Coco schaut erwartungsvoll über das Gatter. „Sie ist schon ganz aufgeregt, weil sie weiß, dass es gleich losgeht“, sagt Brigitte Krebber-van Betteray. Die vier weißen Esel vom Klappboomshof in Sonsbeck stehen schon in ihren Startlöchern. Nachdem sie ein fremdes Gesicht erblickt haben, scheinen sie sicher zu sein, dass sie sich in wenigen Minuten die Hufen vertreten dürfen. Und so wird es auch sein! Brigitte Krebber-van Betteray und ihr Mann Johannes van Betteray warten schon am Stall. Seit 2021 bieten sie auf ihrem Hof regelmäßig Eselwanderungen mit Coco, Milky Way, Beate und Bruno an.

Bevor der Spaziergang startet, müssen die Esel aber erst einmal ausgehfein gemacht werden. „Wir starten immer mit dem Striegeln der Tiere. So können sich Mensch und Esel schon mal kennenlernen“, sagt Krebber-van Betteray. Milky Way hat keine Berührungsängste. Sie streckt ihren Kopf freundlich entgegen und lässt ihr weiches Fell streicheln – auch ohne Bürste.

Besuch auf dem Klappboomshof. Dort werden auch Wanderungen mit weißen Eseln angeboten.
Johannes van Betteray und Brigitte Krebber-van Betteray schauen ihren vier weißen Eseln beim Grasen zu.© FUNKE Foto Services | Rainer Hoheisel

Den Klappboomshof führen die van Betterays in der sechsten Generation. „Das erste Mal wird der Hof 1735 erwähnt“, sagt Brigitte Krebber-van Betteray fast ein wenig stolz. „Wir hatten zuletzt einen Betrieb mit Schweinen“, fügt Johannes van Betteray gleich hinzu. „2021 haben wir dann entschieden, die Tierhaltung aufzugeben. Wir waren damals an einem Punkt, an dem wir den Hof hätten umbauen müssen. Unsere Kinder machen etwas ganz anderes und es war klar, dass sie den Hof nicht übernehmen werden.“ Also musste eine neue Idee her. Zwei Esel lebten zu diesem Zeitpunkt bereits bei der Familie: Beate und Bruno. „Ich bin dann auf die Idee gekommen, Eselwanderungen anzubieten“, sagt Brigitte Krebber-van Betteray. „Die Esel waren ja eh schon da. Da habe ich gedacht, lass sie mal machen“, sagt ihr Mann und lacht.

Zur Eselwanderung nehmen die Besucher weite Wege auf sich

Und der Plan ging auf. „Wir haben jetzt sehr viel Kontakt zu Menschen“, sagt Johannes van Betteray. „Die Leute kommen aus den großen Städten wie Düsseldorf oder Köln – oder aus dem Ruhrpott. Es sind sogar schon Leute aus Attendorn gekommen.“ Und derzeit sind Susanne Korth und Ansgar Lerner aus Limbourg in Belgien zu Besuch auf dem Hof. Auch sie testen heute einmal das Wandern mit Eseln.

Besuch auf dem Klappboomshof. Dort werden auch Wanderungen mit weißen Eseln angeboten.
Beate (vorne) ist eine besonders fotogene Eselin.© FUNKE Foto Services | Rainer Hoheisel

Brigitte Krebber-van Betteray öffnet das Gatter. Endlich geht es los für die vier weißen Esel. Die laufen vergnügt los. Ausnahmsweise mal alle vier, denn normalerweise werden immer nur zwei von ihnen für eine Wanderung ausgewählt. „Das Seil nicht um die Hand wickeln, sondern locker halten“, erklärt Brigitte Krebber-van Betteray direkt. „Und dann neben dem Esel laufen. Die können auch mal austreten.“ Gar nicht so einfach, denn Milky Way hat ein paar Meter weiter frisches, saftiges, grünes Gras gesichtet und zieht schnurstracks in die Richtung. Milky Way! Und schon schmatzt die weiße Eselin genüsslich. „Für die Esel ist Gras wie Schokolade“, sagt Krebber-van Betteray und lacht.

Der Klappboomshof in Sonsbeck

Der Klappboomshof, Stadtveenerstraße 54, in Sonsbeck bietet die Eselwanderungen von donnerstags bis samstags an. Zwei Stunden mit Eseln wandern kostet für zwei Personen 110 Euro. Für jede weitere Person berechnet Familie van Betteray 25 Euro. Wer eine weitere Anfahrt hat oder einfach die Ruhe auf dem Hof genießen will, kann dort auch im Tiny Haus übernachten oder seinen Camper dort parken. Weitere Informationen rund um den Hof gibt es unter www.klappboomshof.de

Alle vier Esel kauen auf den frischen Grashalmen, wenige Meter entfernt von ihrem Gatter. Was um sie herum passiert, scheint ihnen egal zu sein. Brigitte Krebber-van Betteray holt währenddessen ein paar Esel-Leckerchen. Aber auch die scheinen die Tiere nicht gegen das frische Gras eintauschen zu wollen. „Wenn wir unterwegs sind, erkläre ich gerne auch etwas zum Getreide und was hier sonst noch wächst“, sagt Brigitte Krebber-van Betteray. „Viele Leute aus der Stadt kennen sich gar nicht aus“, sagt ihr Mann. „Letztens hat uns jemand gefragt, ob das Mais ist, was da wächst“, er zeigt auf das blühende Rapsfeld und lacht. „Wir haben in dem Feld übrigens auch einen Weg für unsere Wanderungen vorbereitet.“

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Die Esel haben genug genascht. Jetzt geht‘s ins Rapsfeld. Es riecht etwas nach Kohl. „Ja, das stimmt“, sagt Johannes van Betteray. „Raps ist eine Kohlpflanze.“ Die Esel laufen entspannt durchs Feld. Neben ihnen die Gäste aus Limbourg, denen der Spaziergang offenbar viel Spaß macht. Die Länge der Wanderungen passen die van Betterays den Wünschen der Besucher an. Auch Menschen mit Einschränkungen und Kinder, die noch nicht so gut zu Fuß unterwegs sind, können mitgehen. „Bei uns geht es nicht um Kilometer“, betont Birgitte Krebber-van Betteray. Aber wer eine normale Wanderung bei den beiden bucht und keine körperlichen Einschränkungen hat, kann sich auf einen entspannten Spaziergang von rund vier Kilometern einstellen.

Klare Ansagen sind wichtig für die weißen Esel

Die Esel stapfen durch das Rapsfeld. „Es ist wichtig, dass man bei den Tieren klare Ansagen macht“, sagt Johannes van Betteray. „Man muss sich durchsetzen können und klar kommunizieren.“ Und wie ist das mit dem Klischee des sturen Esels? „Die sind nicht stur“, erklärt der Landwirt. „Sie sind nur selbstbewusst.“ Mittlerweile stehen die Esel wieder versammelt auf der Wiese unweit ihres Geheges. Das Gras ist immer noch sehr interessant für die Tiere und sie knabbern drauf los.

Besuch auf dem Klappboomshof. Dort werden auch Wanderungen mit weißen Eseln angeboten.
Erfrischung auf der alten Kutsche: Ansgar Lerner und Susanne Korth freuen sich nach der Wanderung über ein kühles Getränk von Brigitte Krebber-van Betteray.© FUNKE Foto Services | Rainer Hoheisel

Auf der Wiese steht auch eine alte Kutsche. „Auf der nehmen unsere Gäste Platz und dürfen dann ein paar Fragen zu Eseln beantworten“, sagt Brigitte Krebber-van Betteray. Ansgar Lerner und Susanne Korth klettern auf die Kutsche. „Ich habe erst einmal einen regionalen Apfelsaft für euch und auch etwas Sprudel. Außerdem gibt es Eselsplätzchen“, sagte Brigitte Krebber-van Betteray, während sie den beiden Gläsern aus ihrem Korb anreicht. Die beiden Gäste studieren die Fragen. „Wie schlafen Esel?“, liest Lerner vor. Die beiden überlegen. Bei ihrer kleinen Tour ist keiner der Esel eingeschlafen. Und wie schlafen sie? Eigentlich im Stehen, aber manchmal legen sie sich auch auf die Seite.

Nach dem Quiz gibt es für alle Gäste eine Belohnung. „Bruno, unser Goldesel, hat etwas für euch vorbereitet“, sagt sie und überreicht den beiden Besuchern als Belgien eine Goldmünze, gefüllt mit Schokolade. Beide freuen sich. „Das Wandern mit den Eseln gibt einem ein ruhiges Gefühl“, sagt Susanne Korth. „Es ist wirklich so, dass zum Ende der Wanderung Mensch und Esel zu einem Team werden und im Gleichschritt laufen“, erklärt Johannes van Betteray zufrieden. Die Esel grasen noch ein wenig. Nach dem Hufmarsch haben sie sich ein bisschen Naschen verdient.