Schulen

Stahlring in Oberhausen als Zeichen gegen Fremdenhass

Auf dem Schulhof des Sophie-Scholl-Gymnasiums wird der Stahlring mit dem Schneidbrenner bearbeitet.

Auf dem Schulhof des Sophie-Scholl-Gymnasiums wird der Stahlring mit dem Schneidbrenner bearbeitet.

Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv

Oberhausen.   Seit 2008 zieht der „Engel der Kulturen“ durch Deutschland und machte jetzt Station in Sterkrade.

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Verdutzt blickt der Autofahrer auf die Szene vor seiner Motorhaube. Da rollt tatsächlich ein großer Stahlring über den Zebrastreifen am Sophie-Scholl-Gymnasium. 1,50 Meter mag er messen, etwas größer jedenfalls als das Mädchen in der grünen Jacke, das das Rad mit anderen Kindern vor sich hertreibt. Auf sie folgt ein langer Zug von Menschen, manche plaudernd, andere geradezu andächtig. Über ihren Köpfen weht eine Fahne, die diesem Bild einen Titel gibt: „Engel der Kulturen“.

Das steht für zwei Dinge und sehr viel mehr. Es ist einerseits der Name dieses rollenden Stahlrings, in dem die eingelassenen Symbole von Islam, Juden- und Christentum, Halbmond, Davidstern und Kreuz, die Umrisse eines Engels markieren. Es ist andererseits eine Aktion, bei der die beiden Künstler Carmen Dietrich und Gregor Merten seit 2008 schon in Dutzenden Städten ein Zeichen ge­gen Fremdenhass und für das Miteinander der Kulturen gesetzt haben. In Sterkrade steht dieser Engel für einen bewegenden Tag, an dem sich Hunderte Menschen beteiligt haben.

Wandern wie ein Staffelstab

Vom Tackenberg rollt der Engel nach Sterkrade: An der Apostelkirche und der Mevlana-Moschee werden Friedensgebete gesprochen. In der Bernarduskapelle greifen Jugendliche des von Menschen aus 20 Nationen besuchten Käthe-Kollwitz-Berufskollegs zu Trommeln. Auch an der St.-Clemens-Kirche und im gleichnamigen Hospital macht er Station. Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium haben Siebt- und Achtklässler Körper von Gips-Engeln und kurze Episoden über Engel vorbereitet.

Erst auf dem Schulhof des benachbarten Sophie-Scholl-Gymnasiums aber, zu dem der Stahlring vorbei am verdutzten Autofahrer gerollt wird, erhält Oberhausen ein dauerhaftes Andenken: Vertreter der Gemeinden, der Stadt und der Organisatoren lassen einen kleinen Kulturengel als Platte in den Boden ein. Am Pult stehen Politiker, Geistliche und Schulvertreter. Bürgermeisterin Elia Albrecht-Mainz un­terstreicht: „Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt haben in Oberhausen keinen Platz.“ Nachdenklich stimmen die Worte von Lev Schwartzmann aus der Liberalen Jüdischen Gemeinde. Er appelliert an die Jugendlichen: „In eurem Leben werdet ihr Dinge antreffen, die dem widersprechen, was hier heute passiert. Es ist wichtig, dass ihr euch das Gefühl des heutigen Tages erhaltet.“

Nach dem Verlegen der Engel-Platte brennt Künstler Gregor Merten mit Schülern eine neue heraus. Wie ein Staffelstab bei dieser Daueraktion soll sie an die nächste Stadt weitergereicht werden. Auch Katarina und Krystyna führen den Schneidbrenner um Kreuz, Stern und Mond. „Das ist ein kleiner Teil gegen Rassismus“, sagt Krystyna. Den beiden Zwölfjährigen geht es auch um den Umgang mit Flüchtlingen: Sie engagieren sich in der Gemeinde Holten-Sterkrade, kochen und spielen mit Flüchtlingen. „Man muss sich mal in deren Lage hineinversetzen“, appelliert Katarina an ihre Mitmenschen.

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