Die katholische Kirche und der „Penis-Test”

Die Theologie-Professorin Dr. Uta Ranke-Heinemann zur Weigerung eines Bischofs, einen Impotenten kirchlich zu trauen

Essen. Ein italienischer Bischof hat einem Brautpaar die kirchliche Trauung verweigert, weil der Bräutigam nach einem Autounfall querschnittgelähmt und - wahrscheinlich – auf Dauer impotent ist. Auf den WAZ-Bericht vom Dienstag schickt die renommierte Theologieprofessorin Dr. Uta Ranke-Heinemann folgenden Brief:

„Auch am 9. Dezember 1982 berichtete die WAZ von einem „Verstoß gegen die Menschenwürde” und zwar unter der Überschrift „Junge Union in München gegen 'Penis-Test'”. Damals ging es um einen querschnittgelähmten jungen Mann, der keine Erektion haben konnte und daraufhin seine blinde Partnerin nicht heiraten durfte. Wohlgemerkt: Es geht nicht um die Zeugungsunfähigkeit (= impotentia generandi). Er ist wahrscheinlich zeugungsfähig, aber er ist nicht in der Lage, auf die kirchlich vorgeschriebene Weise seinen Samen auf den Weg zu bringen (impotentia coeundi = Beischlafsunfähigkeit).

Seit 1988 kämpfe ich (in „Eunuchen für das Himmelreich”, jetzt 25. Auflage) gegen diesen unmenschlichen Canon 1084 des CIC von 1983 von Johannes Paul II. , weil die katholische Kirche die Gestaltung des Eheverkehrs genau vorschreibt, sodass er ab einem bestimmten Grad der Lähmung auf diese Weise (Erektion) nicht mehr möglich ist.

Diese Querschnittgelähmten und damit auch ihre Partnerin werden lebenslänglich auf das Stadium eines Kindes zurückbeordert, da jegliche Intimität nur in der Ehe erlaubt ist, andernfalls Todsünde bedeutet. Es ist unerträglich, dass die Kirche bestimmt, ab welchem Grad der Lähmung eine Frau einen Mann nicht mehr lieben darf, ab welchem Grad der Verletzung ein Mann sein Leben einsam zu Ende zu leben gezwungen wird.”

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