Rund um die Kirche

St. Clemens ist Ruhepunkt im Trubel von Oberhausen-Sterkrade

Sie ist die dritte ihrer Art, die St. Clemens-Kirche in Oberhausen-Sterkade. Zwischen 1952 und 1953 wurde das jetzige Gotteshaus an der Stelle einer alten Kirche gebaut.

Sie ist die dritte ihrer Art, die St. Clemens-Kirche in Oberhausen-Sterkade. Zwischen 1952 und 1953 wurde das jetzige Gotteshaus an der Stelle einer alten Kirche gebaut.

Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.   Wer durch Oberhausen-Sterkrade läuft oder fährt, der kommt an ihr nicht vorbei - der katholischen St. Clemens Kirche steht im Zentrum der Sterkrader Innenstadt mit vielen Geschäften, dem belebten Wochenmarkt und einmal im Jahr der Fronleichnamskirmes. Das Gotteshaus steht mitten im Leben - damals wie heute.

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Als die Glocken von St. Clemens die Menschen zur Kirche rufen, sind sie längst da. Zwischen den 30, vielleicht 40 Marktständen tummeln sie sich auf dem weiten Platz vor der Kirche. Beim Gemüsehändler diskutiert ein Pärchen seinen Wocheneinkauf durch, unterbrochen nur von den Rufen einer Marktfrau, die ihre Kirschen anzupreisen versucht. Ein paar Stände weiter in der Fußgängerzone tippt ein Mann dem anderen auf die Schulter, das überraschte Gesicht erhellt sich im Moment des Erkennens. „Auch hier?“

Die Clemens Kirche steht als stiller Beobachter mittendrin. Kühlen Schatten spendet der 1987 erbaute rechteckige Glockenturm, der etwas versetzt vom über 60 Jahre alten Kirchbau steht – so als habe das Gotteshaus noch einen Schritt hinein machen wollen, hinein in den Trubel der Stadt.

Kirche und Kirmes nah beieinander

Probst Hans-Thomas Patek kommt aus dem Pfarrhaus, das hinter der Kirche, ein Stück entfernt vom Marktplatz steht. Seit Ende 2011 arbeitet der 59-Jährige in Sterkrade, als Pfarrer und Pastor in der Gemeinde, als Propst in der Großpfarrei mit knapp 39 000 Mitgliedern. Der Standort der Kirche, sagt der Seelsorger, sei etwas Besonderes: „Sie gehört zum Bild des Markts und der Fronleichnamskirmes, ist Teil des Stadtteillebens. Dabei ist sie ein Ort der Ruhe, im Sommer kühl, im Winter angenehm wärmer.“

Mittendrin zu sein, das heißt auch, Veränderungen der Fußgängerzone direkt zu erleben. Vor den Türen der Kirche steht eine Spielhalle. Daneben erkennt man in einem Tattoo-Studio Kunst auf nackter Haut. Gegenüber verharren ein alteingesessenes Schreibgeschäft und ein geschäftiges Sanitätshaus, die Türen eines schrill beworbenen Friseursalons sind weit geöffnet. Nette Leute, so Patek, da gehe er gern zum Haareschneiden hin.

Der hintere Eingang zu einem großen SB-Markt ist vom Pfarrhaus aus einzusehen. Nach einer dunklen kurzen Unterführung beginnt der so genannte kleine Markt, ein Sorgenkind in Sterkrade. Rund um den Ankerpunkt des SB-Markts stehen bis auf einzelne hartgesottene Geschäftsleute viele Ladenlokale leer. Der Platz, meint Patek, „könnte einladender sein“. Das Wasserspiel aus nackten Stahlrohren plätschert, an dem Rondell aus Backsteinen wachsen Gräser hoch.

Maria Jürgensmeier kennt die Kirche und ihr Umfeld sehr genau, 16 Jahre hat sie als Pfarrsekretärin gearbeitet, seit 2001 ist sie ehrenamtlich in der Gemeinde aktiv. Zu jedem der kirchlichen Gebäude wissen sie und Patek etwas zu erzählen, etwa vom Ärztehaus, in dem früher ein Jugendzentrum war und dessen Fassade geprägt ist durch eine ausladende Kastanie. „Beim Day of Song singen wir darunter“, sagt Patek über den Singtag im Revier.

Auch Autofahrer passieren auf dem Weg durch Sterkrade immer die Kirche, denn der Verkehrsring schlägt hier seinen Bogen. Die Ampel steht vor dem Kirchplatz. Davor hält ein Rettungswagen, vielleicht auf dem Weg zum St.-Clemens-Hospital. Seit der Fusion mit den Katholischen Kliniken gehört es (und damit auch die Gemeinde als Gesellschafter) zu den größten Arbeitgebern der Stadt. Ein paar Kreuzungen weiter betreibt die Gemeinde auch ein Altenzentrum.

Am Hof der Clemens-Kindertagesstätte für rund 90 Kinder vorbei führt ein kleiner, schattiger Fußgängerweg, dessen Name an einen verstorbenen Vorgänger Pateks erinnert. Der Weg geht bis zur Klosterstraße. Auch sie erinnert, an das 1240 gestiftete Zisterzienserinnenkloster, dessen vierter Nachfolgebau die heutige Propsteikirche ist. Um dieses Kloster herum entwickelte sich die Gemeinde, die heute Sterkade ausmacht.

Damals wie heute: St. Clemens war mittendrin.

Wappen erinnern ans Kloster 

Die Wappen am Haus der Schwestern erinnern an die Jahrhunderte alte Geschichte des Sterkrader Gotteshauses. 1240 wurden an der Stelle, an der heute St. Clemens steht, ein Kloster gestiftet. Die Gründung des Zisterzienserinnen-Klosters ging von zwei adeligen Familien aus. Im Jahr 1271 wurde es offiziell in den Zisterzienserorden aufgenommen. Bereits um 1280 sollen 20 Nonnen dort gelebt haben.

Das Kloster wurde zwar Anfang des 19. Jahrhunderts aufgehoben, doch um 1898 kam mit den Schwestern von der göttlichen Vorsehung ein neuer Orden nach Sterkrade. Sie arbeiteten in der Kranken- und Altenpflege und betreuten den Kindergarten der Pfarre. Als ein Teil des Dachstuhls 1969 einstürzte, zogen die Nonnen in ein neues Gebäude hinter der St. Clemens Kirche ein. Dort lebte der Orden bis Ende 2012.

Ihr Weggang war kein leichter: „Die Schwestern haben hier im Viertel eine wichtige Arbeit geleistet“, sagt Pfarrer Hans-Thomas Patek. Er erinnert an die Suppenküche, die die Frauen in ihrem Haus eingerichtet und organisiert haben.

Seit Mai dieses Jahres leben nun wieder Schwestern in Sterkrade. Nonnen aus dem Orden „Medizinische Schwestern St.Joseph“, der 1947 in Indien gegründet wurde, bewohnen das Gebäude hinter der Kirche. Sie sind im St. Clemens Hospital tätig.

Zwei Wappen in der Fassade des Schwesternhauses erinnern an die lange Geschichte der Gemeinde. Rechts sieht man das Wappen Sterkrades, das ursprünglich zur Äbtissin Anna Catharina von Nunnum gehörte. Links daneben hängt das Wappen der Äbtissin Antonetta Bernardina von Wrede.

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