Gründungskommission tagt

Deutsche Agentur für Sprunginnovationen braucht noch Zeit

Die Bundesregierung will mit einer Milliarde Euro Fördergelder über eine Agentur für SprunginnovationenStart-ups fördern. Zwölf Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft zurren gerade die Rahmenbedingungen fest. Darunter Rafael Laguna vom Olper Unternehmen Open-Xchange. Foto:phonlamaiphoto

Die Bundesregierung will mit einer Milliarde Euro Fördergelder über eine Agentur für SprunginnovationenStart-ups fördern. Zwölf Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft zurren gerade die Rahmenbedingungen fest. Darunter Rafael Laguna vom Olper Unternehmen Open-Xchange. Foto:phonlamaiphoto

Olpe.   Deutschland will sprunghaft aufholen, wenn es um Start-ups mit bahnbrechenden Ideen geht. Noch tagt aber erst einmal eine Kommission.

Die Bundesregierung hat im August 2018 die Gründung einer Agentur für Sprunginnovationen angekündigt, um im Wettlauf um zukunftsweisende Technologieunternehmen an Fahrt aufzunehmen. Die USA und China hatten in der jüngeren Vergangenheit bei marktverändernden Geschäftsmodellen oder radikalen technologischen Neuerungen die Nase vorn. Die beim Bundeswirtschaftsministerium (Peter Altmaier) und Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (Anja Karliczek) angesiedelte Initiative zur Gründung der „SprinD“ benannten Agentur soll mit über einer Milliarde Euro Fördergelder ausgestattet werden und Entwicklern bahnbrechender Ideen maximale Freiheiten lassen. Eine zwölfköpfige Gründungskommission unter Leitung von Professor Dietmar Harhoff, Direktor am Münchner Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, legt gerade die Rahmenbedingungen fest. Der Kommission gehören zwei Experten aus NRW an: Der Aachener Professor Achim Kampker (Streetscooter/RWTH Aachen) und Rafael Laguna, Mitgründer der Olper Softwareschmiede Open-Xchange.

Herr Laguna, wie sind Sie in die Gründungskommission für die Agentur für Sprunginnovationen gekommen?

Rafael Laguna: Als Unternehmer im Bereich IT habe ich vom Profil offenbar ganz gut gepasst. Letztlich hat es auch etwas mit persönlichen Kontakten zu tun.

Was genau ist unter Sprunginnovationen zu verstehen?

Außergewöhnliche, bahnbrechende Innovationen, die auf normalem Wege nur selten entstehen. Das Vorbild ist die DARPA, eine Agentur des US-Verteidigungsministeriums, die beispielsweise vor 50 Jahren das Arpanet entwickelte, den Vorläufer des Internets. Außerdem GPS, das wir heute in jedem Auto und Smartphone zum Navigieren verwenden, hat hier seine Wurzeln. Die jetzt von den Bundesministerien gegründete Agentur mit dem Namen SprinD hat allerdings explizit nicht das Ziel, militärische Innovationen zu fördern, sondern zivil nutzbare Innovationen. Über Förderung durch die US-Agentur ist übrigens auch das Silicon Valley entstanden.

Was ist die Aufgabe der Kommission?

Eckpunkte für die Agentur festzulegen. Also, wo sie angesiedelt werden soll, wer sie leiten wird.

Sie haben sich seit März jetzt zwei Mal getroffen. Wie weit sind sie?

Wir treffen uns im Mai das nächste Mal. Ein Standort steht noch nicht fest. Von der eigentlichen Arbeit her ist es auch egal, wo die Agentur ihren Sitz haben wird. Andererseits soll mit der SprinD auch ein Signal verbunden sein.

Und wer wird SprinD leiten?

Auch das steht noch nicht fest, darüber beraten wir in der Kommission gerade.

Was muss die Agenturleitung denn auszeichnen, die letztlich über mehr als eine Milliarde Euro an Fördermitteln verfügen wird?

Eine große Expertise im Bereich Innovation zum Beispiel.

Wird die Agentur noch 2019 ihre Arbeit aufnehmen?

Ich denke schon. Man kann sagen, es passiert etwas. Und je schneller die Agentur „SprinD“ beginnt, desto besser.

Wäre mit Blick auf die globalen Herausforderungen nicht eine europäische Agentur sinnvoller?

Natürlich geht der Blick auch nach Europa. Aber es ist nicht verkehrt, erst einmal in Deutschland anzufangen, so wie es die Franzosen bei sich auch tun.

Hätte Ihnen bei der Gründung von Open-Xchange so eine Agentur geholfen?

Das weiß ich nicht. Allerdings hat es nicht immer Spaß gemacht, Geld für unsere Idee der Erhaltung des offenen und föderalen Internets einzusammeln. Ich weiß auch nicht genau, ob wir ein Kandidat gewesen wären. Ich hoffe aber, dass bei künftigen Sprunginnovationen möglichst viel Open- Source-Software zu finden sein wird.

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