Es könnte der Knotenlöser für alle drei laufenden Tarifrunden im Bankensektor sein: Die rund 15.000 Beschäftigten der Postbank erhalten in mehreren Schritten Lohnerhöhungen, Einmalzahlungen – und eine um ein Jahr bis Ende Januar 2024 verlängerte Jobgarantie. Darauf einigten sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Deutsche Bank als Postbank-Mutter bereits in ihrer dritten Verhandlungsrunde.

Es ist eine überraschend schnelle Einigung geworden, schließlich hat Verdi mit den übrigen Privatbanken bereits vier ergebnislose Tarifrunden und mit den öffentlichen Banken sogar fünf Runden ohne entscheidende Annäherung hinter sich. Die Verhandlungen mit den größten Arbeitgeberverbänden ziehen sich bereits seit dem vergangenen Sommer. Die Gespräche mit der Deutschen Bank über den Haustarif der Postbank begannen als letztes und führten nun zuerst zum Ziel. Sie dürften nicht eins zu eins übernommen werden, aber in den Grundzügen durchaus Pilotcharakter auch für die anderen Geldinstitute haben. Die lange Nullzinsphase und der Schub fürs Onlinebanking machen den Filialbanken seit Jahren schwer zu schaffen.

Fünf Nullmonate, aber zweimal 750 Euro extra

Der Tarifvertrag läuft über 25 Monate und enthält eine Entgelterhöhung um 3,1 Prozent in diesem Juni sowie eine weitere um 2,1 Prozent ab Februar 2023, mindestens aber 100 Euro, was den prozentualen Aufschlag für die unteren Gehaltsgruppen erhöht. Da der Vertrag rückwirkend ab 1. Januar gilt, enthält er fünf Nullmonate beim Tariflohn. Dafür erhalten die Beschäftigten zwei Einmalzahlungen von je 750 Euro in diesem Mai und im kommenden Januar.

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Die Vergütungen der Auszubildenden steigen in zwei Schritten um je 50 Euro monatlich. Dazu erhalten sie im Mai 2022 und im Januar 2023 einmalig je 200 Euro. Zudem erhalten Auszubildende der Abschlussjahrgänge 2022 und 2023 das Recht auf eine unbefristete Übernahme, wenn sie einen Notendurchschnitt von mindestens 2,6 erreichen.

Recht auf drei Tage Homeoffice in der Woche

Einer der strittigsten Punkte war zumindest bei den übrigen Privatbanken bisher das von Verdi geforderte Recht auf Homeoffice auch nach der Corona-Pandemie. Für die Postbank-Beschäftigten einigte sich Verdi mit der Deutschen Bank nun darauf, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Tätigkeit dies erlaubt, bis zu 60 Prozent mobil arbeiten können, also in der Regel zu Hause. Im Vollzeitjob wären das drei von fünf Wochentagen.

Für die älteren Kolleginnen und Kollegen enthält der Tarifabschluss die Möglichkeit, ab 56 für neun Jahre in Alterszeit gehen zu können. Sie können ihre Arbeitszeit dauerhaft halbieren oder im Block viereinhalb Jahre voll arbeiten und sich dann zur Ruhe setzen. Die Arbeitgeberin stockt in diesen Fällen die Altersteilzeitvergütung von 50 auf 85 Prozent auf.

Verdi und Deutsche Bank mit Abschluss zufrieden

Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck sprach von einem „guten Ergebnis für die Beschäftigten in extrem unsicheren Zeiten“. Man habe „besonders für Beschäftigte in den unteren Gehaltsgruppen viel erreicht“. Michael Ilgner, Personalchef der Deutschen Bank, sagte: „Ich bin dankbar, dass wir gemeinsam eine tragfähige Lösung gefunden haben, denn der neue Tarifvertrag schafft Sicherheit für einen großen Teil unserer Mitarbeitenden in Deutschland.“

Verdi verhandelt parallel mit den anderen Privatbanken über einen Tarifvertrag für deren rund 140 000 Beschäftigte. In der vierten Runde im Januar gab es laut Verdi kein neues Angebot des Arbeitgeberverbands AGV. Gesonderte Gespräche führt die Gewerkschaft auch mit den öffentlichen Landes- und Förderbanken mit insgesamt rund 60.000 Beschäftigten. Hier gingen die Parteien im Januar bereits in fünfter Runde ergebnislos auseinander. Verdi reagierte unlängst mit bundesweiten zweitägigen Streiks.