Zusammenfassung

  • Heimische Wildblumen sind besonders robust und eine ideale Nahrungsquelle für Tiere.
  • Doch nur wenige Gärtnereien verkaufen heimische Pflanzen. Das gefährdet die Artenvielfalt.
  • Welche Pflanzen die richtigen für NRW-Gärten sind und wie Hobbygärtner an sie rankommen: Ein Überblick.

Bunt, leuchtend, schön anzusehen: Blumen machen gute Laune und werten Garten und Balkon auf. Das Angebot in den hiesigen Gärtnereien ist vielfältig, was aber viele nicht wissen: Nur wenige der Pflanzen, die hier zum Verkauf stehen, sind tatsächlich in Deutschland oder Europa heimisch – meist stammen sie aus Südamerika, Asien oder Afrika. Darunter auch viele beliebte Zierblumen.

Donnerstags

Die besten Rezepte: der EAT CLUB Newsletter!

Es erwarten Sie jede Woche die feinsten Rezepte und kurzangebratene News aus der Foodwelt.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Das aber ist ein Problem: denn invasive Pflanzen, also jene, die ursprünglich nicht aus Europa kommen, bieten für heimische Insekten kaum Nahrung. Und gibt es weniger Insekten, bedeutet das auch, dass Vögel und Igel im Garten kaum noch Nahrung finden.

Nicht bienenfreundlich: Was ist ein Neophyt?

Bei invasiven Pflanzenarten spricht man auch von „Neophyten“. Sie bezeichnen Pflanzen, die ursprünglich nicht aus Deutschland kommen, aber heimische Pflanzenarten verdrängen und so Folgeschäden vor allem für die Artenvielfalt verursachen. Eine Übersicht über (potenziell) invasive Arten hat der Verein Naturgarten erstellt.

Zu den Neophyten gehören zum Beispiel Gewöhnlicher Flieder, Pontischer Rhododendron, aber auch Dahlien und Hortensien. Das macht sie nicht zwingend problematisch – schädlich sind Neophyten vor allem dann, wenn sie sich unkontrolliert und schnell ausbreiten – Paradebeispiel für einen schädlichen Neophyt ist der Riesen-Bärenklau.

Schon gewusst? Auch viele Nahrungsmittel wie Walnüsse, Kartoffeln und Tomaten sind Neophyten – stellen aber keine Gefahr für die Natur dar.

Dahlie
Die Dahlie ist als Zierblume besonders beliebt. Heimisch ist sie aber eigentlich in den Hochebenen zwischen Mexikos und Kolumbien. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Kerstin Bögeholz

Für die Artenvielfalt: Was sind die besten Gartenpflanzen in NRW?

Die Lösung: Heimische Wildblumen und -stauden. Die sind ebenso schön anzusehen wie Zierblumen, sorgen aber dafür, dass Insekten, vor allem Bienen und Hummeln, im Sommer ausreichend Nahrung finden. „Heimische Tiere profitieren von heimischen Pflanzen“, fasst der Naturschutzstation Niederrhein des Naturschutzbunds (NABU). zusammen. Heimische Pflanzen bieten aber noch mehr Vorteile: Sie sind robust und anpassungsfähig und damit auch in Zeiten des Klimawandels ideal für Garten und Balkon.

Zwar haben viele Gärtnereien mittlerweile erkannt, dass Hobbygärtner die Insektenvielfalt im eigenen Garten unterstützen wollen. Schilder mit „bienenfreundlich“ zieren Blumentöpfe, für wenig Geld bekommen Käufer Wildblumenmischungen oder Samen für „Schmetterlingswiesen“ – oder einjährige „Nützlingswiesen“. Die BUND Kreisgruppe Bochum kritisiert: „Einjährige Wiesen? Da geht so einiges durcheinander.“ Denn Wildstauden sind in der Regel mehrjährig. Zudem zieren die Samentüten meist Blumen, die mit heimisch nur wenig zu tun haben.

Auch interessant

Der Natur etwas Gutes zu tun scheint also gar nicht so einfach. „Aber mit ein klein wenig Zeitaufwand in Recherche und einigen praktischen Tipps bekommt man einen Garten hin, in dem man nicht nur Honigbienen und Tagpfauenaugen zu Gesicht bekommt“, so der BUND. Das heiße aber nicht, dass sofort alle exotische Liebhaberpflanzen aus Gärten und von Balkonen verbannt werden müssen.

Viele davon seien durchaus auch attraktiv für Insekten, wie etwa der Rote Sonnenhut, Kugel-Disteln oder der Schmetterlingsstrauch. Zudem seien sie immer noch besser als sterile Kiesbetten oder Lebensbaumhecken. 

Was sind heimische Wildstauden?

Was aber sind denn nun die richtigen Pflanzen für den Garten? Zu den bekanntesten gehören wohl die Wiesen-Margerite, die Rundblättrige Glockenblume oder die Kartäuser-Nelke. Der Naturschutzstation Niederrhein hebt außerdem die Wiesen-Flockenblume als besonders starken Insektenmagneten hervor: An ihr seien schon mehr als 50 Schmetterlingsarten und fast 40 Wildbienenarten beobachtet worden.

Aber: Wildblume ist nicht gleich Wildblume. Auch in Deutschland sind sie an gewisse Standorte angepasst. An der Nordsee wachsen zum Beispiel andere Pflanzen als im Süden Bayerns. Das sollte beim Kauf von Samen oder Stauden unbedingt beachtet werden.

Auch interessant

Die Webseite der Kampagne „Tausende Gärten – Tausende Arten“ (TGTA) der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft macht die Recherche aber einfach: Hier sind diverse heimische Pflanzen gelistet und in Kategorien eingeteilt – darunter Schattenliebhaber und Hitzehelden. Hobbygärtner können außerdem direkt nach Region filtern – also Nord-, Ost-, Süd- und Westdeutschland –, um die richtigen Pflanzen für ihren Garten zu finden.

Je nach Wohnort eignet sich NRW besonders gut für heimische Pflanzen aus dem Norden und dem Westen Deutschlands. Essen, Duisburg und Bottrop sind beispielsweise besonders gut für „nördliche“ Wildstauden, Velbert, Hagen und Wuppertal für „westliche“ Pflanzen geeignet.

Wildstauden locken Bienen und Hummeln in den Garten
Heimische Stauden stellen für Insekten, insbesondere Bienen und Hummeln, eine wichtige Nahrungsquelle dar. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Kim Kanert

Eine Auswahl an heimischen Wildstauden und ihre Standorte:

  • Gewöhnliche Schafgarbe (Nord, Ost, Süd, West)
  • Kriechender Günsel (Süd)
  • Wilde Engelwurz (Nord, Ost, Süd, West)
  • Färber-Hundskamille (Nord, Ost, Süd)
  • Gewöhnliche Akelei (Süd)
  • Ausdauerndes Gänseblümchen (Nord, Ost, Süd, West)
  • Berg-Aster (Ost, Süd, West)
  • Heide-Nelke (Nord, Ost, Süd, West)
  • Hufeisenklee (Süd)
  • Johanniskraut (Nord, Ost, Süd, West)
  • Wasser-Schwertlilie (Ost, Süd, West)
  • Hornklee (Nord, Ost, Süd, West)
  • Kräuter wie Oregano (Nord, Ost, Süd, West), Ross-Minze (Süd), Wiesen-Salbei, Thymian und Baldrian (alle drei Nord, Ost, Süd, West)
  • Diverse Glockenblumen, wie etwa die Rundblättrige, die Nesselblättrige (beide Nord, Ost, Süd, West) oder die Acker-Glockenblume (Ost, Süd, West)
Vögel im Garten
Insekten im Garten locken auch heimische Vögel an. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Volker Speckenwirth

Bienenfreundliche Stauden: Wo kann man Wildblumen aus NRW kaufen?

Mit der „Grünen Landkarte“ bietet TGTA einen weiteren Service: eine Übersicht über Verkaufsstellen, an denen Saatgutmischungen oder Wildstauden zu erwerben sind. Gärtnereien, die auf heimische Blumen und Sträucher spezialisiert sind, gibt es in NRW allerdings nur wenige. In Sprockhövel gibt es das „Mencke Gartencenter“, in Oberhausen versorgt „Gartenwert Staudenkulturen Wischmann“ mit den richtigen Gartenpflanzen.

Mehr zum Thema Garten und Balkon

Pflanzen online kaufen

Von TGTA zertifizierte Stauden und Saatgutmischungen gibt es aber auch online: auf wildblumenwelt.de, naturgartenshop.de, templiner-krauetergarten.de, samenhaus.de, manufactum.de oder wildblueten.de. Weitere Shops finden Interessierte auf der TGTA-Webseite.

Wann soll man Wildstauden in NRW pflanzen?

Bleibt noch eine Frage: Wann ist die richtige Zeit zum Säen und Pflanzen? Laut BUND ist Spätsommer / Herbst der beste Zeitpunkt, denn dann können die Pflanzen über den Winter gut Wurzeln bilden und müssen somit im Frühling kaum noch gegossen werden – sofern keine Dürre vorherrscht. Der NABU empfiehlt zum Einpflanzen den Zeitraum zwischen März und Mai – „dann bleibt noch genug Zeit, das Ergebnis zu bewundern“. Kurz: beide Zeitpunkte haben ihre Vorteile.

Auch interessant

Der NABU empfiehlt für ein harmonisches Ergebnis, etwas Planung in das Wildstaudenbeet zu stecken. Zunächst sollte der Boden aufgelockert und von Unkraut befreit werden. Große Leitstauden wie Rittersporn sollten vereinzelt gesetzt werden, während Begleit- und flächendeckende Stauden wie Schafgarbe oder Sternmoos gut in Gruppen gepflanzt werden können.

Das Praktische: So ein Beet benötigt kaum Pflege. Wildstauden sind mehrjährig, kommen also jedes Jahr wieder. Es reicht, die Pflanzen erst im Frühjahr zurückzuschneiden, damit Insekten im Winter Unterschlupf und Vögel Nahrung haben. „So ist Naturschutz leicht und schön“, schreibt der NABU.

+++ Die Digitale Sonntagszeitung ist für alle Zeitungsabonnenten kostenfrei. Hier können Sie sich freischalten lassen. Sie sind noch kein Abonnent? Hier geht es zu unseren Angeboten. +++