Dass der Düsseldorfer Rüstungsriese Rheinmetall als Sponsor des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund auftritt, ist bei BVB-Fans umstritten. Vor der Hauptversammlung des Unternehmens verteidigt Rheinmetall-Aufsichtsratschef Ulrich Grillo das Vorgehen des Konzerns. Es gehe um die Botschaft, dass Rheinmetall „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ sei, schreibt der Duisburger Unternehmer Grillo in einem Brief an die Aktionäre.
„Aus meiner Sicht ist die offensive Einnahme dieser neuen Rolle in der Mitte der Gesellschaft wichtig, denn wir haben gesehen, dass Europa, Deutschland und auch Rheinmetall als Unternehmen Verantwortung für die Bewahrung von Freiheit und Sicherheit übernehmen müssen“, betont Grillo, der als Familienunternehmer die Duisburger Grillo-Werke führt und darüber hinaus seit 2017 Vorsitzender des Rheinmetall-Aufsichtsrats ist.
Rheinmetall-Chef Papperger bezieht sich auf Einschätzungen der Bundeswehr
In seiner vorab veröffentlichten Rede für die digitale Hauptversammlung betont Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger, Deutschland müsse schnell aufrüsten, um für den Fall eines möglichen russischen Angriffs auf das Gebiet des Militärbündnisses Nato gewappnet zu sein. Der Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer habe es „unmissverständlich klargemacht“, so Papperger. Russland strebe an, „in fünf bis acht Jahren seine Streitkräfte so weit wiederaufzubauen, dass es Nato-Territorium angreifen kann“.
„Unsere liberale Demokratie muss genau jetzt geschützt werden“, mahnt Papperger und fügt hinzu: „Unsere Strategie ist Ausdruck einer Grundhaltung, die lautet: Wir – und das sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Rheinmetall – übernehmen Verantwortung für Freiheit und für Sicherheit.“
Kritische Aktionäre warnen vor Normalisierung von Waffengeschäften
Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre hat Rheinmetall schon vor einigen Monaten vorgeworfen, mit Werbung im Stadion von Borussia Dortmund eine gesellschaftliche Normalisierung von Waffengeschäften bewirken zu wollen. Bei der Hauptversammlung am 13. Mai kritisiert der Dachverband unter anderem die enge Kooperation von Rheinmetall mit Ungarn. Angesichts einer autoritären Politik der ungarischen Regierung von Viktor Orban sei das Vorgehen von Rheinmetall „verantwortungslos“. Rheinmetall präsentiere sich gerne „öffentlich als Garant für Sicherheit, Freiheit und demokratische Werte“, heißt es in einem Gegenantrag des Dachverbands zur Hauptversammlung. Doch die Realität zeige „ein anderes Bild“. Auch Lieferungen an Länder der Nahost-Region werden von der Aktionärsvereinigung scharf kritisiert.
Aufsichtsratschef Ulrich Grillo hebt in seinem Brief an die Aktionäre insbesondere die Rolle von Rheinmetall im Inland hervor. Das Unternehme leiste einen wichtigen Beitrag dazu, „Streitkräfte und Sicherheitsorgane in die Lage zu versetzen, die Werte und Freiheit unserer westlichen Demokratie zu verteidigen“, so Grillo.
Deutschland befindet sich „erst am Anfang einer langen Wegstrecke“, betont Grillo und verweist auf eine veränderte Haltung der Amerikaner zur Nato. „Wir Europäer erkennen, dass wir uns zu lange in der Hoffnung gewähnt haben, unsere Sicherheitsaktivitäten auf einem niedrigeren Niveau halten zu können. Diese Hoffnung ist durch die neue Realität überholt worden und wir müssen unsere Sicherheitsbedürfnisse selber in die Hand nehmen, was eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben in Deutschland und Europa über einen längeren Zeitraum erforderlich machen wird.“