Als eine Art Fieberthermometer der globalen Politik wirkt das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos, das am Montag beginnt. Erstmalig findet es in diesem Jahr in den Schweizer Bergen ohne seinen Gründer Klaus Schwab statt. Und auch eine Phase der Globalisierung geht zu Ende. Seit den 1980er Jahren bildete sich ein gemeinsamer Weltmarkt heraus, es wurde mehr Handel getrieben, weltumspannende Institutionen gewannen an Einfluss. Nun jedoch geht die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Autokratische Herrscher in Peking, Moskau und neuerdings in Washington unterteilen die Welt wieder in Machtblöcke.

Und so verändert sich auch der Blick auf das Weltgeschehen beim Gipfel. In den nächsten zwei Jahren sei mit starken Turbulenzen zu rechnen, ist im neuen Welt-Risiko-Bericht des WEF zu lesen. „Geoökonomische Konfrontation“ und Krieg zwischen Staaten sind nun die beiden Top-Risiken. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren rutscht die Sorge um Wetterextreme auf den dritten Platz. Der Risiko-Bericht basiert auf einer regelmäßigen Umfrage unter ungefähr 1300 weltweit führenden Firmenvorständen, Fachleuten aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Vor der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos
Das Logo des Weltwirtschaftsforums (WEF) hängt am Kongresszentrum vor dem 56. WEF-Jahrestreffen. Das Treffen unter dem Motto „A Spirit of Dialogue“ bringt Unternehmer, Wissenschaftler, Wirtschaftsführer und Politiker in Davos zusammen.© Andreas Becker/KEYSTONE/dpa | Andreas Becker

Weltwirtschaftsforum in Davos: Sorge vor Konflikten nehmen zu

Der Hälfte der Befragten befürchten „turbulente“ oder „stürmische“ Situationen für die weltweite Wirtschaft und Politik in den kommenden zwei Jahren. Im Risiko-Bericht 2025 äußerte sich nur ein Drittel in dieser Richtung. 2024 waren es 30 Prozent. „Geoökonomische Konfrontation“ belegt nun Platz 1 der Risiko-Hitliste – mit 18 Prozent der Nennungen. Darunter sind beispielsweise Auseinandersetzungen um hohe Zölle zu verstehen, wie sie US-Präsident Donald Trump auslöste.

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Auf Platz 2 folgen jetzt „bewaffnete Konflikte“ mit 14 Prozent der Nennungen, wobei nicht nur der russische Angriff auf die Ukraine und der Gaza-Krieg, sondern auch die Attacke Israels und der USA auf die iranischen Atomanlagen eine Rolle gespielt haben dürften. Im vergangenen Jahr belegten solche Probleme die Plätze 1 und 3. 2024 wurden sie nicht unter den fünf größten Risiken genannt.

Auftritte von Donald Trump und Friedrich Merz geplant

„Eine neue Weltordnung“ nehme Gestalt an, in der Großmächte ihre Interessensphären absteckten, sagte WEF-Präsident Borge Brende. Wobei dieser Befund im Risiko-Bericht kein Hexenwerk ist. Das Stimmungsbarometer der Weltelite gibt oft das wider, was auch die normale Bevölkerung umtreibt. So drängen die aktuellen Sorgen das Klima-Thema mehr nach hinten, das zum Beispiel 2024 noch ganz oben im Risiko-Ranking stand. Im Zeitraum der nächsten zehn Jahre betrachtet, bleibt es für die Teilnehmenden der Umfrage allerdings höchst relevant. Wetterextreme, Kollaps von Ökosystemen und Klimawandel nehmen die drei obersten Positionen der langfristigen Risiko-Wahrnehmung ein.

Vor der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos
Das Kongresszentrum vor dem 56. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF).© Andreas Becker/KEYSTONE/dpa | Andreas Becker

Das WEF ist ein riesiger Kongress mit tausenden Teilnehmenden. 64 Staats- und Regierungschefs hätten sich bisher angekündigt, sagte WEF-Präsident Borge Brende, darunter die Spitzen der größten westlichen Staaten. Ein Auftritt von US-Präsident Donald Trump wird Mittwoch erwartet. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reist in das verschneite Städtchen in 1500 Meter Höhe. Seine Rede ist für Donnerstag geplant.