Weniger Bürokratie, schlankere Verfahren, schnelle Planung: Der „Bau-Turbo“ ist eine wichtige befristete Sonderregelung, mit der die Bundesregierung bezahlbaren Wohnraum schaffen will. Doch das Beschleunigungsgesetz, das Bauministerin Verena Hubertz (SPD) auf den Weg gebracht hat, zündet nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Musterhaus.net, dem Hausbau-Portal der FUNKE Mediengruppe. Demnach stufen zwar 53 Prozent der befragten Bauherren den Turbo als wichtig oder sehr wichtig ein. Im Vergleich zu anderen Instrumenten, die das Bauen erleichtern sollen, landet das Gesetzespaket aber auf dem letzten Platz. Denn am Kernproblem, den hohen Kosten, gehe die Sonderregelung vorbei.
Der Bau-Turbo gibt den Kommunen mehr Spielräume: Bebauungspläne sollen in zwei Monaten möglich sein, Nachverdichtung wird erleichtert, Randlagen können schneller als Baugebiete ausgewiesen, Lärmschutzgrenzen flexibler gehandhabt und Brachflächen erschlossen werden. Das soll Angebot schaffen und damit Preise dämpfen. Doch Kommunen müssen mitziehen, Bauland ausweisen und Infrastruktur bereitstellen – und vielen fehlt dafür das Geld.
Auch interessant
Auch Haus & Grund warnt in einem Statement: Ohne entschlossene Bauämter und Investoren werde das Gesetz nichts verändern. IW-Ökonom Michael Voigtländer ergänzte im Interview mit MDR Aktuell: Der Turbo werde „ganz schnell verpuffen“, wenn nicht an den Baukosten angesetzt wird.
Eigenheim kostet durchschnittlich über 500.000 Euro
Genau hier liegt laut Umfrage das Kernproblem für Bauherren. In der frühen Planungsphase belasten die hohen Baukosten 37 Prozent der Befragten. Finanzierungszinsen belasten jeden Dritten (32 Prozent), fehlende oder unsichere Förderung jeden Vierten (26 Prozent). In der Bauphase dominieren unerwartete Kosten und Verzögerungen (je 52 Prozent).
Auch interessant
Diese Kostenrealität trifft besonders jene, die in der Umfrage angaben, sie seien bisher am Hausbau oder -kauf gescheitert – weil der Preis der Immobilie zu hoch war. Sie klagten über hohe Zinsen und hohe Bau- und Nebenkosten, bekamen nicht den benötigten Kredit oder hatten zu wenig Eigenkapital.
Tatsächlich klaffen Budget und Marktlage auseinander: 43 Prozent planen maximal 300.000 Euro für das Eigenheim, doch nur 23 Prozent kamen mit diesem Rahmen auch aus. Laut Europace liegen die durchschnittlichen Neubaukosten aktuell bei knapp 510.000 Euro.
Finanzierung: „Bauen muss insgesamt billiger werden“
86 Prozent der Befragten plädieren nun für steuerliche Anreize, mit denen Baukosten für das Eigenheim direkt abgeschrieben werden können. 69 Prozent wünschen sich wieder direkte, nicht rückzahlbare Zuschüsse nach Vorbild des Baukindergelds.
- Airbnb-Chefin Anselm: Reich werden mit Airbnb? Chefin sagt, wie realistisch das ist
- Lufthansa-Airlines-Chef Ritter: Ist die gedruckte Bordkarte bald Geschichte, Herr Lufthansa-Chef?
- DHL-Chef Meyer: Trägt die Post bald keine Briefe mehr aus, Herr Post-Chef?
- dm-Chef Werner: Drogerie-Chef im Interview: Wird dm zur Apotheke, Herr Werner?
- Eventim-Chef Schulenberg: Eventim-Chef: „Den zehnfachen Preis zu verlangen, ist absurd“
- On-Chef Coppetti: Gibt es bald Fußballschuhe von On? Gründer gibt vielsagende Antwort
Hoch im Kurs stehen auch zinsvergünstigte Darlehen wie KfW 300, eine Senkung der Grunderwerbststeuer oder einfach mehr bereitgestelltes Bauland. Die meisten Bauherren wünschen sich aber mehr Transparenz bei den tatsächlichen Baukosten.
Für Michael Pilzek, Geschäftsführer von Musterhaus.net, ist die Schlussfolgerung klar: „Der Bau-Turbo ist richtig und sinnvoll und wird von der Mehrheit als hilfreich eingestuft. Aber schnellere Verfahren allein reichen nicht. Bauen muss insgesamt billiger werden – über Zuschüsse oder deutlich mehr Möglichkeiten, Baukosten steuerlich geltend zu machen.“
Auch interessant
Bei der nicht repräsentativen Umfrage befragte Musterhaus.net 110 Personen, die jüngst ein Eigenheim gebaut oder gekauft haben oder dies aktuell planen.





