Tauscht Deutschland seine Abhängigkeit von russischem Gas gegen eine amerikanische Energieabhängigkeit ein? Das legt eine neue Studie nahe. Demnach ist der Import von US-amerikanischem Flüssiggas (LNG) nach Europa im Jahr 2025 um satte 61 Prozent gestiegen. Ein detaillierter Blick auf die Daten zeigt: Besonders Deutschland macht sich zunehmend erpressbar von Trump.

Die Studie, die vom Clingendael-Institut in Den Haag, dem Ecologic-Institut in Berlin und dem Norwegischen Institut für Internationale Angelegenheiten gemeinsam verfasst wurde, zeigt: Europa hat seine Bestrebungen, sich bei Energieimporten breiter aufzustellen, wohl primär vom Ziel leiten lassen, nicht mehr auf Russland angewiesen zu sein – und dabei scheinbar aus den Augen verloren, dass die nächste Abhängigkeit bereits um die Ecke lauert.

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Trump kontrolliert EU-Energieversorgung: 92 Prozent der deutschen LNG-Importe kommen aus den USA

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, stammten 2025 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 92 Prozent des in Deutschland importierten LNG aus den USA – Tendenz steigend. Im gesamten europäischen Wirtschaftsraum stiegen die LNG-Importe aus den USA von 2019 bis 2025 um 485 Prozent. Die USA seien für rund 59 Prozent aller LNG-Importe in die EU verantwortlich.

„Trotz des rhetorischen Bekenntnisses zur Diversifizierung behandelt die neue EU-Gesetzgebung paradoxerweise Energie aus allen anderen Ländern als Russland als vollständig diversifiziert. Dies birgt die Gefahr, Europas rasch wachsende Abhängigkeit von US-amerikanischen LNG-Importen zu verschleiern“, schreiben die Autoren in der Studie.

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Trumps Annexionspläne in Grönland: Energieversorgung als Machtinstrument?

Das ist vor allem im Hinblick auf die anhaltenden Spannungen rund um Trumps Annexionspläne in Grönland gefährlich. „Diese Abhängigkeit setzt Europa dem Risiko hoher Kosten, Preisschwankungen und geopolitischem Druck aus“, heißt es dazu in der Studie. Je mehr Trump die Energieversorgung in Europa kontrolliert, desto höher dürften die Chancen sein, dass der US-Präsident diesen Machtfaktor an anderer Stelle ausspielen wird.

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Und das scheint Trump genauso kalkuliert zu haben. Der „Guardian“ berichtet, dass bereits im Strategiepapier zur nationalen Sicherheit im November ausdrücklich von einer angestrebten „Energiedominanz“ der USA die Rede war, die es „uns ermöglicht, unsere Macht zu projizieren, wann und wo immer es nötig ist“. Die Basis dafür scheinen die USA bereits geschaffen zu haben. „Wir müssen die neue Realität der amerikanischen Energiedominanz unter Donald Trump anerkennen und Europas Importe mit Vorsicht betrachten“, sagte Professor Kacper Szulecki vom Norwegischen Institut für Internationale Angelegenheiten gegenüber dem „Guardian“.

Er stellt die Gefahr einer potenziellen Energiekrise in den Raum. Denn: Die Gasreserven in der EU seien derzeit sehr niedrig, sogar niedriger als zu Beginn des Ukraine-Krieges. „Sollte es zu einem kalten Winter und Spannungen mit den USA kommen, die weitere Preiserhöhungen und eine Erschöpfung der Reserven zur Folge haben, könnte es in den kommenden Monaten zu einer wirklich dramatischen Energiekrise kommen“, sagte Szulecki.