Die Lufthansa pflegt eigentlich ein Image als Premium-Marke, die Sicherheit an erste Stelle setzt. Damit will sie sich von Billigfliegern wie Ryanair, Easyjet oder Eurowings absetzen. Doch laut einer Recherche des „Spiegels“ soll sich bei der Fluggesellschaft eine Praxis etabliert haben, die man eher von ihren billigeren Konkurrenten kennt. Mitarbeiter berichten gegenüber dem Magazin von Missständen in der Flugplanung und einer mangelhaften Fehlerkultur, die immer wieder für ernste Zwischenfälle sorgt. Die Lufthansa wies die Vorwürfe zurück.
Laut dem Nachrichtenmagazin sollen Lufthansa-Flugzeuge aus Kostengründen unnötig hohe Risiken eingehen. Maschinen der Fluglinie würden demnach häufig weniger zusätzlichen Treibstoff tanken als es früher im Unternehmen noch Standard war. Mehreren Flügen habe deshalb nur ein Ausweichflughafen zur Verfügung gestanden, als der ursprüngliche Zielflughafen wegen mangelnder Planung aufseiten der Lufthansa nicht angeflogen werden konnte.
Neben dem Druck von oben, „effizienter“ Kerosin zu tanken, würden auch ein gesunkener Ausbildungsstandard bei den Flugplanern zu den unnötig knapp bemessenen Treibstoffreserven führen, wie der „Spiegel“ unter Berufung auf interne Dokumente und Fallbeschreibungen berichtet.
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Tankfüllung soll oftmals nur noch für einen Ausweichflughafen reichen
Als ein Beispiel nennt das Magazin einen Lufthansa-Flug von Frankfurt in die US-Stadt Atlanta aus dem April 2025. Damals hätten durch eine breite Gewitterfront in der Nähe des Zielflughafens schlechte Flugbedingungen geherrscht. Die ursprünglich vorgesehene Tankfüllung hätte dem Flugzeug neben dem ersten Alternativflughafen Charlotte auch einen Anflug auf den zweiten Alternativflughafen Boston ermöglicht.
Doch die Tankempfehlung sei unternehmensintern als „wirtschaftsschädlich“ einkassiert worden, sodass das Flugzeug, als es wegen des Unwetters ausweichen mussten, nur Charlotte ansteuern konnte. Wäre Charlotte durch andere ebenfalls ausweichende Flugzeuge ausgelastet gewesen, hätte der Vorgang womöglich ernste Konsequenzen haben können, so der „Spiegel“.
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Maschine der Lufthansa soll Flug durch Raketensperrzone geplant haben
Auch bei einem Flug im November diesen Jahres von Frankfurt nach Bogotá in Kolumbien sei der Flugplanung der Lufthansa ein gravierender Fehler unterlaufen: Ihr sei ein Warnhinweis zu einem Raketenstart entlang der Route entgangen. Weil in Florida eine Rakete von Jeff Bezos‘ Raumfahrtkonzern Blue Origin zum Mars aufbrach, war wegen der Gefahr herabfallender Raketenteile eine weitläufige Sperrzone ausgewiesen worden – die die geplante Route der Boeing 787-9 Dreamliner kreuzte.
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Erst als das Flugzeug bereits abgehoben und über dem Nordatlantik war, sei es von der zuständigen Flugsicherung in den Süden umgeleitet worden, wo es wegen mangelnden Treibstoffs in der Dominikanischen Republik landen musste. Andere Fluglinien hätten den Warnhinweis beachtet und entsprechend umgeplant – nur nicht die Lufthansa.
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Lufthansa-Mitarbeiter laut Bericht verärgert über nachlassende Sicherheits-Standards
Der Vorwurf auch von Mitarbeitern: Die Lufthansa nimmt die Sicherheitsrisiken bewusst in Kauf, um Kosten zu sparen. Kritik würde häufig mit Argumenten der Effizienz beiseite geschoben. Nach diesem Mantra handelnde Manager würden auf wichtige für die Sicherheit der Flüge verantwortliche Positionen befördert werden.
Generell würden Lufthansa-Flugzeuge über dem Nordatlantik immer wieder unangenehm auffallen, weil geplante Strecken nach Europa nicht den international festgelegten Einflugsrouten entsprechen würden. Intern habe das für wiederholte Mahnungen gesorgt. Dem „Spiegel“ vorliegende Dokumente würden außerdem noch zahlreiche weitere Missstände in der Unternehmenskultur anführen.
Der Konzern entgegnet gegenüber dem „Spiegel“, dass Sicherheit „zu jedem Zeitpunkt oberste Priorität“ habe. Laut dem Bericht würde auch die Entscheidung, wie viel Kerosin mitgenommen wird, letztlich dem Cockpitpersonal überlassen bleiben, wie es von Lufthansa-Piloten hieße.





