Die Rechtsregierung um Giorgia Meloni in Rom nimmt die Goldbestände der Italiener ins Visier, um die Staatskassen zu füllen. Als erstes EU-Land erwägt Italien eine steuerliche Bereinigung undokumentierter Goldbestände - und zwar gegen eine Einmalabgabe. Viele italienische Familien haben insbesondere in Zeiten finanzieller Instabilität Gold in Form von Schmuck, Münzen und kleinen Barren gesammelt, das häufig über Generationen weitergegeben wurde. Oft existieren keine Belege für den ursprünglichen Kauf.

Nach aktueller Rechtslage müssten Verkäufer auf den gesamten Erlös eine Kapitalertragsteuer von 26 Prozent zahlen. Durch eine einmalige Zahlung von 12,5 Prozent des aktuellen Goldwerts könnten diese Bestände offiziell anerkannt werden, lautet der Plan der Regierung, der mit dem Haushaltsgesetz 2026 umgesetzt werden soll. Bei späteren Verkäufen würde die Kapitalertragsteuer dann nur noch auf den tatsächlichen Gewinn anfallen. Eine Frist zur nachträglichen Meldung des Goldes soll bis Mitte 2026 gelten.

Gold-Besitz in Italien: Meloni spekuliert auf milliardenschwere Einnahmen

Die Regierung rechnet dank dieser Maßnahme mit Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro. Ihr ist bewusst, dass sich der Goldwert allein in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt hat. Die Regierung Meloni geht davon aus, dass sich in den Händen der Italiener zwischen 4500 und 5000 Tonnen Gold befinden - mit einem Gegenwert von bis zu 550 Milliarden Euro (etwa 111.000 Euro pro Kilogramm). Im Wesentlichen sieht der Plan Folgendes vor: Wer Gold sorgfältig aufbewahrt, aber keine Unterlagen besitzt, die Anschaffungskosten oder Kaufwert belegen, kann vom 1. Januar 2026 bis zum 30. Juni 2026 einen Antrag auf steuerliche Neubewertung stellen.

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Dafür wird eine ermäßigte Steuer von 12,5 Prozent fällig - statt der derzeit geltenden 26 Prozent, die auf Personen angewendet werden, die Gold ohne Kaufdokumente veräußern. Die Ersatzsteuer kann nicht nur in einer einzigen Zahlung, sondern auch in drei Jahresraten entrichtet werden. Der Plan wird vor allem von den Regierungsparteien Lega und Forza Italia unterstützt und hat gute Chancen, mit dem Haushaltsgesetz gebilligt zu werden, das das italienische Parlament noch vor Jahresende verabschieden muss.

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Italien: Opposition kritisiert „Amnestie für Steuerhinterzieher“

Der Vorschlag hat jedoch bereits einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. „Mit dieser Maßnahme führt man eine reduzierte Steuer ein, um das Offenlegen und den Verkauf von Gold zu fördern - mit zwei verheerenden Folgen: Einerseits handelt es sich um eine echte Amnestie für jene, die Steuern hinterzogen haben oder - in einigen Fällen - Kapital über das Edelmetall Gold gewaschen haben; andererseits übt man einen subtilen Druck auf die Bürger aus, Besitztümer zu verkaufen, die oft mit Familiengeschichten verbunden sind - Schmuck, Ketten, Armbänder - und verwandelt ein emotionales Erbe in ein Instrument zur Steuererhebung“, kritisiert Senator Mario Turco, Vizepräsident der oppositionellen Fünf-Sterne-Bewegung.

Für Elisabetta Piccolotti von der linksgrünen Oppositionskraft „Alleanza Verdi e Sinistra“ (AVS) wäre die Regierungsmaßnahme ein „Geschenk für Steuerhinterzieher“. „Erneut wird die Regularisierung von Kapital und Vermögen begünstigt, die aus Steuerhinterziehung stammen“, protestierte die linke Politikerin. In der laufenden Haushaltsdebatte sorgt auch das Gold der italienischen Notenbank für Diskussionen.

Italien: „Goldreserven gehören dem Staat“

Melonis Rechtspartei Fratelli d‘Italia hat im Parlament einen Änderungsantrag zum Haushaltsgesetz eingebracht, in dem festgehalten wird, die Goldreserven „gehörten dem Staat, im Namen des italienischen Volkes“. Die Initiative spiegelt eine langjährige Forderung Melonis wider, die die ausschließliche Verfügbarkeit des Goldes durch den italienischen Staat sichern will. Italien hält rund 2452 Tonnen Gold im Wert von etwa 200 Milliarden Euro. Davon lagern 1061 Tonnen in Fort Knox (USA), 44,9 Prozent in den Tresoren der Banca d‘Italia, der Rest in Großbritannien und der Schweiz.

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Meloni betont, dass diese Reserven eine zentrale staatliche Ressource sowie ein wesentliches Instrument zur Sicherung der nationalen Unabhängigkeit und Finanzstabilität seien. Der aktuelle Gesetzesvorstoß soll einen klaren Eigentumsanspruch des italienischen Staates auf das Gold definieren. Die Frage der Eigentumsrechte war bereits zuvor Thema. Vorschläge, Teile der Reserven zu verkaufen oder zurückzuführen, wurden von der Zentralbank und der Europäischen Zentralbank gestoppt, um Risiken auf den Finanzmärkten zu vermeiden. Immer wieder gibt es politische Forderungen, Gold zu verkaufen, um Schulden zu senken oder Ausgaben zu finanzieren. Die Notenbank lehnt das ab, da Gold als strategische Sicherheit dient.