Spektakuläres Gebäude steht noch immer leer

Hingeklotzt auf Zollverein

Foto: Frank Vinken / waz

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Essen. Der Bau der „Zollverein School of Design and Management” wird kaum genutzt, nicht selten steht er leer. Ein Vorzeige-Bau droht, zum Millionen-Grab zu werden.

Dem spektakulären Würfelbau der „Zollverein School of Design and Management”, vor anderthalb Jahren im Essener Norden eingeweiht, droht ein Ende als 20 Millionen Euro teures Subventionsgrab. Sie schwärmten von einem „wunderbar visionären Nest”, damals, im Sommer 2006, als Städtebauminister Oliver Wittke zur Eröffnung auf dem Zollverein-Gelände erschien. Japanische Architekten errichteten ein statisches Wunderwerk an der Gelsenkirchener Straße, einen Würfel aus bemerkenswert dünnen Wänden mit 134 Fenstern, die wie zufällig angeordnet erscheinen und doch für gleichmäßiges Licht sorgen. Architektur-Magazine in aller Welt brachten den Würfel auf ihre Titelseiten, und es hieß, „kreative Arbeitsplätze” seien entstanden, und dann . . .

. . . suchte der Gründungsrektor noch vor Beginn des Lehrbetriebs das Weite – was damals kaum einem so richtig auffiel. „Er folgt einem Ruf der Uni Darmstadt”, hieß es offiziell. Dann stellte sich heraus, dass der Würfel zwar sehr schön ist, aber eigentlich zu nichts nutze: Die Seminarräume sind klein. Dafür gibt es weitläufige Zwischengeschosse, in denen es so laut hallt, dass konzentrierte Kopfarbeit kaum möglich ist.

Fehler in der Planung

Und offenbar nur Wenige hatten das ganze Konzept mal richtig durchgerechnet: 150 Studenten sollten hier berufsbegleitend ihren „Master” machen in Sachen Kreativwirtschaft. 20 Monate Uni für 22.000 Euro Studiengebühr – damit seien auch die jährlichen Betriebskosten des Würfelbaus zu stemmen, die zwischen 300.000 und 400.000 Euro jährlich liegen. Wie hoch die wirklich sind, weiß aber niemand, was nicht für eine gründliche Planung spricht. Sie reicht zurück bis in die Zeit der rot-grünen Landesregierung.

Es kamen nur 30 Studenten. Die Betriebskosten zwangen die „Zollverein School” in die Knie. Die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) sprang ein und übernimmt seitdem die Betriebskosten. Wenn in den nächsten Monaten kein Investor auf den Plan tritt, ist das Ende der „Zollverein School” nicht zu verhindern. „Wer jetzt eine sechsstellige Summe in die Hand nimmt, kann hier in ein paar Jahren viel Geld verdienen”, so Geschäftsführer Stefan Frigger.

Einige wollten dort schon heiraten

Zurzeit kommen die Studenten noch in jeder dritten Woche für je vier Tage, ansonsten steht der Würfel nicht selten leer, sagen Beobachter.

Die spektakulären Zwischengeschosse sind bestens geeignet für repräsentative Feiern. Nicht wenige, heißt es, hätten schon angefragt, ob sie hier heiraten dürften. Dürfen sie aber nicht: Der Würfel ist mit Steuergeldern gebaut worden, es gibt eine „Zweckbindung”, das heißt, dass hier nur Wissenschaft betrieben werden darf.

Jetzt hoffen viele, dass die Design-Studenten der Folkwang-Hochschule den Würfel nutzen könnten: Dass sie aufs große Zollverein-Gelände umsiedeln, ist bereits beschlossen. Wie diese dann aber den Würfel füllen könnten, weiß noch kein Mensch.

Kommentar: "Skandal-School"

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