Kaufhaus-Zusammenschluss

Karstadt-Eigner Benko greift erneut nach dem Kaufhof

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau steht am 18.05.2009 in Köln mit einer Tragetasche des Kaufhauses Kastadt vor einer Kaufhof-Filiale. Foto: Oliver Berg/dpa (zu dpa-Korr. "Aufräumen bei Karstadt: «Die Blutungen müssen gestoppt werden» vom 15.08.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Frau steht am 18.05.2009 in Köln mit einer Tragetasche des Kaufhauses Kastadt vor einer Kaufhof-Filiale. Foto: Oliver Berg/dpa (zu dpa-Korr. "Aufräumen bei Karstadt: «Die Blutungen müssen gestoppt werden» vom 15.08.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: Oliver Berg

Essen.   Kanadische Mutter HBC ist nach der Absage im Februar diesmal offenbar nicht völlig abgeneigt. Arbeitnehmerseite bangt um Jobs auf beiden Seiten.

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Es wäre der vierte Anlauf von Karstadt-Eigentümer René Benko, den Konkurrenten Galeria Kaufhof zu übernehmen. 2012 und 2015 war der österreichische Unternehmer bei der damaligen Kaufhof-Mutter Metro abgeblitzt. Die hatte ihre Warenhauskette lieber der kanadischen Hudson’s Bay Company (HBC) für 2,8 Milliarden Euro verkauft.

Nach zwei holprigen ersten Jahren von HBC im deutschen Kaufhausgeschäft legte Benko den Kanadiern im vergangenen Herbst eine Offerte über drei Milliarden Euro für Kaufhof auf den Tisch. Hudson’s Bay lehnte ab, gab sich selbstbewusst, den Durchbruch in Europa zu schaffen. Nun berichtet Reuters unter Berufung auf Insider, Benko strebe eine 51-prozentige Beteiligung am operativen Geschäft von Kaufhof an und sei an den Immobilien interessiert. Die neue HBC-Chefin Helena Foulkes komme nach Deutschland, um das Kaufhof-Management über Gespräche mit Benkos Firma Signa zu unterrichten.

HBC-Chefin Foulkes zu Gesprächen in Deutschland

Nach Informationen dieser Zeitung war Foulkes’ Besuch im Zusammenhang mit der Ergebniskrise bei Kaufhof schon länger und unabhängig von den aktuellen Diskussionen geplant. Kaufhof schrieb 2017 das zweite Jahr in Folge Verluste und verhandelt mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag. Dabei pocht Kaufhof-Chef Roland Neuwald auf Lohnverzicht, um den Wettbewerbsnachteil gegenüber Karstadt auszugleichen. Die Essener kommen aus einer harten Sanierungsphase mit Tarifpausen und Verzicht auf Sonderzahlungen. Karstadt schreibt nach drei Jahren unter Benko-Manager Stephan Fanderl wieder schwarze Zahlen, plant neue Häuser und hat mit Verdi eine schrittweise Rückkehr in den Flächentarif vereinbart.

Weder von Signa noch von Kaufhof war eine offizielle Stellungnahme zu erhalten. Die Kaufhof-Mutter HBC erklärte, Marktgerüchte kommentiere sie grundsätzlich nicht. Mit der Angelegenheit vertraute Personen bestätigten dieser Zeitung aber, dass es die zuvor strikte Ablehnung einer Zusammenarbeit mit Benko unter Foulkes so nicht mehr gebe. Sie hatte die HBC-Führung im Februar übernommen, kurz nachdem die Kanadier Benkos jüngste Offerte zurückgewiesen hatten.

Gemeinsame Organisation könnte viel Geld sparen

Sollte es diesmal nicht um eine Komplett-, sondern Mehrheitsübernahme gehen, dürfte die Marke Kaufhof zunächst erhalten bleiben. Die von Benko mehrfach angestrebte Deutsche Warenhaus AG wäre das noch nicht. Die beiden Kaufhaus-Riesen könnten sich zunächst auf einen gemeinsamen Einkauf, Logistik, IT und Synergien in anderen zentralen Bereichen beschränken. Kaufhof und die selbst im nordamerikanischen Heimatmarkt unter Druck geratene Mutter HBC müssen dringend Kosten sparen. Und Karstadt arbeitet zwar wieder rentabel, kämpft aber ebenfalls nach wie vor mit sinkenden Umsätzen. Das rasante Wachstum der großen Online-Händler setzt den Filialketten wie allen stationären Händlern gleichermaßen zu, auch wenn beide ihre eigenen Internetauftritte ausbauen.

Aus Arbeitnehmerkreisen war gestern Skepsis zu hören, wegen der unklaren Lage aber noch kein offizielles Statement. Eine Zusammenarbeit oder gar Fusion würde viele Arbeitsplätze gefährden, vor allem in den zentralen Verwaltungen in Köln und Essen sowie in den IT-Einheiten und in den Lagern.

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