Lidl will eigene Schokoladenfabrik bauen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Discount-Kette aus Neckarsulm beschränkt sich nicht mehr allein auf den Verkauf von Waren, sondern will einen Teil davon zukünftig selbst herstellen - und sich damit von Produzenten unabhängig machen

Essen. Der Discounter Lidl plant den Bau einer eigenen Schokoladenfabrik. Einen entsprechenden Bericht der "Lebensmittel Zeitung" bestätigte eine Lidl-Sprecherin am Freitag gegenüber der WAZ. Die neue Fabrik soll 20 Kilometer nördlich von Aachen in der Stadt Übach-Palenberg entstehen. Die Investitionssumme für die Schokoladenfabrik, die laut "Lebensmittel Zeitung" mit einer Fläche von 230 000 Quadratmetern zu einer der größten in Europa zählen würde, wird auf 40 Millionen Euro geschätzt. Es heißt, Lidl wolle sich bei Schokoladenprodukten unabhängig machen. Das rasante Wachstum des nach Aldi größten deutschen Discounters mache es immer schwieriger, die gewünschten Qualitäten und Mengen zu erhalten.

Die Ankündigung kommt unerwartet, ist sie doch ein Novum bei deutschen Discountern. Denn mit der Herstellung von Waren hatten diese bislang nicht viel am Hut. Aldi, Lidl und Co. beschränken sich auf den Verkauf von Produkten. Die Discounter beziehen Kaffee, Toilettenpapier und Jogurt bei ihren Lieferanten in großen Mengen - zu entsprechend niedrigen Preisen.

Den Lieferanten bleibt meist keine andere Wahl, als sich den Preisvorstellungen der Discounter zu beugen, anderenfalls sind sie den Großauftrag los. Diese Art von Mengenrabatt, die Unternehmen wie Aldi und Lidl aushandeln, geben sie in der Regel an ihre Kunden weiter und haben damit bei vielen Artikeln einen deutlichen (Preis-)Vorteil gegenüber dem Tante-Emma-Laden an der Ecke.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin zeigt sich überrascht von den Lidl-Plänen. Dies sei eine "bemerkenswerte Entwicklung", die er "mit Interesse" beobachte, sagte Geschäftsführer Hubertus Pellengahr unserer Zeitung. Erfreulich sei insbesondere, dass die Fabrik in Deutschland gebaut werde. "Das ist eine positive Botschaft und zeigt, wie verbunden sich Lidl mit dem Standort zeigt."

Während die Umsatzrendite im Handel laut Pellengahr nur bei knapp einem Prozent liege, sei sie in der Industrie etwa zehnmal höher. Mit anderen Worten: Hersteller verdienen deutlich mehr als Einzelhändler. Man müsse abwarten, heißt es beim HDE, "was passiert, wenn zukünftig beides in einer Hand liegt". Ein Einzelhändler könne "dann sehr viel genauer nach den eigenen Anforderungen produzieren", skizziert Pellengahr einen der Vorteile. Es sei deshalb gut möglich, dass - falls Lidl mit seinem Modell Erfolg hat - dieses bald Nachahmer findet. Beim Marktführer Aldi wollte man sich gestern auf WAZ-Nachfrage nicht an diesen Spekulationen beteiligen.

Nach Ansicht von Erwin Amann, Mikroökonom an der Uni Duisburg-Essen, könne es sich bei der Lidl-Entscheidung, Schokolade in Zukunft selbst zu produzieren, auch um ein "Eingeständnis von Schwäche" handeln. "Vielleicht ist das Unternehmen gegenüber seinen Lieferanten gar nicht so mächtig, wie wir immer vermuten", so Amann. Kommentar

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben