In der Einfahrt steht er, schwarz lackiert und mit offenem Dach. Der Motorraum ist offen und von innen in einem knalligen Rot lackiert: Der Ford Hot Rod, Modell A, ist Oliver Ehms ganzer Stolz. Obwohl, vielleicht nicht ganz. Denn in seinem Hobbyraum hat Ehm noch eine ganze Sammlung an weiteren Schätzen. Hier stehen neben dem fast 100‑jährigen Fahrzeug noch 30 weitere Autos – jedoch in Miniatur und mit (D‑Mark-)Münzeinwurf. Der Kamp-Lintforter sammelt Autoscooter.

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„Ich möchte alle Modelle von deutschen Herstellern in den 60er und 70er Jahren besitzen“, gibt Ehm zu Protokoll. Und der 38-Jährige ist schon fleißig dabei: ein pinkfarbener Käfer der Marke Fleischhauer, ein Ihle-Mini in blau glitzernd, ein Ihle-Galaxia rot wie ein Feuerwehrauto. „Wenn ich einen kaufe, ist es mein erstes Ziel, dass er fährt. Das Optische kommt später“, beschreibt Ehm. Seine Schätze stehen alle fein säuberlich aufgereiht und wirken beinahe poliert, so, wie der Lack bei manchen noch immer glänzt. Hinten verstecken sich die Modelle, bei denen noch etwas geschraubt werden muss.

Oliver Ehm sammelt - Autoscooter
Scheinwerfer, Karosserien, Motoren: In Oliver Ehms Hobbyraum stapeln sich die Einzelteile der Autoscooter.© FUNKE Foto Services | Olaf Fuhrmann

Seine Frau kommt mit den Kindern Hollie und Henno aus dem Haus. Die 5-Jährige und der 2‑Jährige haben mitbekommen, dass ihr Vater den Hobbyraum geöffnet hat, und lassen sich die Chance auf eine Spritztour nicht entgehen. Auf die Frage, was seine Frau von dem Hobby hält, schaut sie sich lachend im Hobbyraum um: „Eine Briefmarkensammlung wäre platzsparender gewesen“, scherzt sie. Doch auch sie lässt sich von ihrem Sohn dazu hinreißen, jetzt schnell eine Tour mit einem der Scooter über den Hof zu fahren.

Kinder lernen das Autoscooter-Fahren schon früh

Und auch Tochter Hollie scheint die Liebe für Autos von ihrem Vater geerbt zu haben. Oliver Ehm erzählt stolz: „Ich fahre mit den Kindern auch mal über die Landwege zum Bauern, Eier holen oder Brot beim Bäcker kaufen.“ Auf seinem Smartphone zeigt er Videos von sich und seiner Tochter, wie die beiden in den Autoscootern auf einem Feldweg fahren. Auf einem der Videos ist Hollie etwa zweieinhalb Jahre alt. Ehm hat die Kamera auf ihren kleinen Fuß gerichtet, mit dem sie sicher das „Gaspedal“ des Autoscooters bedient und ganz alleine fährt. Es kann geahnt werden, dass sie später für den Führerschein nicht allzu viele Fahrstunden benötigt.

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Wie kommt man an so ein Hobby? Oliver Ehm erzählt: „2018 gab es in Moers einen Burgerladen, bei dem wir Gast waren. Der Inhaber hatte einen großen Autoscooter bei sich stehen. Und weil ich ohnehin schon Kleinanzeigen-süchtig bin, habe ich mir auch einen gesucht und gekauft. An meinem 30. Geburtstag sind dann alle Gäste damit durch die Gegend gefahren“, erinnert er sich grinsend. „Als mir die App dann immer mehr Anzeigen von Autoscootern vorgeschlagen hat, hat sich der Rest erledigt“, gibt er lachend zu. Je nach Modell und Zustand kann ein Scooter bis zu 500 Euro kosten, aber „man kann da schon mal einen Schnapper machen“, sagt der 38‑Jährige. „Ich kaufe dafür keine teuren Klamotten.“

Inzwischen sammelt er nicht nur Autoscooter von Schaustellern und Freizeitparks aus ganz Deutschland, sondern auch alles, was damit zusammenhängt. Postkarten, Prospekte und Baupläne. „Liebe Grüße an Mama und Papa!“ steht auf einer Postkarte geschrieben. Spuren von schönen Ferientagen, die Kinder vor etwa 50 Jahren schon mit den Autoscootern verbracht haben. Auf einer anderen zeigt Ehm mit dem Finger auf einen kleinen grünen Autoscooter im Hintergrund. „Ich glaube, dass ich genau diesen Autoscooter, der hier abgebildet ist, gekauft habe“, schätzt er. Er hat das kleine grüne Auto ganz in der Nähe des Freizeitparks erworben, von wo die Karte stammt.

Die Postkarten zeugen von schönen Ferientagen auf den Autoscootern.
Die Postkarten zeugen von schönen Ferientagen auf den Autoscootern.© Helena Wagner

Doch sein Sammlerherz hört nicht bei den kleinen Autos auf. An der Wand seines Hobbyraumes hängt eine Vitrine, gebaut aus einem alten Kühler. In ihr sind kleine Modell-Hot-Rods aufgereiht. Der Ford Modell A aus dem Jahre 1929 hat es ihm angetan. „Ein traditioneller Highschool-Hot-Rod“, sagt er stolz. Angefangen hat alles mit einem alten Sachbuch über die Hot Rods, geschrieben von Vern Tardel. „Ich wollte ein Auto haben, genauso wie es früher war. Ich finde, die Geschichte dahinter ist das Schöne und Interessante dabei“, schwärmt Oliver Ehm.

Wunsch-Oldtimer wird Wirklichkeit: Ehm kauft Vern Tardels Ford

Die Augen des 38-Jährigen fangen an zu leuchten, wenn er darüber erzählt. Als sich bei einem Treffen aus der Hot-Rod-Szene dann die Chance ergibt, genau den Ford des Autors Vern Tardel zu erstehen, über den Ehm in dem Buch gelesen hatte, setzt er alle Hebel in Bewegung. Er verkauft sogar eines seiner anderen Autos, um den Oldtimer zu kaufen.

Oliver Ehm sammelt Oldtimer, Youngtimer und alte Kinder-Autoscooter
Den Ford Modell A nutzt Oliver Ehm gerne im Sommer für kleinere Strecken.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

So eine Leidenschaft lässt sich schwer beschreiben. „Sobald sich etwas ohne Muskelkraft bewegt, bin ich fasziniert.“ Das zeigt sich auch in seiner Berufswahl. Er ist seit 2010 Kfz-Meister und inzwischen auch Kfz‑Sachverständiger. „Ich bin schon ein Leben lang auto-infiziert, und jetzt darf ich das auch noch beruflich machen“, freut sich der Vater von zwei Kindern. 

Autoscooter zum Mieten

Seit gut einem Jahr vermietet Oliver Ehm seine Flitzer mitsamt mobiler Fahrbahn für Kindergeburtstage, Firmenfeste oder andere Veranstaltungen. Die Mindestbreite für die Fahrfläche liegt bei vier Metern. Auf Oliver Ehms Website www.ehm-kfz.de informiert er über die Vermietung. Die Angebote für die Bahn erstellt Ehm auf Anfrage. Zu erreichen ist er unter der Tel. 0174 6151045 oder der E‑Mail-Adresse oliver@ehm-kfz.de

Neben dem Hot Rod steht eine weitere Perle des Kfz‑Meisters: ein blauer VW-Bus aus dem Jahr 1988. „Der ist so alt wie ich. Ich habe ihn schon seit 2013.“ Im Hobbyraum versteckt sich außerdem noch eine Chevrolet Chevelle aus dem Jahr 1970, an der Ehm gerade tüchtig schraubt. Auch darum kümmert er sich fast ausschließlich selbst. Ein Bastler eben, egal ob bei kleinen oder großen Autos.