„Ich habe so Schiss!“ Diese Nachricht blinkt am Freitagabend auf meinem Handy auf. Meine beste Freundin Antonia und ich haben am Samstag nämlich Großes vor: Wir laufen sechs Kilometer beim Mud-Masters-Rennen am Flughafen in Weeze. Und ich muss zugeben: Keine 24 Stunden vor dem Start geht es mir ähnlich wie ihr.

Seit 2014 findet der absurde Hindernislauf auf dem Gelände des Weezer Flughafens statt. Jedes Jahr wagen sich tausende Teilnehmende in die Matschgruben und bezwingen verschiedenste Hindernisse. Höchste Zeit also, es selbst mal auszutesten. Meine beste Freundin hat sich erbarmt, mitzumachen. Für sie ist es die zweite Teilnahme.

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Ich stehe vor meinem Kleiderschrank und überlege, welche Klamotten ich für dieses Experiment hergeben möchte. Der Veranstalter empfiehlt den Lagen-Look: kurze Hose über eine Leggings, Top über ein Langarmshirt. Später werde ich froh sein, dass meine Haut überall mit Stoff bedeckt ist. „Das ist ja mal ein spezielles Outfit“, kommentiert mein Freund im Vorbeigehen.

Stromschläge und Matschbad

Am Samstagvormittag ist es dann soweit: Das Gelände rund um den Weezer Airport steht voll mit Autos. 10.500 Menschen laufen allein am Samstag mit. Sonntags wird noch einmal die gleiche Menge an Menschen erwartet. 15 Minuten vor dem Start gibt es ein Warm-up. Die Moderatoren geben uns letzte Hinweise: „Bitte schaut nach unten auf eure Füße. Im besten Fall seht ihr nun zwei Schuhe. Wenn ihr später hier wieder ankommt, kann es sein, dass ihr nur noch mit einem Schuh hier steht oder sogar beide im Matsch verliert.“ Ich schaue rüber zu Antonia. „Stimmt, habe ich ganz vergessen zu erwähnen“, sagt sie grinsend. Ich binde eine extrafeste Schleife. Mit Doppelknoten.

Startschuss. Der erste Kilometer verläuft noch ohne Matsch, dafür mit hohen Wänden, die wir überqueren müssen, und steilen Abhängen aus Sand. Das „Schubkarrenfahren“ ist im Vergleich zu den späteren Hindernissen noch ein Klacks. „Das ist ja viel anstrengender als normales Joggen!“, sage ich zu Antonia. „Ja voll, und ich gehe noch nicht mal joggen“, kommentiert eine Mitläuferin im Vorbeiziehen. Insgesamt warten 18 Hindernisse auf uns. Die Stimmung auf der Strecke ist richtig gut. Die Menschen haben Lust, sich dreckig zu machen. Und das ist auch von Vorteil, denn hier kommt wirklich niemand sauber ins Ziel. Der erste Dreck hat sich bereits unter meinen Fingernägeln abgesetzt.

Hinter dem nächsten Hügel erstreckt sich eine Steppenlandschaft, vorbei an Sträuchern und offenen Flächen. Für „The Sizzlers“ geht es runter auf die Knie und ab auf den Bauch durch den Sand, unter Stromdrähten hindurch. Wenn man nicht flach genug krabbelt, verpassen die Drähte einen leichten Stromschlag.

Mud Masters Vorschau
Im Matschbecken kommt es nicht selten vor, dass Schuhe verloren gehen. © JB | Mud Masters

Dann stehen wir nach einer kurzen Pause an der Trinkstation an den Monkey Bars. Die Läufer und Läuferinnen müssen hier Muskelkraft beweisen und sich an einer Strebe über ein Wasserbecken hangeln. Wer fällt, wird von kaltem, braunem Wasser aufgefangen. Ich freunde mich schon mit dem Gedanken an, jetzt komplett nass zu werden. Vier Streben schaffe ich, bevor es platsch macht. Antonia überwindet sich und schafft es tatsächlich bis auf die andere Seite. Doch lange dauert es nicht, bis auch sie nass wird.

Zwischen Kilometer zwei und vier besteht der Parkour eigentlich nur aus Matschgruben. Es warten die „Trenches“ auf uns: Becken gefüllt mit Matsch, wenn man darin steht, reicht die Pampe bis zu den Hüften. Die Füße sinken in den Schlamm. Jetzt habe ich das erste Mal Angst um meine Schuhe. Ich verliere den Halt und mache einen Bauchplatscher in das Matschbecken.

Kopfüber ins Schmutzwasser

Dann der „Mud Crawl“. Unter Stacheldraht hindurch müssen wir uns durch eine Matschgrube hindurchrobben. Ich spüre, wie sich mit jedem Meter etwas mehr Sand unter mein T-Shirt schiebt. Es ist nicht nur eklig, sondern auch verdammt anstrengend. Immer wieder erwische ich mich bei dem Gedanken: „Was mache ich eigentlich hier?“ Danach gibt es erst einmal ein High Five.

Vorbei an zurückgelassenen Schuhen und losen Sohlen, die es nicht mit dem Besitzer durch die Ziellinie schaffen werden, geht es zu Kilometer fünf. Hier wartet die größte Herausforderung für meine Freundin und mich: Bei der „Execution-Ramp“ müssen wir an Seilen eine Plattform hochziehen und uns dann darauf stellen. Hinter uns steht ein Mitarbeiter der DLRG. Er hat den netten Job, den ganzen Tag kreischende Menschen per Knopfdruck zu Fall zu bringen: vier Meter tief in ein kaltes Wasserbecken.

Niederrhein-Seite: Mud Masters Lauf am Airport Weeze
Vier Meter freier Fall ins eiskalte Wasser: Das Hindernis „Execution“ war die größte Herausforderung.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Antonia zögert, doch gemeinsam trauen wir uns. Der Boden klappt unter uns weg, ein kurzer Schrei, dann tauchen unsere Köpfe in das braune Wasser. Danach ist zumindest der erste Matsch von uns abgewaschen. Voller Glück schauen wir uns an: „Wir haben es wirklich gemacht!“ Meine Schuhe werfen Blasen und machen quietschige Geräusche. Langsam spüre ich, wie der Sand und der Matsch meinen Zehen den Platz in den Schuhen nimmt. Dennoch warten noch etwa anderthalb Kilometer auf uns.

Schuhe überleben den Lauf nicht

Bevor es ins Ziel geht, wartet noch der „Pipe Runner“ auf uns. Ich schaffe es im ersten Versuch, die Rampe hochzulaufen und mich nach oben zu ziehen. „Ich schaffe das nicht!“, ruft Antonia, als sie kläglich versucht, sich die Rampe hochzuhangeln. Ich greife ihren Arm, ein Mann neben mir hilft mit. „Natürlich schaffst du das, das hier ist das letzte Hindernis!“, macht er ihr Mut. Zusammen stehen wir wenige Augenblicke später oben und können die Ziellinie sehen.

Mud Masters 2027

Das Mud-Masters-Rennen am Airport Weeze findet 2027 am 18. und 19. September statt. Die 3-Kilometer-Family-Edition am 19. September kostet pro Familienmitglied 45 Euro und ist für Kinder zwischen 5 und 12. Die 6-Kilometer-Strecke kostet 75 Euro, die 12-Kilometer-Strecke 85 Euro und die 16‑Kilometer-Strecke 90 Euro. Die Tickets für den Marathon liegen bei 125 Euro. Je nach Buchungszeitpunkt können die Preise variieren. Das Parkticket kostet 7 Euro. Mehr Infos unter: https://mudmasters.com/event/airport-weeze-2027.

Die Kleidung hängt schwer und nass an uns, ich meine, Sand im Mund zu haben. „Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so schmutzig war“, bemerke ich, während wir zu den Duschen gehen und uns umziehen. Hier haben bereits viele Läuferinnen ihre Schuhe in der Tonne entsorgt. Antonia bemerkt, dass sich auch bei ihren alten Sneakern die Sohle abgelöst hat, und beerdigt sie kurzerhand in der Mülltonne.

Der Parkplatz wird langsam leer, genau wie unsere Kraftreserven. „Würdest du noch einmal mitmachen?“, unterbreche ich die Stille im Auto auf der Rückfahrt. „Ja, eigentlich schon. Ich glaube, mit einer größeren Gruppe macht das richtig Spaß.“ Ich stimme nickend zu. Auch, wenn die Tickets recht teuer sind, so bekommt man doch einiges an Hindernissen und Matsch geboten, an dem man über sich hinauswachsen kann. Den Rest der Rückfahrt verbringen wir im Stillen, mit Gedanken an die warme Dusche zu Hause und den Muskelkater, der uns am nächsten Morgen erwarten wird.