Gesundheit

Beipackzettel machen Kranken Angst

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Witten. Unverständliche oder Angst machende Beipackzettel von Medikamenten sind – neben Unverträglichkeiten – ein häufiger Grund dafür, dass Arzneien in Deutschland ungeöffnet oder nur angebrochen im Müll landen. Das ist das Zwischenergebnis einer Studie der Privatuniversität Witten/Herdecke.

Die Wissenschaftler untersuchen im Auftrag des Bundesforschungsministeriums die Wirkung von Beipackzetteln auf Patienten. Nach Schätzungen wird jede fünfte Arznei nicht oder nicht bis zum Ende genommen.

Insgesamt gingen 2008 Medikamente für 40,7 Milliarden Euro über die Theken der Apotheken, so die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände. Das sind 1,42 Milliarden Arzneimittelpackungen.

Neben- und Wechselwirkungen

Für die bis 2011 laufende Studie haben die Wissenschaftler sechs Patientengruppen aus Ruhrgebiets-Arztpraxen befragt. Menschen, die an Blutzucker, Bluthochdruck oder an erhöhtem Cholesterin leiden. Die in den Beipackzetteln angegebenen möglichen Neben- und Wechselwirkungen lösten bei vielen Angst, Zweifel und Verunsicherung aus. „Im Ergebnis nehmen einige Patienten die Tabletten dann nicht, andere versuchen, sich im Internet, in Büchern oder sonstwo schlau zu machen”, so Stefan Wilm, Leiter des Instituts für Allgemein- und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke.

Milliarden in den Müll

Dazu hätten die meisten Befragten die Beipackzettel als zu umfangreich und wenig verständlich kritisiert und stattdessen lieber ausführlicher mit ihrem Arzt über das verordnete Mittel gesprochen, sagt die Projektleiterin der Studie, die Wuppertaler Pharmakologie-Professorin Petra Thürmann. Nach Angaben von Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte und Chef des Instituts für Gesundheitsökonomie in Köln, werden jährlich Arzneien im Wert von rund vier Milliarden Euro weggeworfen. Diese Kosten belasteten die Krankenkassen stark, so Lauterbach.

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