Der US-Chiphersteller Nvidia übertrifft als erstes Unternehmen die Marke von fünf Billionen US-Dollar Börsenwert. In New York legte die Aktie am Mittwoch um gut drei Prozent auf über 207 Dollar zu. Was Anleger wissen müssen, ob man jetzt noch einsteigen sollte – und mit welchen Rückschlägen man rechnen muss. Fragen und Antworten zu dem wohl größten Profiteur des Booms bei Künstlicher Intelligenz (KI).

Warum ist Nvidia führend beim Thema KI?

Nvidia hat früh erkannt, dass Grafikprozessoren besonders gut für die Berechnung großer Datenmengen geeignet sind, wie sie beim Training von KI-Modellen anfallen. Statt nur Chips zu verkaufen, entwickelten die US-Amerikaner aber ein komplettes System aus Hard- und Software, das perfekt aufeinander abgestimmt ist und von Forschern und Unternehmen weltweit genutzt wird.

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Mittlerweile treiben die leistungsstarken Rechenmodule des Konzerns die Server vieler großer Technologieunternehmen an. Dank seiner Innovationskraft, enger Partnerschaften und langfristigen Investitionen hat sich Nvidia Experten zufolge einen deutlichen Vorsprung gegenüber möglichen Wettbewerbern erarbeitet. „Das KI-Narrativ läuft weiterhin. Und Nvidia ist der Hardwarewert, der dabei im Zentrum steht“, sagt Börsenfachmann Christian Röhl, der Chefvolkswirt der Investmentplattform Scalable Capital ist, unserer Redaktion.

Warum steigt Nvidia gerade jetzt?

Kurzfristig dürfte auch das für diesen Donnerstag geplante Treffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping beflügelnd auf die Aktie gewirkt haben. Röhl wiegelt jedoch ab. Langfristig sei nicht davon auszugehen, dass sich die Rivalität wegverhandeln lasse.

„Dieses epische Ringen zwischen den USA und China wird eines der Leitmotive der nächsten Jahrzehnte bleiben, wenn es um die Vormachtstellung in der Welt geht“, glaubt der Investor. Mit Blick auf ein Technologiethema wie KI sei das aber gar nicht schlecht, erklärt Röhl und verweist auf den Wettlauf ins All in den 1950er- und 1960er-Jahren zwischen Amerika und der Sowjetunion. „Gerade diese Rivalität hat dafür gesorgt, dass sich das Fortschrittstempo extrem beschleunigt hat“, sagt der Börsenfachmann. Möglicherweise könnte es beim Thema KI ähnlich sein.

Sollten Anleger jetzt noch einsteigen?

Das hängt vom eigenen Zeithorizont ab. Grundsätzlich ist aus heutiger Sicht schwer abschätzbar, wie groß die zu erzielenden Fortschritte in vielen Bereichen mithilfe der Künstlichen Intelligenz sein werden. „Wir neigen tendenziell dazu, das kurzfristige Tempo solcher Umbrüche zu überschätzen und die langfristigen Auswirkungen zu unterschätzen“, sagt Röhl. Auch bei Internet und Smartphone sei das so gewesen und habe in „beiden Fällen länger gedauert, als man zunächst spekuliert hat“, so der Fachmann.

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Hinzu kommt: Rückschläge gehörten bei allen technischen Weiterentwicklungen in der Geschichte der Menschheit irgendwann mal dazu. Nicht auszuschließen ist zudem, dass Pioniere aus der Anfangszeit irgendwann überholt werden. Röhl verweist auf das Internet und Firmen wie AOL, Altavista, Lycos oder Yahoo: „Das war mal die Zukunft des Internets, und andere wie Amazon haben es dann geschafft. Ähnlich könnte es auch beim Thema KI laufen.“

Was bedeutet das neue Hoch bei Nvidia für ETFs?

Nvidia macht einen großen Anteil an vielen breit gestreuten und thematischen börsengehandelten Fonds, sogenannten ETFs, aus. Steigen die Kurse des Unternehmens – so wie in jüngster Zeit –, zieht das automatisch ETFs mit, die diese Aktie im Portfolio haben. Ein neues Hoch kann also die Fonds-Performance stützen. Im bekannten MSCI World und dem breiteren MSCI All Country World Index mache das Unternehmen aktuell je um die Prozentpunkte vom gesamten Index aus und sei damit das am stärksten vertretene Unternehmen, sagt die Geldanlage-Expertin Nadine Graf vom Geldratgeber Finanztip dieser Redaktion.

„Das ist allerdings ganz normal und macht Nvidia einen solchen ETF nicht zu einem Einzelwert- oder Klumpenrisiko. Die Indizes werden regelmäßig angepasst“, betont Graf. Vermeiden sollten Anlegende allerdings Branchen-ETFs allgemein und bezogen auf Nvidia vor allem Branchen-ETFs auf Tech-Werte. Denn dadurch könnte ein Tech-Übergewicht im Depot entstehen, was das Risiko erhöht, so die Finanzkennerin.

Börsenexperte Christian Röhl wischt Kritik daran, dass viele ETFs zu technologielastig aufgestellt seien, weg. „Man muss ja sagen: zum Glück. Denn KI ist das, was die Märkte antreibt.“ Er beobachte, wie sich die Wertschöpfung von klassischen Unternehmen hin zu Technologieunternehmen verlagere. „Und solche Indizes spiegeln genau diese Entwicklung wider.“

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Als Beispiel für seine These nennt Röhl das dänische Gesundheitsunternehmen Novo Nordisk (Wegovy). Der Konzern arbeite derzeit daran, den größten Supercomputer der Welt für die pharmazeutische Industrie zu bauen. Mithilfe von KI sollen dann Wirkstoffe virtuell simuliert und die Forschung massiv beschleunigt werden. Röhl beschreibt das neue Wirtschaftsgefüge so: „Bevor der allererste Wirkstoff da getestet wird, haben an diesem Supercomputer Chiphersteller, Systemintegratoren und Softwareproduzenten Milliarden verdient.“ Technologiewerte seien entsprechend die ersten Unternehmen, die von Umbrüchen profitierten – bevor andere Wirtschaftssektoren dann mit KI entsprechende Produktivitätsfortschritte erzielen könnten, so Röhl.

Was, wenn im eigenen Depot ein Tech-Übergewicht besteht?

Sicher ist: Wenn es eine Korrektur gibt, werden die Werte dann wieder entsprechend sinken. Unwahrscheinlich sind solche Kursschwankungen nicht – sie gehören an der Börse dazu, wie die Geschichte zeigt. „Wer Angst davor hat und diesem Effekt proaktiv begegnen möchte, kann zum Beispiel einen MSCI World ex USA beimischen“, sagt Röhl. Das ist ein Index, der gänzlich ohne Firmen aus den USA auskommt – und somit aber auch ohne viele führende Tech-Firmen.

Welche Alternativen gibt es neben Nvidia für Anleger, die noch in KI investieren wollen?

Wer vom KI-Trend profitieren möchte – und nicht in Nvidia investieren will –, hat zum Beispiel mit Microsoft, Amazon, Broadcom, Marvell Technology, Oracle und Alphabet Alternativen. Microsoft und Amazon treiben den KI-Einsatz über ihre Cloud-Plattformen Azure und AWS voran. Broadcom und Marvell liefern als Zulieferer Chip- und Netzwerkinfrastruktur. Oracle wiederum profitiert von der wachsenden Nachfrage nach datengetriebenen Unternehmenslösungen, und Alphabet investiert mit Google-KI und DeepMind massiv in Forschung und Anwendungen.

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Merz und die Töchter
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Wer nicht auf Einzelaktien setzen will, kann auch in KI-ETFs investieren. Eine Option dabei: Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF. „Das Einzigartige an dem Index ist, dass er die Aktien anhand der Patentaktivität der Unternehmen selektiert und somit einen zukunftsgerichteten Blick hat“, sagt Thorsten Weinelt, Chefanlagestratege im Privat- und Unternehmerkundengeschäft der Commerzbank, gegenüber dieser Redaktion. Interessant: Um die Patente weltweit zu identifizieren, nutzt der Index selbst KI. Investiert wird über den ETF in etwa 100 Unternehmen, ohne dabei eine zu hohe Konzentration in Einzeltitel aufzubauen (maximal 4,5 Prozent Gewicht pro Titel).