Serie: Leute & Läden

Perücken sehen aus wie das eigene Haar

Zweithaarexpertin Andrea van der Beck frisiert eine Perücke.

Foto: Fabian Strauch

Zweithaarexpertin Andrea van der Beck frisiert eine Perücke.

Mülheim.   Zweithaarpraxis in Mülheim eröffnet: Andrea van der Beck versorgt Menschen, die ihr Haar krankheits- oder altersbedingt verloren haben, mit richtig modernen Haarteilen, Toupets oder Perücken

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Mit übertriebener Eitelkeit hat das nichts zu tun: Wenn die Haare plötzlich dünn werden oder sogar ganz ausfallen, dann fühlen sich Betroffene unwohl, viele leiden sogar richtig darunter. „Und das trifft nicht nur auf Frauen, sondern auch auf Männer zu“, weiß Andrea van der Beck aus jahrelanger Erfahrung.

Die Friseurmeisterin hat in ihrem Salon in Speldorf schon oft Kundinnen und Kunden frisiert, denen der Haarverlust zu schaffen machte. Zum Beispiel Menschen, die durch hormonelle Veränderungen, Stoffwechselstörungen oder auch eine Chemotherapie kahle Stellen am Kopf bekommen hatten.

Helfen konnte sie ihnen in ihrem normalen Friseurstudio nicht richtig. Deshalb hat die 53-Jährige noch einmal dazugelernt, hat eine Ausbildung zur geprüften Fachkraft für Zweithaar absolviert – und jetzt eine Zweithaarpraxis eröffnet an der Paul-Essers-Straße 3. „Hier kann ich diese Menschen fachgerecht versorgen – und zwar ganz diskret. Mit Perücken, Toupets und Haarteilen oder auch durch Haarintegration und Haarverdichtung“, sagt sie. Eine Kassenzulassung hat van der Beck auch, denn bei krankheitsbedingten Haarproblemen übernimmt in bestimmten Fällen die Krankenkasse die Kosten für die Zweithaar-Lösung. Das gilt vor allem auch für Krebspatientinnen und -patienten, die nach einer Chemotherapie sämtliche Haare verloren haben.

„Besonders für Frauen ist das zusätzlich zur Krankheit eine Belastun und nagt am Selbstwertgefühl. Manche trauen sich gar nicht mehr raus“, weiß Andrea van der Beck. Anders als früher gibt es heute aber Perücken oder Haarteile, die täuschend echt aussehen und gar nicht als solche auffallen. „Die Perücken oder die Haarteile werden für jeden Kunden ganz individuell bei einem namhaften Hersteller bestellt und von mir dann typgerecht eingearbeitet, eingeschnitten und frisiert“, berichtet die Zweithaarexpertin. Vorlagen und Modelle – sowohl für die Echthaar- als auch die Kunsthaarvarianten – hat sie im Laden zur Genüge.

Ist noch eigenes Haar vorhanden müssen Haardicke und -farbe genau stimmen und der Schnitt des Haarteils oder Toupets an das echte Haare angepasst werden. „Beim Kunsthaarschneiden wendet man eine ganz andere Technik an als beim normalen Haareschneiden, man benutzt auch andere Scheren“, erklärt van der Beck. Professioneller als früher wird das Zweithaar auch auf dem Kopf befestigt: Es befindet sich auf einer Folie, die wie Kopfhaut aussieht und auf die kahle Stelle geklebt wird. „Das Haarteil fällt nicht raus, man kann daran ziehen oder damit schwimmen gehen“, so die Friseurin.

Umstyling der Perücke

Wem die Perücke nicht mehr gefällt, der kann sie bei Andrea van der Beck auch umstylen lassen. Sie verändert den Schnitt oder nutzt Lockensstab und Fön, um hübsche Haarpracht zu schaffen. Außerdem übernimmt sie die „Nachsorge“ nach der Chemotherapie, das heißt sie schneidet die noch dünnen und fusseligen nachwachsenden eigenen Haare zu einer feschen Frisur.

Diskretion ist das oberste Gebot in ihrem Zweithaarstudio. Empfangsraum und Praxisraum sind streng voneinander getrennt, niemand muss sich ohne Haare vor anderen Menschen zeigen oder seine Probleme öffentlich schildern. „Es entsteht ein recht persönliches Verhältnis zum Kunden, ich muss Vertrauen aufbauen“, sagt Andrea van der Beck, die gerne helfen und ihren Kunden „Mut machen will“.

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