so? Das Geheimnis unserer Sprache

Grund 9: Die Menschen und das Pläuschken umme Ecke

Den Menschen im Pott sagt man ihre direkte Redensart nach. Das war auch ein Grund für eine WAZ-Leserin nach einem Abstecher ins Sauerland mit ihrem Mann und zwei Kindern nach Recklinghausen zurückzukehren. „Die Menschen hier sind einfach einzigartig: herzlich, direkt, ehrlich und offen. Man muss keine Angst vor bösen Blicken haben, hier wird man so genommen, wie man ist. Genau das haben wir vermisst.“

Der Ruhrpott ist einfach Heimat. Hier kennt man sich, hält zusammen und sagt, was Sache ist. Und genau das macht unser Revier so besonders! Einmal Pott, immer Pott!

WAZ-Leserin aus Recklinghausen

Und weiter sagt die geborene Gelsenkirchenerin: „Der Ruhrpott ist einfach Heimat. Hier kennt man sich, hält zusammen und sagt, was Sache ist. Und genau das macht unser Revier so besonders! Einmal Pott, immer Pott!“

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