Zusammenfassung
- Dynamische Stromtarife ermöglichen Haushalten, ihren Stromverbrauch flexibel zu planen und Kosten zu sparen, indem sie den Verbrauch auf Zeiten mit niedrigeren Börsenstrompreisen verlagern.
- Die Voraussetzung ist, dass in Haushalten ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) verbaut ist, das den Stromverbrauch in Echtzeit überwacht und steuert.
- Haushalte mit hohem Stromverbrauch und flexiblen Verbrauchsgewohnheiten, wie solche mit Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen, profitieren am meisten von dynamischen Tarifen, während durchschnittliche Haushalte oft keine signifikanten Einsparungen erzielen.
Die Energiewende bringt wichtige Reformen für die Haushalte in Deutschland. Neue, dynamische Stromtarife, die sich nach Börsenpreisen richten, geben Verbrauchern erstmals die Möglichkeit, den Zeitpunkt des Energieverbrauchs zu planen. Dahinter steckt die Idee, immer dann das E-Auto zu Hause laden, die Wäsche zu waschen oder den Trockner anzuwerfen, wenn der Strom gerade am günstigsten ist.
Seit Jahresbeginn müssen alle Stromversorger Kundinnen und Kunden einen solchen Tarif anbieten. Millionen intelligente Stromzähler werden in den kommenden Jahren installiert. Doch für wen lohnen sich smarte Tarife und smarte Geräte eigentlich? Das Wichtigste im Überblick.
Festpreis, dynamisch, variabel: Diese Tarifarten gibt es
Festpreistarife: Das sind die klassischen Tarife, die bislang angeboten wurden. Sie haben einen festen Grundpreis sowie einen fixen Arbeitspreis, der in Cent pro Kilowattstunde abgerechnet wird. Das Risiko schwankender Preise an der Strombörse übernehmen die Stromanbieter, sie preisen es allerdings ein. Das bedeutet: Preise gelten als vereinbart, sinken die Kosten, profitieren die Verbraucher nicht.
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Variable Tarife: Bei ihnen kann sich der Arbeitspreis meist monatlich ändern. Bei zeit-variablen Tarifen gibt es zwar unterschiedliche Preise je nach Tageszeit, diese sind jedoch überwiegend schon vorher festgelegt, so etwa bei Tag- und Nachtstrom, erklärt Hasibe Dündar, Energierechtsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin. Angeboten werden diese Tarife bereits seit Jahren, etwa für Nachtspeicherheizungen. Bei last-variablen Tarifen werden die Preise an die Nachfrage und Netzbelastung angepasst, was vornehmlich die Netzbetreiber steuern. Angeboten werden sie etwa für steuerbare Nachtspeicherheizungen, Wärmepumpen oder Ladestationen für Elektroautos.
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Dynamische Tarife: Der entscheidende Unterschied ist, dass es keine festen Arbeitspreise je Kilowattstunde gibt. Die Anbieter kaufen zu tagesaktuellen Preisen an der Strombörse EPEX Spot ein. Der Preis ist an den aktuellen Börsenstrompreis gekoppelt, er kann also stündlich oder täglich schwanken, abhängig von Angebot und Nachfrage an der Strombörse. Die Stromanbieter stellen ihre Preise mittags für den nächsten Tag ein – abrufbar auf der Internetseite oder per App. Passen Nutzer ihren Stromverbrauch entsprechend an, können sie unter Umständen Kosten sparen. Ein dynamischer Tarif setzt sich aus einem fixen Anteil für Steuern, Umlagen, Abgaben und Netzentgelte sowie dem dynamischen Börsenpreis zusammen. Wichtig: Das Preisrisiko liegt beim Verbraucher. Wer einen dynamischen Stromtarif abschließen will, sollte sich vorab gut erkundigen, rät Dündar.
Wie finden Verbraucher dynamische Stromtarife?
Dynamische Tarife finden Verbraucher über Vergleichsportale wie etwa Verivox oder Check24. Dort lassen sich die Tarifarten filtern. Doch oft sind die gefundenen dynamischen Tarife komplexer als klassische Tarife und schwer miteinander vergleichbar. Denn die dort ausgewiesenen Preise sind, anders als bei Festpreistarifen, nicht immer aussagekräftig – und könnten sich ab dem zweiten Monat ändern. Die Verbraucherzentrale NRW rät, den Vergleichsergebnissen zunächst keine Beachtung zu schenken. Verbraucher sollten auf die Internetseite des Anbieters gehen, um dessen Modell genau zu verstehen.
Eine Stichprobe von Verivox in den 50 größten Städte Deutschlands zeigte Ende vergangenen Jahres, dass Grundversorger aktuell in 45 von 50 Städten einen dynamischen Stromtarif anbieten. Damit habe sich seit Herbst 2023 die Zahl der regionalen Angebote von dynamischen Stromtarifen verzehnfacht.
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Was müssen Verbraucher vor Vertragsabschluss beachten?
„Verbraucher sollten nicht vorschnell einen Vertrag mit einem dynamischen Stromtarif abschließen“, rät Dündar. Mögliche Preisschwankungen an der Börse – die durch die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne zunehmen – könnten sich positiv, aber auch negativ auswirken. Zuletzt hatten stark gestiegene Börsenstrompreise für Aufsehen gesorgt vor dem Hintergrund von „Dunkelflauten“ – wenn also wenig Wind weht und wenig Sonne scheint und somit wenig günstiger Strom aus erneuerbaren Energien produziert wird.
In der Regel haben dynamische Tarife zwar ohnehin kurze Vertragslaufzeiten. Es gibt aber vereinzelt Anbieter, die Verbraucher bis zu einem Jahr binden. Daher rät Dündar vor einem Vertragsabschluss: „Achten Sie auf eine kurze Laufzeit. Dann können sie unkompliziert in einen Festpreistarif wechseln, falls der Tarif doch nicht den Erwartungen entspricht.“

Welche technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein?
Voraussetzung für die Nutzung eines dynamischen Stromtarifs ist ein „intelligentes Messsystem“ – das ist ein digitaler Stromzähler, der auch als Smart Meter bezeichnet wird. Grundsätzlich ist der Einbau verpflichtend bei allen Verbrauchern ab einem Jahresstromverbrauch von über 6000 Kilowattstunden oder einer Photovoltaik-Anlage mit einer installierten Leistung von mehr als sieben Kilowatt. Das erreichen nicht viele private Haushalte. Laut Bundesnetzagentur waren zum Stichtag 31.12.2024 rund 1,2 Millionen intelligente Messsysteme in Deutschland verbaut. Das sind knapp über zwei Prozent aller Messstellen.
Was genau ist ein Smart Meter?
Smart Meter senden den Zählerstand automatisch zum Energieversorger. Der Stromverbrauch eines Haushalts wird in 15-minütige Intervalle aufgeteilt, die Daten einmal täglich über das Mobilfunknetz an den Messstellenbetreiber gesendet.
Aber Achtung: Smart Meter werden oft mit modernen Messeinrichtungen (mME) verwechselt, die äußerlich einem Smart Meter ähneln, weil auch sie ein digitales Zählerdisplay haben. Smart Meter aber haben zusätzlich eine Kommunikationseinheit (Gateway). Sie ermöglicht die automatisierte Datenübertragung und auch eine Steuerung von Geräten im Haushalt. Nur mit Smart Metern können so Verbräuchen für bestimmte Zeiträume oder im Tagesverlauf nachvollzogen werden – und dynamische Stromtarife genutzt werden.
Was kostet ein Smart Meter?
Verbraucher haben ab 2025 die Möglichkeit, den Einbau eines intelligenten Messsystems zu verlangen. Seit Jahresbeginn gilt, dass der sogenannte Messstellenbetreiber diesen dann innerhalb von vier Monaten vornehmen muss. Laut Wirtschaftsministerium sollen bis 2032 die Smart Meter flächendeckend in Haushalten und Unternehmen zum Einsatz kommen.
Laut Verbraucherzentrale betragen die jährlichen Kosten für einen Smart Meter für Haushalte bis 10.000 Kilowattstunden Stromverbrauch 20 Euro pro Jahr und für Haushalte mit Wärmepumpe und Elektroauto-Ladestation 50 Euro pro Jahr. Die vorzeitige Ausstattung kostet zusätzlich einmalig 30 Euro.
Achtung: Die Verbraucherzentrale berichtet mit Verweis auf Messstellenbetreiber, dass bei etwa einem Viertel aller Haushalte ein Umbau des Zählerschranks notwendig sei. Besonders betroffen seien Häuser, die vor 1965 gebaut wurden. Mit dem Umbau sind schnell hohe Kosten von bis zu mehreren tausend Euro verbunden, warnen die Verbraucherschützer.
Wer profitiert besonders von dynamischen Stromtarifen?
Eine Fünfjahresanalyse des Vergleichsportals Verivox zeigt: Für einen durchschnittlichen Haushalt lohnen sich solche Börsenstromtarife preislich bisher nicht. Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, sagt: „Zwar gab es immer wieder Phasen, in denen dynamische Tarife auch günstiger waren, allerdings unterliegen sie teilweise enormen Preisschwankungen.
Dynamische Stromtarife eignen sich besonders für Haushalte, die viel Strom verbrauchen – mehr als 6000 Kilowattstunden pro Jahr – und ihren Verbrauch flexibel anpassen können. Dazu gehören Haushalte, die eine Photovoltaikanlage betreiben, eine Wallbox zum Laden des E-Autos haben oder eine Wärmepumpe für das Heizen und die Warmwasseraufbereitung nutzen.
Wer seine Wärmepumpe mit den smarten Messgeräten kombinieren will, sollte wissen: Zusätzlich braucht man noch eine Regelungstechnik, die Wärmepumpenhersteller bereitstellen. Ist der Anteil an erneuerbarer Energie im Strommix hoch und der Preis niedrig, schaltet sich die Wärmepumpe bei Bedarf an. Ist das Gegenteil der Fall, verschiebt man die Wärmeerzeugung auf eine günstigere Stunde.
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Ein Beispiel: Ist es im Herbst und Frühling kalt und viel Solarstrom im Netz, heizt die Wärmepumpe das Haus zwischen 12 und 16 Uhr mit billigem Solarstrom auf. Nach Sonnenuntergang, wenn der Strom wieder teurer wird, kann sie dann gedrosselt werden.
Besonders wirkungsvoll ist diese Kombination, wenn man im Haus zudem einen größeren Warmwasserspeicher für die Heizung hat – auch Pufferspeicher genannt. Der Wasserspeicher werde dann vorrangig beladen, wenn der Strom besonders günstig ist. Der Pufferspeicher könne die Wärme über mehrere Stunden ohne große Verluste halten und bei Bedarf an die Heizkörper abgeben – so heizt man mit günstigem Strom. „In den günstigen Stunden zahlen Verbraucher mancherorts bestenfalls unter 20 Cent brutto je Kilowattstunde“, informiert der ADAC.
Wie viel kann ein Haushalt mit einem dynamischen Tarif sparen?
Das Verbraucherportal Finanztip hat typische Beispiele durchgerechnet. Verschiebt ein Haushalt das Wäschewaschen vom Abend in den Nachmittag, können bei einem 60-Grad-Waschgang bei voller Beladung der Trommel rund 13 Cent gespart werden. Wird ein E-Auto nachts und nicht am Abend geladen, könnten es locker vier bis fünf Euro bei einer Vollladung sein, so Finanztip. Werde der Trockner nachmittags gestartet, koste das mehr als 10 Cent weniger.
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Der ADAC geht in seinen Berechnungen davon aus, dass Haushalte mit dynamischen Stromtarifen im Vergleich zum Grundversorgerpreis zwischen 10 und 35 Prozent sparen. Wer jedoch keine Großverbraucher wie ein E-Auto habe und nicht gezielt die günstigen Tageszeiten nutze, zahle im Monat ähnlich viel wie mit einem Neukundenvertrag zum Festpreistarif. mit dpa






