Der tödliche ICE-Einsatz in Minneapolis, bei dem der Krankenpfleger Alex Pretti von US-Bundesbeamten erschossen wurde, ist der Ausgangspunkt dieser „Markus-Lanz“-Sendung. Die Proteste in den USA, das internationale Medienecho, Donald Trumps teilweises Einlenken – all das liefert den Rahmen für eine Debatte über Migration, Gewalt und politische Verantwortung. Doch schnell wird klar: Dieser Abend dreht sich nicht nur um Inhalte, sondern auch um Macht im Gespräch.
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Elmar Theveßen berichtet über Eskalation der US-Abschiebepolitik
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen berichtet aus den USA über eine Eskalation der Abschiebepolitik – und deren Folgen. ICE-Agenten, so Theveßen, kontrollierten Menschen inzwischen „auf offener Straße“, hielten sie aufgrund ihres Aussehens an und trennten Familien.
In einem Fall sei ein fünfjähriger Junge von Beamten mitgenommen worden, „um andere Familienmitglieder aus dem Haus zu locken“, nachdem diese zuvor nicht angetroffen worden seien. „60 Prozent der 330.000 Festgenommenen aus den vergangenen zwölf Monaten haben keine Straftat begangen, leben legal im Land, arbeiten, zahlen Steuern“, sagt Theveßen. Die Zahl markiert einen zentralen Streitpunkt des Abends.
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„Dann macht es eben Puff“: ICE-Strukturprobleme als Erklärung für Gewalt
Armin Petschner-Multari, Politikberater und früherer Kommunikationsstratege der CSU, widerspricht. Beim Fall des Kindes habe er „den Eindruck, dass der Vater das Kind bewusst zurückgelassen hat“. Die Alternative sei gewesen, das Kind allein zurückzulassen. Markus Lanz setzt zu einer Nachfrage an, Petschner-Multari spricht weiter.

Er verweist auf strukturelle Ursachen: ICE habe seine Belegschaft binnen kurzer Zeit von rund 10.000 auf über 20.000 Beamte verdoppelt, die Ausbildung sei massiv verkürzt worden. „Dann macht es eben Puff“, sagt Petschner-Multari. Es träfen hochpolarisierte Communitys auf schlecht vorbereitete Einsatzkräfte.
Auch unter Barack Obama habe es eine harte Abschiebepolitik gegeben, argumentiert Theveßen, „aber auf der Basis von Fakten und rechtsstaatlichen Prinzipien“. Der Unterschied zur aktuellen Administration liege in der Sprache: Zuwanderer seien pauschal als Kriminelle diffamiert worden, Demonstranten als Extremisten. „Das bezog sich aber auf Verbrecher“, unterbricht Petschner-Multari. „Nein“, hält Theveßen dagegen, „es bezog sich ausdrücklich auf Migranten insgesamt.“ Und weiter: „Die Art und Weise, wie hier menschliches Leben rhetorisch abgewertet wurde, hat abgefärbt.“
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„Catch the worst of the worst“: ICE-Werbeclip verstärkt Debatte über Kriminalisierung
Ein eingespielter Werbeclip der Behörde unterstreicht das: „Catch the worst of the worst“. Lanz fasst zusammen, was suggeriert werde – Vergewaltiger, Gangmitglieder, Schwerkriminelle. „Das sind eben auch Illegale“, wirft Petschner-Multari ein. „Ein Großteil dieser Menschen ist nicht illegal im Land“, widerspricht Theveßen, „sondern hat ein laufendes Asylverfahren.“
Im zweiten Teil richtet sich der Blick nach Deutschland. Petschner-Multari verteidigt den Begriff der „Massenabschiebungen“, den er auch hierzulande für nachvollziehbar hält. Der Ausdruck klinge im Deutschen härter als im Englischen, „mass deportations“ sei dort geläufig. „Der ist jetzt geläufig im Amerika von Donald Trump“, entgegnet Lanz. „Ja“, sagt Petschner-Multari, ohne abzurücken.
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Innerparteilicher Konflikt in der Union wird sichtbar bei Markus Lanz
Roderich Kiesewetter widerspricht deutlich. Beide gehören zur Union, doch ihre politischen Zugänge könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Petschner-Multari auf Zuspitzung und Vollzug setzt, ordnet Kiesewetter Zahlen ein und widerspricht Pauschalisierungen.
Von rund 950.000 Syrerinnen und Syrern in Deutschland seien etwa 1.200 als Straftäter registriert, mehr als 90.000 hätten die deutsche Staatsbürgerschaft. Viele Zehntausend arbeiteten, darunter rund 70.000 Pflegekräfte und etwa 8.000 Ärztinnen und Ärzte. „Unsere Herausforderung ist Integration und Bildung“, sagt Kiesewetter.
Der innerparteiliche Riss wird besonders deutlich beim Thema AfD. Lanz fragt offen nach der Brandmauer. Kiesewetter bleibt eindeutig: „Die Brandmauer wird nicht fallen.“ Die gemeinsame Abstimmung mit der AfD vor einem Jahr bezeichnet er als „Riesenfehler“, der der Union geschadet, aber auch klärend gewirkt habe.
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Politikberater Armin Petschner-Multari relativiert Brandmauer zur AfD
Petschner-Multari spricht hingegen von „Zufallsmehrheiten“, vom Wählerwillen, der akzeptiert werden müsse, und von Szenarien, in denen sich eine Brandmauer-Debatte erübrigen könne, weil die AfD die absolute Mehrheit erhielte – oder die CDU in die Opposition ginge und die AfD dann Regierungsverantwortung tragen müsse. Auf die direkte Frage, ob er mit der AfD kooperieren würde, antwortet er: „tendenziell eher nein“ – „Tendenziell?“ wiederholt Lanz.
Sabine Rennefanz bringt an mehreren Stellen analytische Gegenakzente ein – etwa, wenn sie davor warnt, reale Probleme mit zugespitzten Angstbildern zu vermengen oder strukturelle Ursachen für Wahlerfolge der AfD benennt. Doch ihre Beiträge bleiben kurz. Nicht, weil sie unklar wären, sondern weil Petschner-Multari regelmäßig dazwischengeht, Themen verschiebt und den Gesprächsraum an sich zieht.
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Fazit: Markus Lanz greift nicht konsequent genug ein
Markus Lanz widerspricht Petschner-Multari wiederholt, hakt nach, markiert Grenzen – greift aber nicht konsequent ein, wenn dieser andere unterbricht oder längere Monologe entwickelt. Auffällig ist, dass Lanz sich immer dann an Elmar Theveßen wendet, wenn die Argumentation ins Rutschen gerät. Der ZDF-Korrespondent wird zum Referenzpunkt, der ordnet, korrigiert und die Debatte zurück auf eine faktische Ebene zieht.
So zeigt der Abend weniger neue Erkenntnisse als eine bekannte Dynamik: Ein Gast, der sich selbst gern reden hört, bestimmt über weite Strecken Tempo und Ton. Eine Frau, die kaum zu Wort kommt. Ein Moderator, der widerspricht, aber nicht durchgreifend strukturiert. Und eine Debatte, in der Zuspitzung Raum gewinnt, während Einordnung um Aufmerksamkeit kämpfen muss.







