Serie: Was macht?

Goldjunge des Schwermetalls

„Im Metal gibt es keine Hits, sondern Hymnen“: Für solche Songs und Alben hat Bandmanager und Musikproduzent Bogdan Kopec viele Ehrungen in Gold und Platin erhalten.

„Im Metal gibt es keine Hits, sondern Hymnen“: Für solche Songs und Alben hat Bandmanager und Musikproduzent Bogdan Kopec viele Ehrungen in Gold und Platin erhalten.

Foto: Funke Foto Services

Witten.   Bogdan Kopec gründete in Witten Drakkar Entertainment für Heavy Metal. Er arbeitete mit Nightwish und gewann mit Lordi den Eurovision Song Contest.

Er war einer der erfolgreichsten Musikproduzenten von Heavy Metal, doch inzwischen ist es um Bogdan Kopec ruhiger geworden. Im vergangenen Jahr hat er seine Wittener Firma Drakkar Entertainment nach fast 30-jährigem Bestehen nach Hamburg verkauft.

Behalten hat er jedoch den Musikverlag Drakkar Edition. Ihm gehören die Rechte an rund 3000 Songs, und er kümmert sich darum, dass sie etwa im Radio, Fernsehen und in der Werbung gespielt und dann auch bezahlt werden. Außerdem, dass die Lieder im Rest der Welt ordentlich registriert und verrechnet werden.

Sein neues Büro ist im Souterrain einer Stadtvilla an der Berger Straße. Früher gehörte ihm das gesamte Gebäude, bis zu 20 Personen arbeiteten dort und gut ein Dutzend in einem Lager in Annen. Heute hat Kopec noch eine Angestellte. Seine Bürowände zeigen seine größten Erfolge als Produzent: zahlreiche Ehrungen in Platin und Gold. Das Debütalbum der Guano Apes, „Proud Like a God“, hat er produziert, außerdem die Skandinavier Him und Nightwish, seine wohl beliebteste Band. „Mein skurrilster Erfolg war aber Lordi“, sagt der 64-Jährige. Die finnischen Monsterrocker siegten 2006 beim Eurovision Song Contest. „Ich habe einen Schlagerwettbewerb mit einer Metalband gewonnen. Das macht mir keiner nach.“

Karriereanfang war die Garagenband seiner Kumpels

Angefangen hat für Kopec alles in den 60er Jahren bei der Garagenband seiner Kumpels, Faithful Breath. Er selbst spielte kein Instrument. „Ich hatte aber einen Kugelschreiber, also wurde ich der Manager.“ Für den gelernten Autoschlosser, der in Bochum aufgewachsen ist, war das der Beginn seiner Musikkarriere: „Ich habe schon mit nahezu jeder deutschen Metalband gearbeitet“, erinnert er sich. Auf Tour, als Manager, mit einem Plattenlabel oder weil er Merchandise vertrieb. Helloween, Running Wild, Kreator, Sodom, Savatage und Rage waren darunter, ebenso Depp Jones von Bela B.

Mit Tourneen in den USA, Südamerika und Japan verhalf er Newcomern zu weltweitem Ruhm und bereitete ausländischen Bands hierzulande den Weg. Sepultura und Biohazard arbeiteten etwa bei ihren ersten Europatourneen mit Kopec zusammen.

Privat nie selbst Metal gehört

„In Witten haben wir ganz viele Bands aufgebaut.“ Sobald sie jedoch erfolgreicher wurden, wechselten sie zu größeren Unternehmen. „So ist nunmal das Geschäft“, weiß Kopec. „Echte Treue gibt’s im Künstlerbereich nicht.“ Er lacht und hat es keiner Band krummgenommen. Mit einigen hält er bis heute Kontakt. Das ist schwierig, denn er lebt seit knapp 20 Jahren die Hälfte des Jahres in Griechenland und widmet sich seiner Leidenschaft: der Malerei.

Er verbringt inzwischen auch gerne Zeit mit seinen drei Enkelkindern. Sie sind noch zu klein, um die Metalplatten von Opa Boggi aufzulegen. Gar nicht schlimm, findet Kopec. „Privat habe ich nie Metal gehört oder in einer Band gespielt. Ich mag aber die Szene sehr gerne. Sie hat tolle Fans, die Bands bis ins hohe Alter unterstützen.“

Fan von Led Zeppelin

Ein Fan ist er übrigens selbst, psychodelischen Rock mag er seit der Jugend. So hat Bogdan Kopec zum Beispiel Plakate geklebt, als Led Zeppelin am 23. März 1973 in der Essener Grugahalle auftraten. Den Gig hat er natürlich ebenfalls gesehen. Das Konzertplakat hängt jetzt eingerahmt an seiner Bürowand.

Auf seinem Schreibtisch liegt dagegen die neuste CD (2015) der schottischen Folkpunkband The Wakes. „Mein Logo ist auf circa 20 Millionen LPs drauf, und das ist die erste, mit der ich gar nichts zu tun hatte. Ein seltsames Gefühl.“

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