Der Einsatz von Bodycams erweist sich bei den Beschäftigten der Bahn als wirksamer Schutz vor Übergriffen. Das belegt die Entwicklung im Nahverkehr von DB Regio. „Die körperlichen Übergriffe sind 2025 um sieben Prozent gesunken“, sagt Vorstandschef Harmen van Zijderveld. Bisher habe es noch keinen Angriff auf Träger einer Bodycam gegeben.
Sicherheitsleute oder Zugbegleiter können sich freiwillig mit einer Bodycam ausstatten. Jeder Vierte hat dieses Angebot bereits angenommen. Mitte des Jahres rechnet der Vorstand mit einer Beteiligung von 50 Prozent. Eine Schulung in der Technik ist mittlerweile verpflichtend. Das Thema Sicherheit in den Zügen und Bahnhöfen wird großgeschrieben, seit kürzlich ein Kontrolleur durch den Angriff eines Passagiers tödlich verletzt wurde.
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Deutsche Bahn setzt auf Kameras und Sicherheitskräfte gegen Übergriffe
Die Bahn rüstet sich auch technisch und organisatorisch gegen die zunehmende Gewaltbereitschaft. Die Kameraüberwachung wird ausgebaut. Voraussichtlich im kommenden Jahr könnte die Bundespolizei potenzielle Täter bei einer per Kamera übertragenen Gefahrensituation auch direkt über Lautsprecher ansprechen. Zudem sollen in besonders auffälligen Zugverbindungen Zugbegleiter von einem Sicherheitsmann begleitet werden. Hier ist die Finanzierung des Mehraufwands jedoch noch ungewiss.
Zwei Drittel der Übergriffe werden durch eine Ausweiskontrolle ausgelöst. Um sich selbst besser zu schützen, dürfen die Kontrolleure darauf verzichten, wenn sie es in der Situation für sicherer halten. „Das bedeutet nicht, dass wir keine Tickets mehr kontrollieren“, betont Zijderveld. In einer Umfrage der Gewerkschaft EVG gab ein Drittel der Beschäftigten an, aufgrund der wachsenden Bedrohungslage eine Kündigung zu erwägen. „Das merken wir schon“, räumt der Vorstand ein. Leute wechselten vor allem, wenn sie schon einmal von einer Attacke betroffen waren. Es gebe allerdings keinen Personalmangel im Nahverkehr.
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Eine Kündigungswelle ganz anderer Art ist ausgeblieben. Die meisten Besitzer des Deutschlandtickets sind dem bundesweit geltenden Fahrschein trotz Preiserhöhung im Januar treu geblieben. Für alle Bahn-Kunden will das Unternehmen im Sommer einen neuen Service anbieten. Dann können Fahrgäste für die letzte Meile am Zielort in der Navigator-App schon im Vorfeld oder im Zug einen E-Scooter oder ein Leihfahrrad dazubuchen.
DB Regio: Zijderveld setzt Pallas‘ Sparkurs konsequent fort
Zijderveld ist erst seit drei Monaten Chef von DB Regio. Vorgängerin Evelyn Palla ist zur Bahn-Chefin aufgestiegen. Am strategischen Kurs Pallas will der neue Vorstand festhalten. Das bedeutet vor allem die Verlagerung von Verantwortung auf die Regionen und den Abbau unnötiger Verwaltungskosten. Damit hatte Palla den Regionalverkehr aus der Verlustzone geführt.

Wenn Ende der kommenden Woche die Bahn-Bilanz vorgestellt wird, glänzt der Regionalverkehr erneut mit einem dreistelligen Millionengewinn. Zuletzt lag das Ergebnis vor Zinsen und Steuern bei 108 Millionen Euro. 2025 sei das Ergebnis noch einmal signifikant gestiegen, kündigt Zijdervelt an. „Es wird ein Jahr der Stabilisierung“, sagt er. Die Situation in der Infrastruktur bleibe schwierig. Zwar läuft der Nahverkehr deutlich zuverlässiger als der Fernverkehr. Doch ist die Pünktlichkeitsquote 2025 unter die Marke von 90 Prozent gerutscht.
Knotenbahnhöfe überlastet: Nahverkehrswachstum sorgt für Verspätungen
Ausgerechnet das starke Wachstum im Nahverkehr erweist sich in der betrieblichen Praxis als Problem. Wenn immer mehr Nahverkehrszüge die Knotenbahnhöfe ansteuern, kommt es zu Überlastungen und im gesamten Bahn-System zu Verspätungen. Besonders betroffen sind die Bahnhöfe in Hamburg, Köln, Mannheim, Berlin, Frankfurt und München. Daher steht eine Entlastung der Knoten inzwischen in der Debatte um mehr Zuverlässigkeit im Zentrum. Denn die Sanierung des Netzes wird ein Jahrzehnt beanspruchen. Mit einer höheren Durchlässigkeit an den Stationen könnte die Pünktlichkeit womöglich schneller verbessert werden.
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Darüber berät auch eine Taskforce Bahn der Bundesregierung in diesen Tagen. Ihr Abschlussbericht soll zeitnah vorgestellt werden. Die Runde hat auch über die Frage diskutiert, ob der Verkehr an den Knotenbahnhöfen ausgedünnt werden sollte oder Fernzüge an alternativen Bahnhöfen der betroffenen Städte halten sollten. Doch der Verzicht auf Verkehr würde die Bahn-Unternehmen Einnahmen kosten. Eine schnelle Lösung der Frage ist daher eher unwahrscheinlich.






