Frittenführer Ruhrgebiet

Marlies Rosin: Ihre Pommes haben Seele

Foto: WAZ

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Dorsten. Marlies Rosins Glückauf-Grill in Dorsten zählt zu den fünf Besten im Ruhrgebiet. Die 70-Jährige ist berühmt für ihre selbstgemachte Currysoße und ihre Frikadellen, ihr Sohn Frank hingegen für seinen Stern.

Wer sie kennen lernt, der erahnt schnell das Geheimnis hinter ihrer CPM, ihrer Currywurst, Pommes, Mayo. Knusprig sind die, keine Frage. Gelbgold. Nicht zu salzig, nicht zu fad. Und die Currysoße, die wird noch nach dem Original-Rezept ihrer Schwester Regina gerührt. „Chefin kommt!” hat Lea Celine gerade gerufen, die zweieinhalbjährige Tochter ihrer Mitarbeiterin Sabine. Die Chefin! Und dann steht Marlies Rosin in ihrem gerade einmal zwanzig Quadratmeter großen, kleinen Reich. Umarmt alle im Raum mit ihrem Lachen. Und das Geheimnis ihrer CPD ist keines mehr: Ihre Pommes haben Seele!

Rosin aus Dorsten? Ist das etwa. . . Ja, sie ist! Die Mutter nämlich vom Sternekoch Frank. Aber als Marlies mit ihrer Fritten-Schmiede begann, da hatte der gerade mal seine Windelphase hinter sich. Marlies und ihr Ehemann betrieben damals den angeblich ersten Pommes-Großhandel in Deutschland. Als sie erfuhren, dass die Pächter des kleinen Kiosk in der Glückauf-Straße in Dorsten diesen schon nach einem Jahr wieder aufgeben wollten, stieg Marlies ein in dieses Geschäft. „Dabei war ich bis dahin eher ein Büromensch”, sagt sie. Dass am ersten Tag folglich mehr Soße auf ihrer Hose landete als auf den Pommes, ist längst Legende.

Dass die Menschen in der Zechensiedlung rundherum erst erobert werden wollten („Dorsten-Hervest, ein eigenes Völkchen!”), dürfte für eine wie Frau Rosin kein ernsthaftes Problem gewesen sein. Heute kommen längst die Kinder jener Kinder, die einst bei ihr für zehn Pfennig Süßes kauften. Aus den Pfennigen sind Cent geworden, aber die Colafläschen, Lakritzstangen und selbst die Wundertüten, sie blieben. So, wie die Männer samstags vorbeikommen, um an Marlies' Radio ihren Fußball live mitzuerleben. So, wie sich mancher im Viertel seinen Tag kaum vorstellen mag ohne bei ihr rein zu schneien.

„Die haben es gern, wenn ich da bin!”, sagt Frau Rosin und es klingt alles andere als unbescheiden. Eben selbstverständlich. Es ist, wie es ist. Marlies Rosin kennt die Menschen hier seit 32 Jahren, „sie sind mir ans Herz gewachsen”. Sie kennt ihre Frauen, ihre Kinder, ihre Nöte. Undenkbar, dass die nun 70-Jährige mit ihrem Auto vorfährt und selbst die Waren ausladen muss.

Es ist Mittag. Willi und Lazlo gucken vorbei, kommen direkt von der Katharinen-Kirmes in der Dorstener Innenstadt. Haben noch etwas Platz gelassen in ihren Mägen für Pommes. Pommes geht schließlich immer. „Willi”, sagt Marlies, „arbeitet bei Hüls, hat Wechselschichten. Wenn er Zeit hat, besucht er uns immer”. Das Fett zischt, die Kartoffeln bruzzeln. Willi und Lazlo schäkern ein wenig mit den Damen hinter dem Tresen. Jahre arbeiten auch die schon für Marlies Rosin. „Das könnten alles meine Töchter sein”, sagt die über ihre vier Mädels.

Ohnehin ist es ein guter Tag für die Dorstenerin. Eben hat sie erfahren, dass sie im neuen „Pommes Führer Ruhr” mit fünf Pommes ausgezeichnet wurde. Besser geht es nicht. „Finde ich ja heiß!”, sagt sie deshalb immer wieder, während sie in dem Buch blättert: „Schöne Fotos. Gute Texte. Ach, wegen unserer selbstgemachten Frikadellen und der Currysoße. . . Ist ja heiß!”

Was will man also mehr schreiben über Marlies Rosin. Ach ja, eins noch: Am 8. Dezember tritt Marlies gegen Sohn Frank an beim „Fastfood-Duell” auf Kabel 1. Beide bruzzeln dann auf Wunsch eines Gastes. Der Blindtest soll ans Licht bringen, wer besser ist, Mutter oder Sohn, die Fritten-Bruzzlerin mit dem großen Herz oder der telegene Sternekoch. Was der gerne isst, wenn er keine Kamera in der Nähe hat, ist auch bekannt. Mamas Jägerschnitzel mit Pommes.

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