Verkehr

Das Revier wehrt sich gegen die Berliner ICE-Pläne

Bisher wird der Revier-ICE von Düsseldorf nach Berlin in Hamm mit einem aus Köln kommenden ICE verkoppelt.

Foto: dpa (Symbolbild)

Bisher wird der Revier-ICE von Düsseldorf nach Berlin in Hamm mit einem aus Köln kommenden ICE verkoppelt. Foto: dpa (Symbolbild)

Essen.   Der ICE 10 könnte künftig nur noch im Zwei-Stunden-Takt durch das Ruhrgebiet nach Berlin fahren. Politik und Wirtschaft äußern Kritik.

Noch ist nichts entschieden, und die Pläne reichen weit in die Zukunft, dennoch ist die Unruhe bereits groß. 17 SPD-Bundestagsabgeordnete aus dem Revier waren der Auslöser dafür. Sie verwiesen auf ein Gutachten zum von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geplanten „Deutschland-Takt“, nach dem der ICE in Richtung Berlin nur noch alle zwei Stunden durch das Ruhrgebiet fahren könnte.

Worum geht es?

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den „Deutschland-Takt“ einführen, mit dem die Fahrpläne der Züge wie in der Schweiz besser aufeinander abgestimmt werden und sich so Wartezeiten an Bahnhöfen verkürzen sollen. Dazu muss der Bund in die Infrastruktur investieren und die Zug-Linien überarbeiten. Die SPD-Abgeordneten warnten in dieser Woche vor Auswirkungen für das Ruhrgebiet. Bisher wird der Revier-ICE von Düsseldorf nach Berlin in Hamm mit einem aus Köln kommenden ICE verkoppelt. Das sei künftig nicht mehr möglich, so die Lesart eines Gutachtens. In der Folge würde das Revier nur noch alle zwei Stunden angefahren.

Was sagt die Wirtschaft?

Viele Unternehmen im Revier seien eng verzahnt mit Firmen in der Hauptstadt, betont Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Duisburg. „Für zahlreiche Industrieunternehmen sind gute Verbindungen zur Berliner Start-up-Technologieszene sogar Grundlage ihrer Innovationsprozesse.“ Stefan Schreiber, Leiter der IHK Dortmund, ergänzt: „Es kann nicht sein, dass das Ruhrgebiet als größte deutsche Metropolregion nur noch im Zweistundentakt mit Berlin verbunden sein soll.“ Auch Stefan Postert von der IHK Mittleres Ruhrgebiet verweist auf die Bedeutung schneller Zug-Verbindungen für Menschen und Unternehmen. Das Ruhrgebiet dürfe sich nicht abhängen lassen.

Was sagen die Landespolitiker?

„Es darf nicht sein, dass die Menschen hier in der Region unter einer möglichen Umstellung des Fernverkehrs leiden müssen. Deswegen erwarten wir den frühzeitigen Dialog mit der Bahn, bevor Pläne beschlossen werden“, sagt CDU-Verkehrsexperte Klaus Voussem. Der FDP-Landtagsabgeordnete Thomas Nückel betont: „Ein Zwei-Stunden-Takt ist unakzeptabel. Für den Wirtschaftsstandort Ruhrgebiet wäre dies fatal.“

Das Ruhrgebiet müsse auch künftig stündlich an Berlin angebunden sein, meint Arndt Klocke, Fraktionschef der Grünen. Nach seiner Kenntnis plane die Bahn auch weiterhin mit einem ICE im Stundentakt über das Ruhrgebiet in Richtung Berlin. Sollte die Bahn aber beabsichtigen, diesen Zug zu streichen und auf einen Zwei-Stunden-Takt zu gehen, wäre dies „ein verkehrspolitischer Skandal“.

Was sagen Tourismusexperten?

Sie befürchten einen Imageschaden für das Ruhrgebiet. „Erreichbarkeit ist auch ein Gradmesser für die Attraktivität einer Region“, sagt Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH. Die Gedankenspiele zum ICE konterkarierten die Bemühungen der Region, sich als Standort für Tagungs- und Kongresstourismus zu etablieren. „60 bis 70 Prozent der Tagungsgäste reisen mit der Bahn an“, sagt Biermann. Für die Kongressstätten seien schlechtere ICE-Verbindungen „ein Nackenschlag, weil das unflexibel macht.“

Was sagen die Pendler?

Der Fahrgastverband Pro Bahn lehnt die Überlegungen ab. Bundesvorstandsmitglied Detlef Neuß sagt: „Ein Zwei-Stunden-Takt wäre auf so einer stark genutzten Strecke nicht zu akzeptieren. Wer mit diesem ICE fährt, weiß, wie voll er ist.“ NRW-Sprecher Lothar Ebbers verweist darauf, dass die Pläne noch weit in der Zukunft liegen. „Das ist nur ein Szenario.“ Ob es zum Zwei-Stunden-Takt komme, sei noch nicht abzusehen.

Wann droht der neue Takt?

Der Plan zum „Deutschland-Takt“ steckt in den Anfängen, frühestens 2030 könnte er umgesetzt werden. Derweil betont die Bahn: Auch mit dem nächsten größeren Fahrplanwechsel 2021 werde sich am ICE-Stundentakt fürs Revier nichts ändern. Das Angebot bleibe mit den Haltepunkten und Fahrzeiten vollumfänglich bestehen, erklärt eine Sprecherin.

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