Eon-Stellenabbau

Eon streicht bis zu 1600 Stellen in Essen und Dortmund

Eon-Chef Johannes Teyssen verspricht einen sozialverträglichen Abbau der Arbeitsplätze im Zuge der Übernahme von Innogy.

Eon-Chef Johannes Teyssen verspricht einen sozialverträglichen Abbau der Arbeitsplätze im Zuge der Übernahme von Innogy.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Essen.  Nach der Innogy-Übernahme streicht Eon jeweils bis zu 800 Arbeitsplätze in Essen und in Dortmund. Die Westfalenmetropole trifft es am härtesten.

Der geplante Stellenabbau beim Energieriesen Eon wird besonders die großen Ruhrgebiets-Standorte treffen. Weltweit fallen im Zuge der Übernahme des Konkurrenten Innogy bis zu 5000 Arbeitsplätze weg. Davon werden bis zu 800 Stellen in der Essener Konzernzentrale gestrichen, sagte ein Eon-Sprecher unserer Redaktion. Ebenfalls bis zu 800 Stellen sollen zudem in Dortmund wegfallen, womit die Westfalenmetropole im Verhältnis zur aktuellen Mitarbeiterzahl am härtesten betroffen wäre.

Essen, wo schon jetzt sowohl Eon als auch Innogy sitzen, wird die Konzernzentrale bleiben und künftig „rund 5000 Mitarbeiter“ beschäftigen, so der Sprecher. In einer Pressemitteilung hieß es dazu: „Essen bleibt die Energiehauptstadt in Deutschland und wird auch in Zukunft der zentrale Standort der neuen Eon in Deutschland sein.“ Von Stellenabbau ist in dieser Mitteilung allerdings keine Rede.

Dortmund verliert 800 von 2300 Stellen

Auf Nachfrage bestätigte der Konzernsprecher, dass in Dortmund, dem Standort von Westnetz und großen Teilen des Innogy-Vertriebs, nur rund 1500 Arbeitsplätze erhalten bleiben – das wären 800 weniger. Im Osten des Ruhrgebiets verlieren demnach vor allem Innogy-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Auch in München, wo Eon große Teile seines Vertriebs angesiedelt hat, dürften Arbeitsplätze wegfallen, es sei aber noch nicht absehbar, in welcher Größenordnung, hieß es am Freitag aus der Essener Zentrale.

Eon hatte Mitte September grünes Licht von der EU-Kommission für die Übernahme des Konkurrenten Innogy erhalten. Dies ist das Herzstück des Deals mit RWE zur Zerschlagung von Innogy. Die früheren Konkurrenten teilen die Geschäfte künftig auf – Eon wird sich auf die Netze und den Vertrieb konzentrieren, RWE ganz auf die Stromerzeugung. Damit geht der Großteil der Innogy-Beschäftigten zu Eon, das sich mit diesem Deal auf 70.000 nahezu verdoppelt. Nur die Ökostromsparte geht an RWE, samt der Erneuerbaren Energien von Eon.

Bei den nun wegfallenden Stellen handelt es sich bei Eon vor allem um klassische Doppelfunktionen – Eon und Innogy haben große Schnittmengen in der Verwaltung, im Vertrieb und ihren Netzgeschäften. Dabei solle es „keine Rolle spielen“, wer aktuell wo arbeite, versicherte Eon-Chef Johannes Teyssen immer wieder. Er rechnet durch den Abbau von Doppelfunktionen im Zuge der Fusion ab 2022 mit jährlichen Einsparungen von 600 bis 800 Millionen Euro. Der Stellenabbau werde sozialverträglich erfolgen, versprach er zudem.

Es sollen auch neue Arbeitsplätze entstehen

Der Abbau der bis zu 1600 Stellen in Essen und Dortmund werde „im Laufe der kommenden Jahre“ erfolgen, erklärte der Konzernsprecher. Bisher sei das lediglich „ein Grobkonzept“, das nun mit der Arbeitnehmervertretung besprochen werde. Detail- und stellenscharfe Abbaupläne würden erst in den kommenden Monaten erarbeitet. Dabei weckt der Dax-Konzern Hoffnungen, dass am Ende unterm Strich weniger Arbeitsplätze wegfallen als nun vorerst geplant. Sowohl in Essen als auch in Dortmund seien Wachstumsgeschäfte angesiedelt, in denen in den kommenden Jahren auch neue Arbeitsplätze entstehen dürften.

Dortmund bleibe auch künftig „mit der Westnetz Heimat des mit Abstand größten Verteilnetzbetreibers von Eon in Deutschland“, heißt es in der Mitteilung, und die Westfalenmetropole sei „bereits heute wichtiger Standort für das bedeutsame Zukunftsgeschäft Elektromobilität. Essen bleibe Sitz nicht nur des Konzerns, sondern auch der „nationalen und internationalen Netzsteuerungs­funktionen“. Die Ruhrmetropole werde darüber hinaus „Kernstandort des Geschäftskundenvertriebs in Deutschland“. Zudem würden von hier aus die Innovationen gesteuert, darunter auch Projekte auf dem Weltkulturerbe Zollverein.

OBs Kufen und Sierau äußern sich zufrieden

Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) äußerte sich zufrieden: „Die Standortentscheidung ist ein starkes Signal für die beiden Städte“, sagte er. „Essen bleibt Energiehauptstadt – von hier werden also auch weiterhin wichtige Impulse ausgehen, gerade im Bereich der erneuerbaren Energien“, so Kufen. Und: „Wichtig ist mir insbesondere, dass die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewahrt bleiben, deshalb habe ich mich mit dem neuen Vorstand auf einen engen Austausch verständigt.“

Auch Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) fand kein kritisches Wort zu den Eon-Plänen in seiner Stadt: „Es freut mich, dass die Rolle Dortmunds als bedeutender Standort der Energiewirtschaft durch diese Entscheidung bestätigt wird“, erklärte Sierau.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben