Zusammenfassung
- Rund 44 Prozent der Tier- und Pflanzenarten in Nordrhein-Westfalen sind gefährdet, doch einige ehemals ausgestorbene Wildtierarten wie Uhu, Fischotter und Wolf kehren zurück.
- Die Rückkehr des Bibers sorgt für Diskussionen, da seine Dämme den Grundwasserspiegel erhöhen und Konflikte mit der Landwirtschaft verursachen.
- Artenschutzprojekte zeigen Erfolge, aber Herausforderungen bleiben, wie die geringe Population des Luchses und die umstrittene Haltung der Wisent-Herde im Rothaargebirge.
Rund 44 Prozent der Tier- und Pflanzenarten gelten derzeit in Nordrhein-Westfalen als gefährdet. Das Land habe historisch einen erheblichen Artenverlust erlitten durch den Ausbau von Städten, industrielle Entwicklung und intensive Landnutzung, so das NRW-Umweltministerium. Doch einige Wildtierarten, die als ausgestorben galten, sind wieder zurückgekehrt.
Wölfe und Biber: Rückkehr der Wildtiere in NRW
Seit einigen Jahren werden immer wieder Wölfe in NRW gesichtet. Während Landwirte sich sorgen, freuen sich Tierschützer über die Rückkehr des Tiers. Und in letzter Zeit feiert der Artenschutz noch einen weiteren besonderen Erfolg: Der Biber breitet sich in NRW wieder aus. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Tier hierzulande ausgerottet – es wurde zum Opfer vieler Jäger. Dank Arten- und Naturschutz ist er jetzt wieder zurückgekehrt, siedelt sich am Niederrhein, in der Nordeifel, teilweise auch an Lippe und Ruhr an.
„Eine Erfolgsgeschichte“, findet auch das Umweltministerium des Landes. Und trotzdem entfacht das Comeback des unter Naturschutz stehenden Nagers eine Diskussion, die wir schon vom Wolf kennen: Erschießen oder nicht?
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Denn die geschätzten 1500 bis 2000 Biber bereiten Waldbauern und Deichverbänden Sorgen. Die Biberdämme führen zu einem höheren Grundwasserspiegel, der wiederum umliegende Bäume absterben lasse und zu Konflikten mit der Landwirtschaft führen könne. Das Land NRW arbeitet daher an einem Bibermanagement – ein entsprechender Leitfaden soll im Frühjahr erscheinen.
Grundsätzlich ist die Rückkehr des Bibers aber eine Bereicherung für das Ökosystem und die heimische Artenvielfalt, finden Forscher und Umweltschützer. Ebenso wie das Comeback der anderen Wildtiere, die sich in den vergangenen Jahren ihren Lebensraum in NRW zurückerobert haben.

Biber, Wolf, Wildkatze: Immer mehr Wildtiere in NRW
Dazu gehört zum Beispiel die Europäische Wildkatze. Schon vor 300.000 Jahren durchstreifte die scheue Jägerin unsere Wälder, bis vor etwa 150 Jahren war sie auch noch in ganz Deutschland verbreitet. Vor rund 100 Jahren wurde sie dann aus ihren natürlichen Lebensräumen verdrängt und beinahe ausgerottet. Denn sie hatte einen besonders schlechten Ruf und galt vor allem unter Jägern als „Jagdverderber“, der „Hirschkälbchen würgt“.
Das sorgte dafür, dass in NRW nur einzelne kleine Populationen in der Eifel überlebten. Hier befindet sich auch heute noch das größte Verbreitungsgebiet der Tiere – schätzungsweise 500 bis 1000 Wildkatzen leben hier. Das ist immer noch wenig, aber immerhin hat der leicht gestiegene Bestand dafür gesorgt, dass die Wildkatze vereinzelt in andere Waldgebiete zurückgekehrt ist, wie zum Beispiel vor einigen Jahren in die Wälder von Hagen. Ein gutes Zeichen, denn sie gilt als Indikator für naturnahe Wälder.
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Sorgt immer wieder für Diskussionen: Der Wolf
Auch der Wolf galt in NRW lange als ausgestorben – fast 180 Jahre. 2018 ist er wieder zurückgekehrt, seitdem gibt es regelmäßig Meldungen über neue Sichtungen. Mittlerweile gibt es sechs Wolfsterritorien in NRW, zu einem davon gehören auch Teile Oberhausens, Duisburgs und Bottrops.
Die geschützte Tierart gilt als „Gesundheitspolizei“ des Waldes: Der Wolf frisst kranke und schwache Tiere und hält somit den Bestand anderer Wildtiere gesund, erklärt der NABU. Weil Wölfe aber in den vergangenen Jahren auch Weidetiere gerissen haben, hat die EU den Schutzstatus des Tiers im vergangenen Jahr herabgesetzt – damit „auffällige Wölfe schneller und unbürokratischer abgeschossen werden können“. Die Jagd auf Wölfe ist jedoch weiterhin eine Straftat.

Artenschutz: Der Fischotter hat es in NRW nicht leicht
Auch der Fischotter ist nach 50 Jahren Abwesenheit zurückgekehrt, wenn auch nur vereinzelt. Eine Kombination aus Gewässerausbau, Gewässerverschmutzung und Jagd führte dazu, dass er in NRW ausgerottet wurde. Im Jahr 2015 wurde der Bestand vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) auf 20 bis 50 Tiere geschätzt – aktuellere Zahlen gibt es von offizieller Seite nicht.
Die nachtaktiven Schwimmer siedeln sich nur da an, wo ausreichend Platz und Futter vorhanden ist – das verlangsamt die Wiederansiedlung deutlich, obwohl eigentlich ganz NRW Fischottergebiet ist. Aktuell werden hauptsächlich im Münsterland kleine Populationen beobachtet, die vermutlich aus Niedersachsen und den Niederlanden dorthin gekommen sind. Im vergangenen Jahr wurde hier sogar erstmals Nachwuchs auf Kamera festgehalten.
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Wildtiere in NRW: Nicht immer gelingt eine Wiederansiedlung
Aber nicht immer schaffen es heimische Wildtiere, sich ihren Lebensraum wieder zurückzuerobern. Ein Beispiel dafür ist der Luchs: Zwischen den 1970ern und 2018 wurden immer wieder vereinzelt Tiere in NRW gesichtet – vermutlich stammten sie aus Artenschutzprojekten aus Nachbarländern. Eine selbstständige Wiederansiedlung hierzulande sei aber unwahrscheinlich, so der BUND. So gab es 2019 deutschlandweit nur 85 Luchse, lange nicht ausreichend für eine stabile Population. Forscher gehen außerdem davon aus, dass 15 bis 20 Prozent der Tiere illegal erschossen oder vergiftet werden.

Schwer hat es auch der im Mittelalter ausgerottete Wisent. Ein aufsehenerregendes Projekt, bei dem eine Wisent-Herde frei im Rothaargebirge umherstreift, gab es zwischen 2013 und 2022. Seit Anfang 2024 sind die rund 40 Tiere aber in einem Gehege eingesperrt, denn Forstbesitzer klagten über beschädigte Bäume und das Projekt wurde beendet. Tierschützer fordern die Freilassung der Tiere – wie es mit den Wisenten weitergeht, ist zum aktuellen Zeitpunkt aber noch unklar.




